Man könnte meinen, der 1. FC Köln plane den Bau eines internationalen Flughafens mitten im Kölner Grüngürtel. Tatsächlich geht es aber seit Jahren um einige Trainingsplätze und die Erweiterung des Vereinsgeländes am Geißbockheim.
Doch der Streit hat inzwischen Dimensionen angenommen, die fast schon olympiareif sind.
Jetzt landet die Angelegenheit erneut vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. Dort wird über einen Bebauungsplan diskutiert, der mittlerweile mehr Gerichtssäle gesehen hat als manche Straftäter. Nachdem das OVG den Plan 2022 kassierte, schickte das Bundesverwaltungsgericht die Sache 2024 zur Neuverhandlung zurück. Willkommen in der deutschen Spezialdisziplin: dem juristischen Kreisverkehr.
Der FC möchte seine Trainingsbedingungen verbessern und zusätzliche Flächen schaffen. Für einen Bundesligisten eigentlich kein ungewöhnlicher Wunsch. Schließlich trainieren Fußballprofis ungern zwischen Picknickdecken, Hundespaziergängern und Frisbee-Spielern.
Die Gegner des Projekts sehen das naturgemäß anders. Sie warnen vor Versiegelung, dem Verlust von Grünflächen und Eingriffen in eine geschützte Landschaft. Das sind legitime Argumente, die selbstverständlich geprüft werden müssen.
Allerdings stellt sich auch die Frage, wie eine Großstadt wachsen und sich entwickeln soll, wenn praktisch jedes Vorhaben grundsätzlich zum jahrelangen Rechtsstreit wird.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts. Die Leipziger Richter stellten bereits fest, dass die Versiegelung eines vergleichsweise kleinen Teils der Gesamtfläche durchaus mit dem Charakter einer Grünfläche vereinbar sein könne.
Mit anderen Worten: Nicht jede Veränderung verwandelt den Grüngürtel automatisch in eine Betonwüste.
Der eigentliche Verlierer dieser endlosen Auseinandersetzung ist ohnehin der FC. Während andere Vereine ihre Infrastruktur modernisieren, Nachwuchsleistungszentren ausbauen und die Zukunft planen, beschäftigt sich Köln seit Jahren mit Aktenordnern, Gutachten und Gerichtsterminen.
Man könnte fast meinen, der wichtigste Gegner des 1. FC Köln sei nicht Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen – sondern das deutsche Verwaltungsrecht.
Natürlich braucht es Umwelt- und Naturschutz. Natürlich müssen Eingriffe sorgfältig geprüft werden. Aber irgendwann sollte auch eine Entscheidung fallen, mit der alle Beteiligten leben können.
Denn eines dürfte unstrittig sein:
Der FC braucht Trainingsplätze.
Die Natur braucht Schutz.
Und die Gerichte haben vermutlich auch noch andere Fälle auf dem Tisch.
Vielleicht gelingt es ja diesmal, eine Lösung zu finden, bevor der FC seinen nächsten Ausbauantrag im Jahr 2040 stellen muss.
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