Für Arun Srinivas war es eine Entscheidung alles oder nichts. Im Jahr 2020 gab er seine Karriere im Finanzsektor auf, verkaufte Aktien und Gold – und investierte alles in den Familienbetrieb im südindischen Bundesstaat Karnataka.
Statt wie bisher Kokosnüsse und Mangos anzubauen, setzte er auf eine ungewöhnliche Frucht: die Drachenfrucht.
Nach intensiver Recherche war er überzeugt, dass sich der Wechsel lohnt. Die Pflanze benötigt vergleichsweise wenig Wasser, ist weniger anfällig für Krankheiten und verspricht höhere Erträge als viele traditionelle Kulturen.
Srinivas ging dabei fast wie ein Investor vor. Er besuchte rund 100 Farmen, sprach mit Landwirten über Risiken und Gewinne und analysierte das Geschäft wie eine Kapitalanlage. Heute bewirtschaftet er elf Hektar und produziert jährlich rund 220 Tonnen Drachenfrucht.
Eine exotische Pflanze mit wirtschaftlichem Potenzial
Die Drachenfrucht wächst an kletternden Kakteen und wird meist an Betonpfosten mit ringförmigen Aufsätzen kultiviert. Ursprünglich stammt sie aus Mittelamerika, doch Vietnam ist heute der weltweit größte Produzent. Indien versucht nun, aufzuschließen.
Ein entscheidender Vorteil: Die Ernte erfolgt über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Dadurch entsteht ein kontinuierliches Einkommen, im Gegensatz zu saisonalen Früchten wie Mangos.
Seit etwa 2021 erlebt der Anbau in Indien einen regelrechten Boom. Medienberichte und politische Unterstützung haben viele Landwirte dazu bewegt, auf die neue Kultur umzusteigen.
Herausforderungen im Anbau
Trotz der Vorteile bringt die Drachenfrucht auch besondere Herausforderungen mit sich. Ihre Blüten öffnen sich nur nachts und müssen häufig manuell bestäubt werden.
Einige Landwirte setzen daher auf Bienen, andere wählen selbstbestäubende Sorten – auch aus Sicherheitsgründen. In Regionen wie Kerala kann nächtliche Feldarbeit gefährlich sein, da dort Schlangen oder sogar Elefanten unterwegs sind.
Diversifikation als Schlüssel zum Erfolg
Für Landwirte wie Cheradeep Ma ist die Drachenfrucht vor allem ein Mittel zur Risikostreuung. Neben Kaffee und Pfeffer sorgt sie für zusätzliche Einnahmen und macht den Betrieb widerstandsfähiger gegenüber Preisschwankungen.
Gleichzeitig arbeiten Forscher daran, besonders ertragreiche und marktgerechte Sorten zu entwickeln. In Indien sind vor allem rotfleischige Früchte gefragt, da sie optisch ansprechender sind und höhere Preise erzielen.
Noch großes Entwicklungspotenzial
Trotz des Wachstums steht die Branche in Indien noch am Anfang. Die Erträge liegen oft unter dem internationalen Niveau, und auch bei Anbaumethoden sowie Lager- und Transportinfrastruktur gibt es Nachholbedarf.
Experten fordern daher modernere Anbausysteme und Investitionen in Kühlketten, um die Früchte auch für den Export wettbewerbsfähig zu machen.
Fazit
Die Drachenfrucht entwickelt sich für viele indische Bauern zu einer lukrativen Alternative zu traditionellen Kulturen. Doch um langfristig erfolgreich zu sein, braucht es mehr als nur Begeisterung für die exotische Frucht: Entscheidend sind Know-how, Infrastruktur und eine professionelle Weiterentwicklung des gesamten Anbausystems.
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