Erst Schock, dann Salah, dann Alltag
Es gibt Fußballspiele, die beginnen mit einem Paukenschlag. Und dann gibt es Spiele wie Ägypten gegen Neuseeland, bei denen der Paukenschlag ausschließlich von der Mannschaft kommt, die ihn eigentlich nicht liefern sollte.
Nach einer Viertelstunde führten tatsächlich die All Whites. Die Neuseeländer machten genau das, was Außenseiter bei Weltmeisterschaften gerne tun: Sie schossen ein Tor und schauten anschließend gespannt zu, wie lange sie das Wunder würden festhalten können.
Die Antwort lautete: erstaunlich lange.
Ägypten spielt Angriff gegen Beton
Denn danach entwickelte sich die Partie zu einem einzigen ägyptischen Dauerangriff. Die Pharaonen belagerten den gegnerischen Strafraum mit einer Hartnäckigkeit, die sonst nur Finanzämter kurz vor Fristende an den Tag legen.
Der Ball lief.
Die Chancen kamen.
Die Geduld wurde auf die Probe gestellt.
Und irgendwo in den Reihen der ägyptischen Fans machte sich langsam die Sorge breit, dass der Fußballgott an diesem Abend möglicherweise Urlaub in Auckland machte.
Zico öffnet die Schleusen
Dann kam Mostafa Zico.
Mit seinem Ausgleich in der zweiten Halbzeit löste er nicht nur den Knoten, sondern gefühlt auch sämtliche Handbremsen auf dem Platz.
Plötzlich spielte nur noch eine Mannschaft.
Plötzlich wurden aus Chancen Tore.
Und plötzlich erinnerte das Spiel wieder daran, warum Ägypten als Favorit in die Partie gegangen war.
Wenn Salah auftaucht, wird es unangenehm
Natürlich durfte auch Mohamed Salah nicht fehlen.
Der Superstar tat, was Superstars eben tun. Er brachte seine Mannschaft in Führung und sorgte dafür, dass aus Nervosität Zuversicht wurde.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Geschichte vom neuseeländischen Fußballmärchen wohl kein Happy End bekommen würde.
Als dann auch noch Trézéguet per Flugkopfball traf, war die Angelegenheit endgültig erledigt.
Flugkopfball klingt ohnehin immer nach großer Fußballkunst. Selbst wenn der Ball anschließend vom Ohrläppchen ins Tor springt.
Neuseeland entdeckt die Offensive zu spät
Erst in den Schlussminuten erinnerten sich die Neuseeländer daran, dass man für Siege gelegentlich auch selbst angreifen darf.
Da wurde es noch einmal lebhaft.
Da wurde es noch einmal gefährlich.
Da wurde es allerdings auch etwas spät.
Fußballspiele dauern bekanntlich 90 Minuten und nicht nur die letzten zehn.
Der Blick nach vorne
Für Ägypten sieht die Welt nun deutlich freundlicher aus. Der Einzug in die K.-o.-Runde rückt näher, und gegen Iran winkt sogar der Gruppensieg.
Die Pharaonen haben zwar eine Halbzeit lang gebraucht, um aufzuwachen, aber danach lief die Maschine.
Neuseeland dagegen steht nun vor einem Endspiel gegen Belgien. Die Aufgabe ist klar: gewinnen oder Koffer packen.
Wobei die Belgier derzeit ebenfalls nicht gerade den Eindruck erwecken, als hätten sie ihre beste Fußballversion mit zur Weltmeisterschaft gebracht.
Vielleicht gibt es also doch noch Hoffnung für die All Whites.
Und wer weiß: Nach diesem Turnierverlauf wäre selbst das nächste Fußballmärchen keine wirkliche Überraschung mehr.
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