Monatelang wurde bombardiert, gedroht, sanktioniert und auf sozialen Netzwerken der baldige Zusammenbruch des iranischen Regimes verkündet. Nun haben die USA und der Iran ein Memorandum unterzeichnet, das vor allem eine Frage aufwirft: Wofür war dieser Krieg eigentlich gut?
Die Antwort fällt ernüchternd aus.
Nach Tausenden Toten, explodierenden Ölpreisen, nervösen Börsen und weltweiten Wirtschaftsängsten scheint das wichtigste Ergebnis zu sein, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Jene Meerenge also, die vor Kriegsbeginn ebenfalls geöffnet war.
Vom Regimewechsel zur Rückfahrkarte
Als der Krieg Ende Februar begann, klang alles noch nach großem historischen Umbruch. Donald Trump sprach von einer einmaligen Chance für die Iraner, ihr Land zurückzuerobern. Benjamin Netanjahu träumte davon, nach vier Jahrzehnten endlich das Mullah-Regime entscheidend zu treffen.
Heute wirkt das Ganze eher wie ein Autofahrer, der mit Vollgas gegen eine Mauer fährt und anschließend stolz verkündet, er habe den Rückwärtsgang gefunden.
Das iranische Regime, dessen Zusammenbruch angekündigt wurde, sitzt weiterhin in Teheran. Die Führung wurde ausgetauscht, die Machtstrukturen blieben bestehen. Statt eines Regimewechsels gibt es nun Sanktionslockerungen, eingefrorene Milliarden und neue Verhandlungen.
Die teuerste Rückkehr zum Ausgangspunkt der Weltgeschichte
Besonders bemerkenswert: Vor dem Krieg wurde über das iranische Atomprogramm verhandelt. Nach dem Krieg wird wieder über das iranische Atomprogramm verhandelt.
Vor dem Krieg war die Straße von Hormus offen. Nach dem Krieg soll die Straße von Hormus wieder offen sein.
Vor dem Krieg floss iranisches Öl nur eingeschränkt auf den Weltmarkt. Nach dem Krieg sollen die Beschränkungen gelockert werden.
Die diplomatische Bilanz erinnert damit an jemanden, der sein Wohnzimmer anzündet, um anschließend festzustellen, dass die Couch vorher eigentlich ganz bequem war.
Der neue Superstar: Die Straße von Hormus
Die eigentliche Gewinnerin des Konflikts heißt nicht Washington, Jerusalem oder Teheran. Sie heißt Straße von Hormus.
Der Iran hat demonstriert, dass er mit der Kontrolle einer einzigen Wasserstraße die Weltwirtschaft deutlich stärker unter Druck setzen kann als mit vielen seiner teuren regionalen Verbündeten. Die Botschaft wurde verstanden – besonders in Washington.
Denn spätestens als die Benzinpreise stiegen und die Börsen ins Schwitzen gerieten, entdeckte Trump seine Liebe zum Frieden.
Trump verkauft den Ausstieg als Meisterwerk
Natürlich präsentiert der US-Präsident die Vereinbarung als historischen Erfolg. Schließlich wurde das Dokument sogar in Versailles unterschrieben – was dem Ganzen den Hauch eines Friedensvertrags von weltgeschichtlicher Bedeutung verleihen soll.
Kritiker sehen darin eher den Versuch, einen kostspieligen Umweg als strategische Meisterleistung zu verkaufen.
Bleibt die Hoffnung, dass die nun beginnenden Verhandlungen tatsächlich zu einer dauerhaften Lösung führen. Denn sollte am Ende lediglich festgestellt werden, dass Reden doch sinnvoller ist als Bombenwerfen, hätte die Welt für diese Erkenntnis einen erstaunlich hohen Preis bezahlt.
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