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Freiwillige kämpfen auf Borneo gegen gefährliche Torfbrände

bernswaelz (CC0), Pixabay
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Über Borneo liegt eine dichte Smogdecke. Der Himmel ist gelblich verfärbt, die Luft schwer und voller Rauch. Selbst aus dem Boden steigen giftige Dämpfe auf. Die Folgen der Brände sind längst über Indonesien hinaus in Singapur, Malaysia und auf den Philippinen zu spüren.

Für den freiwilligen Feuerwehrmann Dwi Sujatmoko fühlt sich der Rauch wie Tränengas an. Er reizt die Nase, lässt die Augen brennen und erschwert das Atmen. Trotzdem steht der 35-Jährige seit mehr als einem Monat gemeinsam mit Tausenden anderen Helfern im Einsatz.

Viele der freiwilligen Feuerwehrleute gehören den indigenen Bevölkerungsgruppen der Dayak oder Banjar an. Mit einfachen Werkzeugen, mobilen Pumpen und provisorischen Wasserleitungen versuchen sie, die Brände einzudämmen.

Seit Anfang Juli wurden auf dem indonesischen Teil Borneos rund 200.000 Hektar Wald und landwirtschaftliche Fläche zerstört. Besonders gefährlich sind die unterirdischen Torfbrände. Sie können tief im Boden weiterglimmen, obwohl an der Oberfläche kaum noch Flammen zu sehen sind.

Indonesien erlebt eine schwere Waldbrandkatastrophe. Ein besonders starkes El-Niño-Ereignis hat die Trockenheit verschärft. Im ganzen Land entstehen immer neue Brandherde. Der daraus resultierende Rauch verursacht die schwerste grenzüberschreitende Smogkrise Südostasiens seit mehr als zehn Jahren.

Borneos Brände sind deshalb besonders bedrohlich, weil sie eines der größten tropischen Torfgebiete der Welt erfassen. Das rund 4,5 Millionen Hektar große Gebiet aus Wäldern und Sümpfen speichert unter normalen Bedingungen gewaltige Mengen Kohlenstoff.

Torf entsteht aus Pflanzenresten, die sich in dauerhaft nassen Böden nur sehr langsam zersetzen. So lagert sich über Jahrtausende Kohlenstoff im Untergrund ab. Wird ein Torfgebiet entwässert oder gerät es in Brand, können große Mengen Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Methan freigesetzt werden.

Wissenschaftler sprechen deshalb von einer möglichen „Kohlenstoffbombe“. Je tiefer die Torfschicht ist, desto größer ist der gespeicherte Kohlenstoffvorrat. In Kalimantan wurden Ablagerungen mit einer Tiefe von mehr als 20 Metern gefunden.

Ein Hektar eines solchen Torfgebiets kann mehr als 6.000 Tonnen Kohlenstoff enthalten. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Kohlendioxidausstoß von 4.800 Autos. Bei einem Brand kann ein erheblicher Teil davon innerhalb kurzer Zeit in die Atmosphäre gelangen.

Die Folgen treffen bereits Millionen Menschen. In Indonesien, Brunei, Malaysia, Singapur und auf den Philippinen erreichte die Luftverschmutzung gesundheitsschädliche Werte. Teilweise lagen die Messwerte fast 75-mal über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

Zwischen Juli und August registrierte das indonesische Gesundheitsministerium mehr als 50.000 Atemwegsinfektionen, die mit Wald- und Flächenbränden in Verbindung gebracht wurden. Mehr als 12.000 Betroffene waren Kinder unter fünf Jahren.

Besonders gefährlich sind Kohlenmonoxid und winzige Feinstaubpartikel. Diese können tief in die Lunge eindringen, über die Lungenbläschen in den Blutkreislauf gelangen und auch das Herz-Kreislauf-System schädigen.

Am stärksten belastet sind die Menschen direkt an den Brandfronten. Dort riskieren freiwillige Helfer täglich ihre Gesundheit und ihr Leben. Zwei Einsatzkräfte in Zentralkalimantan starben Berichten zufolge, nachdem sich ihr Gesundheitszustand während der Löscharbeiten verschlechtert hatte.

Torfbrände sind außerordentlich schwer zu löschen. Die Helfer müssen den trockenen Boden vollständig mit Wasser sättigen, bis er beinahe eine breiartige Konsistenz erreicht. Dafür legen sie Teiche und Kanäle an, bohren Brunnen und treiben Rohre in die Erde.

Selbst nach intensiven Löscharbeiten können die Feuer wieder aufflammen. Verborgene Glutnester bleiben tief im Torf erhalten und breiten sich unbemerkt weiter aus. Manche Helfer schlafen deshalb in unmittelbarer Nähe der Einsatzorte, um auch nachts gegen neue Brände vorgehen zu können.

Der freiwillige Feuerwehrmann Fahrin Ramadhianto berichtet, der Rauch sei das Schlimmste. Brennender Torf rieche wie verkohlendes, verrottetes Holz. In dem Boden befänden sich zersetzte Pflanzenreste und organisches Material aus vielen Jahrhunderten.

Die Feuer sind kein neues Problem. Fachleute sehen ihre Ursachen in jahrzehntelangen Eingriffen in die Landschaft. Seit der Regierungszeit des früheren Präsidenten Suharto wurden große Wald- und Torfgebiete für Holzeinschlag, Plantagen und andere Großprojekte geöffnet.

Die Verantwortung wurde in der Vergangenheit häufig indigenen Gemeinschaften zugeschrieben. Einige von ihnen nutzen kontrollierte Feuer, um kleinere Flächen für die traditionelle Landwirtschaft vorzubereiten.

Vertreter der Dayak weisen diese Vorwürfe zurück. Ihre Form der Landwirtschaft folge über Generationen weitergegebenen Regeln. Rodungen würden sorgfältig geplant und kontrolliert, um das Gleichgewicht mit der Natur zu bewahren.

Gleichzeitig wurden große Gebiete für industrielle Plantagen und Monokulturen entwässert. Gerade diese Trockenlegung macht Torfböden besonders leicht entzündlich. Kalimantan verlor allein 2025 fast 160.000 Hektar Wald. Das entsprach mehr als einem Drittel des gesamten indonesischen Waldverlusts in diesem Jahr.

Torfgebiete eignen sich eigentlich kaum für Plantagen. Nachdem besser geeignete mineralische Böden vielerorts bereits genutzt waren, machten schwere Maschinen jedoch auch die sumpfigen Landschaften zugänglich. Kanäle leiteten das Wasser ab und trockneten den Untergrund aus.

Damit stieg nicht nur die Brandgefahr. Auch entwässerter Torf, der nicht brennt, gibt fortlaufend Kohlendioxid an die Atmosphäre ab. Die sichtbaren Feuer sind somit nur die dramatischste Folge eines dauerhaft geschädigten Ökosystems.

Für die Einsatzkräfte wird die Lage durch den Wassermangel zusätzlich erschwert. Je länger die Trockenheit anhält, desto schwieriger wird es, genügend Wasser an die Brandstellen zu bringen.

Hinzu kommen Erschöpfung, gesundheitliche Beschwerden und die lange Trennung von den Familien. Viele Freiwillige sind seit Monaten unterwegs und sehen ihre Partner und Kinder kaum.

Trotzdem wollen Sujatmoko und seine Mitstreiter weitermachen. Unkontrollierte Brände bedrohten nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen und die Lebensgrundlagen ganzer Regionen. Breiteten sich die unterirdischen Feuer weiter aus, könnten die Schäden kaum noch begrenzt werden.

Die Helfer hoffen vor allem auf Regen. Ohne anhaltende Niederschläge können die tiefen Torfschichten kaum vollständig gelöscht werden.

Ihr Einsatz bekämpft damit weit mehr als sichtbare Flammen. Die Freiwilligen versuchen, eine Gesundheitskatastrophe einzudämmen, jahrtausendealte Kohlenstoffspeicher zu schützen und eine weitere Verschärfung des Klimawandels zu verhindern.

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