Deutsche Telekom und SAP sorgen für Rückenwind – MDAX zeigt Stärke, während Rheinmetall und Halbleiterwerte unter Druck bleiben
Nach drei schwachen Handelstagen haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag wieder etwas aus der Deckung gewagt. DAX, MDAX und SDAX legten zu, wobei sich vor allem die mittelgroßen Werte erholen konnten.
Ganz verschwunden ist die Nervosität allerdings nicht. Die geopolitische Lage, weiterhin hohe Ölpreise und die Entwicklung an den Anleihemärkten bleiben Risikofaktoren. Von einer nachhaltigen Trendwende kann deshalb noch keine Rede sein.
Der DAX gewann am Nachmittag rund 0,5 Prozent und bewegte sich bei etwa 25.960 Punkten. Zwischenzeitlich gelang sogar wieder der Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten.
Noch besser präsentierte sich der MDAX mit einem Plus von rund 0,7 Prozent auf etwa 32.180 Punkte. Auch der SDAX konnte zulegen und notierte zuletzt rund 0,4 Prozent höher bei etwa 18.530 Punkten.
Damit zeigte sich vor allem bei den zuletzt stärker unter Druck geratenen Nebenwerten eine gewisse Erholungsbereitschaft.
Deutsche Telekom rückt ins Rampenlicht
Zu den auffälligsten DAX-Gewinnern gehörte die Deutsche Telekom.
Die Aktie gewann zeitweise mehr als zwei Prozent. Für Gesprächsstoff sorgten Berichte, wonach der aktivistische Investor Elliott eine Beteiligung am Bonner Telekommunikationskonzern aufgebaut haben soll.
Solche Meldungen sorgen an der Börse regelmäßig für Fantasie. Aktivistische Investoren versuchen häufig, Einfluss auf Unternehmensstrategie, Kapitalverwendung oder Konzernstrukturen zu nehmen und dadurch den Wert ihrer Beteiligung zu steigern.
Entsprechend aufmerksam reagierten die Anleger.
Auch SAP gehörte zu den Gewinnern. Nach den jüngsten Verlusten setzte bei Deutschlands größtem Softwarekonzern eine Gegenbewegung ein. Die Aktie gewann zeitweise rund 1,9 Prozent.
Damit lieferten ausgerechnet Telekommunikation und Technologie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des DAX.
Rheinmetall verliert erneut
Ganz anders sah es bei Rheinmetall aus.
Die Aktie verlor zeitweise rund 2,5 Prozent und setzte damit ihre jüngste Schwächephase fort. Es war bereits der vierte Handelstag in Folge mit fallenden Kursen.
Das ist insofern bemerkenswert, als Rüstungsaktien angesichts der geopolitischen Spannungen lange Zeit zu den großen Gewinnern am deutschen Aktienmarkt gehörten.
Die aktuellen Verluste zeigen jedoch, dass selbst bei langfristig positiven Geschäftsaussichten zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen und Bewertungsfragen eine erhebliche Rolle spielen können.
Auch RWE konnte mit der allgemeinen Markterholung wenig anfangen und lag zeitweise etwa ein Prozent im Minus.
MDAX: AUTO1 und Schaeffler starten durch
Deutlich größere Kursbewegungen gab es bei den mittelgroßen Unternehmen.
AUTO1 gehörte mit einem Plus von rund 4,5 Prozent zu den stärksten MDAX-Titeln.
Nur wenig dahinter folgte Schaeffler mit etwa 4,3 Prozent Kursgewinn.
Auch flatexDEGIRO zeigte sich mit einem Plus von rund 3,3 Prozent ausgesprochen freundlich. Aroundtown und Bechtle legten ebenfalls jeweils ungefähr drei Prozent zu.
Damit zeigte sich im MDAX eine recht breite Gegenbewegung nach den vorherigen Verlusten.
Nicht alle Unternehmen konnten davon profitieren.
Siltronic verlor rund 3,4 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Werten.
Auch RENK und Aixtron büßten jeweils etwa 2,5 Prozent ein. Elmos Semiconductor verlor mehr als zwei Prozent.
Auffällig war damit vor allem die Schwäche verschiedener Halbleiter- und Technologiewerte.
Anleihemarkt sorgt für etwas Entspannung
Ein wichtiger Grund für die freundlichere Stimmung kam vom Anleihemarkt.
Nachdem steigende Renditen zuletzt erheblichen Druck auf Aktien ausgeübt hatten, ging die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder etwas zurück.
Das verschaffte dem Aktienmarkt Luft.
Hohe Anleiherenditen sind für Aktien gleich mehrfach unangenehm. Sie verteuern die Finanzierung für Unternehmen und machen gleichzeitig festverzinsliche Anlagen für Investoren attraktiver.
Sinken die Renditen dagegen, verbessert sich zumindest kurzfristig das Umfeld für Aktien.
Gerade Wachstumsunternehmen reagieren häufig besonders empfindlich auf solche Bewegungen.
Ölpreis bleibt das große Fragezeichen
Von vollständiger Entspannung kann trotzdem keine Rede sein.
Der Ölpreis bleibt auf einem hohen Niveau.
Brent-Rohöl bewegte sich weiterhin oberhalb von 90 Dollar je Barrel und näherte sich zwischenzeitlich erneut der Marke von 96 Dollar.
Das ist für den Aktienmarkt problematisch.
Ein dauerhaft hoher Ölpreis verteuert Energie, Transporte und Produktion. Unternehmen müssen höhere Kosten verkraften, während Verbraucher weniger Geld für andere Ausgaben zur Verfügung haben.
Vor allem aber könnte teure Energie die Inflation erneut anheizen.
Und damit wären die Notenbanken wieder im Spiel.
Sollte der Inflationsdruck zunehmen, könnte sich die Hoffnung auf niedrigere Zinsen weiter nach hinten verschieben. Im ungünstigsten Fall müssten die Märkte sogar wieder über zusätzliche Zinserhöhungen diskutieren.
Geopolitik bleibt Belastungsfaktor
Hinzu kommt die weiterhin angespannte internationale Lage.
Die Entwicklungen rund um den Konflikt zwischen den USA und Iran werden an den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt.
Entscheidend ist dabei vor allem die Frage, ob sich die Situation weiter zuspitzt und dadurch Energieversorgung und Handelswege stärker beeinträchtigt werden könnten.
Jede Entspannung würde vermutlich auch dem Aktienmarkt helfen.
Eine weitere Eskalation könnte dagegen den Ölpreis erneut nach oben treiben und damit Inflations- und Zinssorgen verstärken.
Anleger wagen sich vorsichtig zurück
Der Donnerstag brachte damit zunächst die dringend benötigte Verschnaufpause.
Nach drei schwachen Handelstagen kehrten Käufer zurück.
Der DAX näherte sich wieder der Marke von 26.000 Punkten, während der MDAX sogar etwas stärker zulegen konnte. Auch beim SDAX überwogen die positiven Vorzeichen.
Besonders Deutsche Telekom, SAP, AUTO1, Schaeffler und flatexDEGIRO gehörten zu den auffälligeren Gewinnern.
Auf der anderen Seite standen Rheinmetall sowie mehrere Halbleiterwerte unter Druck.
Das Gesamtbild bleibt deshalb gemischt.
Fazit: Erholung ja – Entwarnung nein
Die Frankfurter Börse hat am Donnerstag gezeigt, dass nach den jüngsten Verlusten durchaus Kaufinteresse vorhanden ist.
Das ist zunächst ein positives Signal.
Mehr aber auch noch nicht.
Denn über dem Markt hängen weiterhin mehrere große Fragezeichen: der Ölpreis, die geopolitischen Spannungen, die Anleiherenditen und damit verbunden die zukünftige Zinspolitik der Notenbanken.
Solange diese Faktoren nicht klarer werden, dürfte die Nervosität hoch bleiben.
Für den DAX wird nun insbesondere die Marke von 26.000 Punkten interessant. Kann sich der Leitindex nachhaltig darüber etablieren, könnte sich die Erholung fortsetzen.
Scheitert er dagegen erneut daran und ziehen gleichzeitig Ölpreis und Anleiherenditen wieder an, könnten die Verkäufer schnell zurückkehren.
Der Donnerstag brachte also etwas Licht zurück aufs Frankfurter Börsenparkett – für die große Entwarnung reicht es aber noch lange nicht.
Kommentar hinterlassen