Der republikanische Vorwahlkampf um das Gouverneursamt in Florida hätte eigentlich eine Formsache sein können. Kongressabgeordneter Byron Donalds geht mit der Unterstützung von Präsident Donald Trump, breitem Rückhalt im Parteiapparat und einem deutlichen finanziellen Vorsprung in die entscheidende Phase. Doch aus dem erwarteten Durchmarsch ist ein erbitterter Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei geworden.
Im Mittelpunkt steht Floridas amtierender Gouverneur Ron DeSantis. Wegen Amtszeitbegrenzung darf er nicht erneut kandidieren. Statt seinem früheren politischen Verbündeten Donalds den Weg zur Nachfolge zu ebnen, hat DeSantis dessen Kandidatur öffentlich und im Hintergrund immer wieder infrage gestellt. Nach Angaben aus seinem Umfeld soll DeSantis seine Bedenken sogar direkt gegenüber Trump geäußert haben.
Das Problem für DeSantis: Er hat Donalds zwar attackiert, aber keinen anderen Bewerber eindeutig unterstützt. Weder Vizegouverneur Jay Collins, den DeSantis selbst ins Amt berufen hatte, noch der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses von Florida, Paul Renner, erhielten bislang eine klare Unterstützung des Gouverneurs. Dadurch entstand ein politisches Vakuum, das den Vorwahlkampf weiter angeheizt hat.
Donalds und DeSantis galten einst als enge Verbündete. Donalds unterstützte den Gouverneur in der Staatslegislative, bevor er 2020 in den Kongress gewählt wurde. Auch Donalds’ Ehefrau Erika arbeitete mit DeSantis im Bildungsbereich zusammen. Der Bruch kam, als Donalds vor DeSantis’ Präsidentschaftskandidatur nicht den Gouverneur seines Heimatstaates, sondern Trump unterstützte. Diese Entscheidung wurde in DeSantis’ Umfeld als schwerer Loyalitätsbruch wahrgenommen.
Seither gilt Donalds für DeSantis nicht mehr als natürlicher Erbe seiner politischen Agenda. Der Gouverneur argumentiert, Florida habe in den vergangenen Jahren zahlreiche konservative Erfolge erzielt, Donalds sei daran aber nicht maßgeblich beteiligt gewesen. Donalds wiederum ignoriert die Angriffe weitgehend und verweist auf seine starke Position im Rennen.
Finanziell ist Donalds seinen Konkurrenten deutlich überlegen. Zwischen Wahlkampfkasse und politischem Komitee hat er nach dem Ausgangsbericht mehr als 100 Millionen Dollar gesammelt und verfügte zuletzt über fast 66 Millionen Dollar. Das ist rund zehnmal so viel wie der nächststärkste Konkurrent. Donalds sieht sich deshalb bereits auf dem Weg in die Hauptwahl gegen den wahrscheinlichen demokratischen Kandidaten David Jolly.
Der Vorwahlkampf ist inzwischen von persönlichen Angriffen, juristischen Manövern und offenen Konflikten geprägt. DeSantis-nahe Berater gerieten öffentlich mit dem Umfeld von Vizegouverneur Collins aneinander. Collins wiederum klagt, um den rechten Außenseiter James Fishback von der Kandidatenliste streichen zu lassen. Hintergrund ist der Vorwurf, Fishback erfülle die siebenjährige Wohnsitzanforderung für das Gouverneursamt in Florida nicht.
Fishback hat trotz begrenzter finanzieller Mittel nationale Aufmerksamkeit erlangt. Seine Kampagne ist besonders aggressiv und setzt auf scharfe Angriffe gegen Donalds. Der Ausgangstext beschreibt Fishback als rechtspopulistischen Außenseiter, der mit rassistisch aufgeladenen Aussagen und Unterstützung prominenter rechter Kommentatoren Aufmerksamkeit gewinnt. Gleichzeitig ist er in mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt, unter anderem mit seinem früheren Arbeitgeber Greenlight Capital.
Für DeSantis wird der eskalierende Vorwahlkampf zunehmend zum politischen Risiko. Nach seiner gescheiterten Präsidentschaftskandidatur 2024 versucht er, seine Rolle in der Republikanischen Partei neu zu definieren. Doch der Streit um seine Nachfolge in Florida isoliert ihn zunehmend. Mehrere republikanische Führungsfiguren haben sich inzwischen auf Donalds’ Seite gestellt – darunter auch ehemalige Vertraute des Gouverneurs.
Der Machtverlust wird besonders sichtbar, seit DeSantis den Staatshaushalt unterzeichnet hat. Zuvor konnte er mit seinem Vetorecht noch erheblichen Druck auf republikanische Abgeordnete ausüben. Seit dieser Hebel weitgehend entfällt, wächst die Zahl der Donalds-Unterstützer.
Damit ist Floridas Gouverneursrennen mehr als eine regionale Vorwahl. Es ist ein Test dafür, wie viel Einfluss DeSantis nach dem Ende seiner Amtszeit noch besitzt – und wie stark Trump weiterhin die republikanische Partei in Florida prägt. Auf dem Papier bleibt Byron Donalds der klare Favorit. Politisch aber hat Ron DeSantis aus der Nachfolgefrage einen Familienkrach gemacht, der tiefe Risse in der Partei offenlegt.
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