Mehr als einen Monat nach dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran hat erstmals wieder ein französisch kontrolliertes Schiff die strategisch wichtige Straße von Hormus durchquert.
Wie der französische Sender BFM TV am Freitag berichtete, passierte ein unter maltesischer Flagge fahrendes Containerschiff des französischen Reedereikonzerns CMA CGM die Meerenge. Das Unternehmen selbst wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren.
Nach Angaben von Schifffahrtsanalysten von Kpler handelt es sich um das erste Schiff eines großen westeuropäischen Unternehmens, das seit Beginn des Konflikts wieder durch die Straße von Hormus gefahren ist.
Erste vorsichtige Bewegung auf hochgefährlicher Route
Zwar hatte Iran zuletzt erklärt, dass „nicht-feindliche Schiffe“ die Wasserstraße weiterhin nutzen könnten. Dennoch war der reguläre Schiffsverkehr in der Region nach mehreren Angriffen auf Handelsschiffe faktisch nahezu zum Erliegen gekommen.
Positionsdaten zeigen, dass das französische Schiff die Passage auffällig nah an der Küste Omans nahm – also auf der gegenüberliegenden Seite des Iran. Was sich an Bord befand, ist bislang nicht bekannt.
Auch ein japanisches Schiff mit Flüssiggasladung konnte die Meerenge inzwischen verlassen. Der japanische Reedereikonzern MOL bestätigte, dass sowohl das Schiff als auch die Besatzung in Sicherheit seien.
„Die Sicherheit von Schiff und Crew wurde bestätigt. Wir werden auch weiterhin dem Schutz unserer Besatzungen, Ladungen und Schiffe höchste Priorität einräumen“, erklärte das Unternehmen.
Schiffe fahren extrem nah an Oman entlang
Laut dem maritimen Informationsdienst Lloyd’s List hielten sich mehrere Schiffe, die am Donnerstag die Passage wagten, „ungewöhnlich dicht“ an die omanische Küste. Das gilt als klares Zeichen dafür, wie hoch das Risiko in der Region weiterhin eingeschätzt wird.
Die Straße von Hormus bleibt trotz einzelner Durchfahrten eine der gefährlichsten Seerouten der Welt. Noch immer ist unklar, ob die vorsichtige Wiederaufnahme einzelner Fahrten ein Wendepunkt oder nur eine Ausnahme bleibt.
Weltwirtschaft unter Druck
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energieadern der Welt: Rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggastransports läuft normalerweise durch die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman.
Seit dem faktischen Stillstand des Verkehrs Ende Februar waren laut Lloyd’s List rund 200 Schiffe in den umliegenden Gewässern festgesetzt oder blockiert.
Die drastische Einschränkung des Schiffsverkehrs hat die weltweiten Ölpreise massiv nach oben getrieben. In der Folge stiegen auch die Kraftstoffpreise deutlich an – mit spürbaren Folgen für Transportkosten, Inflation und globale Lieferketten.
Trump spricht von Wiedereröffnung – und Ölprofiten
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt erklärt, die USA könnten die Straße von Hormus wieder öffnen. Gleichzeitig beklagte er, dass Verbündete nicht ausreichend helfen würden.
Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump:
„Mit etwas mehr Zeit können wir die Straße von Hormus problemlos ÖFFNEN, uns das Öl holen und ein Vermögen machen.“
Diese Äußerung sorgt international weiter für Kritik, weil sie den Eindruck verstärkt, dass wirtschaftliche Interessen und geopolitische Machtprojektion eng miteinander verknüpft werden.
Verkehr bleibt massiv reduziert
Trotz der jüngsten Durchfahrten ist die Lage weit von Normalität entfernt. Der Schiffsverkehr liegt weiterhin laut BBC-Auswertungen rund 95 Prozent unter dem Niveau vor Kriegsbeginn.
Nach Daten von BBC Verify konnten bis Ende März lediglich rund 100 Schiffe die Straße von Hormus passieren – das entspricht nur etwa fünf bis sechs Schiffen pro Tag.
Die Passage ist damit zwar nicht vollständig geschlossen, aber wirtschaftlich weiterhin stark eingeschränkt – mit Folgen, die längst weit über die Golfregion hinausreichen.
Kommentar hinterlassen