US-Vizepräsident äußert sich ungewöhnlich offen über seinen Glauben – konservativer Autor hält die Gedanken für weit verbreitet
Äußerungen des amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance über den „Antichrist“ und eine mögliche „Endzeit“ sorgen in den USA für Aufmerksamkeit. Vance hatte in einem christlichen Podcast über seinen Glauben gesprochen und dabei erklärt, es würde ihn nicht überraschen, wenn der Antichrist bereits „unter uns“ sei.
Gleichzeitig machte der Vizepräsident deutlich, dass er sich nicht ständig mit solchen Vorstellungen beschäftige. Auf die Frage, ob die Welt möglicherweise vor ihrem Ende stehe, antwortete Vance sinngemäß, er wisse es nicht. Es sei für ihn vermutlich auch spirituell nicht sinnvoll, sich zu sehr darauf zu konzentrieren.
Stattdessen müsse er sich um seine Familie kümmern und seine politische Aufgabe erfüllen.
„Ich muss ein guter Ehemann und Vater sein“
Vance verwies in dem Gespräch darauf, dass für ihn andere Dinge im täglichen Leben wichtiger seien. Er müsse ein guter Ehemann und Vater sein und versuchen, seine Aufgabe als führender Politiker der Vereinigten Staaten möglichst verantwortungsvoll auszuüben.
Dennoch gebe es Entwicklungen auf der Welt, bei denen ihn die Vorstellung nicht überraschen würde, dass der Antichrist bereits existiere.
Was genau Vance damit meinte, führte er nicht im Detail aus.
Sein Freund, der konservative Autor Rod Dreher, sieht darin jedoch keinen politischen Skandal. Er erklärte gegenüber der BBC, solche Vorstellungen seien innerhalb bestimmter christlicher Strömungen keineswegs ungewöhnlich.
Freund: Für viele Christen keine ungewöhnliche Vorstellung
Dreher sagte, Menschen außerhalb des christlichen Glaubens könnten solche Aussagen möglicherweise befremdlich finden. Innerhalb des Christentums seien Vorstellungen vom Antichrist und vom Ende der Welt jedoch weit verbreitet.
Nach seiner Einschätzung dürfte die Äußerung Vance politisch deshalb kaum schaden. Viele republikanische Wähler seien mit entsprechenden religiösen Vorstellungen vertraut.
Dreher interpretierte die Aussagen seines Freundes zudem weniger als konkrete Prophezeiung denn als Reaktion auf eine Welt, die aus seiner Sicht zunehmend unübersichtlich werde.
Als Beispiele nannte er die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz sowie internationale Konflikte.
Was Christen mit „Endzeit“ und „Antichrist“ meinen
Der Begriff „Endzeit“ bezeichnet innerhalb des Christentums Vorstellungen darüber, wie die Geschichte der Welt zu Ende gehen könnte.
Je nach Kirche und theologischer Richtung unterscheiden sich diese Vorstellungen allerdings erheblich.
Auch der Begriff „Antichrist“ wird unterschiedlich ausgelegt. Vereinfacht bezeichnet er in christlicher Tradition einen Gegner Gottes beziehungsweise Christi, der in Verbindung mit den letzten Ereignissen der Weltgeschichte gebracht wird.
Vance selbst behauptete dabei ausdrücklich nicht, zu wissen, ob die Menschheit tatsächlich vor einer solchen Phase steht.
Vance wurde erst als Erwachsener katholisch
Der heute prominente Republikaner trat 2019 zur katholischen Kirche über. Zu diesem Zeitpunkt war er Mitte 30.
Vance hat wiederholt erklärt, dass ihn insbesondere die Vorstellungen der katholischen Kirche zu Familie, Gesellschaft und Moral angesprochen hätten. Sein Glaube ist inzwischen ein sichtbarer Bestandteil seiner politischen Identität.
Seit seinem Amtsantritt als Vizepräsident kam es allerdings auch zu Differenzen mit führenden Vertretern der katholischen Kirche. Insbesondere die harte Einwanderungspolitik der US-Regierung führte zu unterschiedlichen Positionen zwischen Vance und dem Vatikan.
Religion spielt in der US-Politik eine große Rolle
Dass ein hochrangiger Politiker öffentlich über religiöse Endzeitvorstellungen spricht, dürfte in Europa ungewöhnlicher wirken als in den Vereinigten Staaten.
Religion besitzt dort traditionell erheblichen politischen Einfluss, insbesondere innerhalb konservativer und evangelikaler Wählergruppen.
Dreher erinnerte deshalb auch daran, dass bereits frühere US-Präsidenten religiöse Vorstellungen über das Ende der Welt öffentlich thematisiert hätten. Er verwies dabei auf den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan.
Ob die Aussagen von Vance außerhalb seiner politischen Stammwählerschaft ähnlich gelassen aufgenommen werden, dürfte allerdings eine andere Frage sein.
Fest steht: Der US-Vizepräsident hat mit wenigen Sätzen einen ungewöhnlich offenen Einblick in seine religiöse Gedankenwelt gegeben – und damit erneut gezeigt, wie eng sich in Teilen der amerikanischen Politik Glaube und politische Überzeugungen miteinander verbinden.
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