Wenn Konservative plötzlich „Lead Left“ heißen
Die amerikanische Politik hat wieder einmal bewiesen, dass Satire längst keine Chance mehr hat.
Da gründen konservative Geldgeber Organisationen mit Namen wie „Lead Left“, „Real Change“ oder „Blue California“, schalten Werbung für demokratische Kandidaten und geben sich größte Mühe, möglichst progressiv auszusehen. Nicht weil sie Demokraten unterstützen wollen, sondern weil sie hoffen, deren schwächere Kandidaten durch die Vorwahlen zu bringen.
Wer jetzt verwirrt ist, hat das System verstanden.
Politische Maskenparty
Offiziell handelt es sich um politische Aktionskomitees.
Praktisch erinnert die ganze Angelegenheit eher an einen Kindergeburtstag, bei dem der Wolf als Rotkäppchen erscheint und anschließend erklärt, er interessiere sich ausschließlich für die Gesundheit der Großmutter.
In Texas investierte eines dieser Komitees mehr als 750.000 Dollar, um eine demokratische Kandidatin zu unterstützen, die später deutlich verlor. Die Werbung klang dabei so, als wäre sie direkt aus der Parteizentrale der Demokraten gekommen. Tatsächlich floss das Geld jedoch aus konservativen Kreisen.
Das große Versteckspiel
Besonders elegant ist die Konstruktion.
Dank der amerikanischen Wahlkampfgesetze können solche Organisationen oft Millionen ausgeben, bevor überhaupt bekannt wird, wer sie finanziert.
Die Wähler sehen die Werbung.
Sie sehen die Botschaften.
Sie sehen die angeblichen Absender.
Was sie nicht sehen, sind die Geldgeber hinter dem Vorhang.
Das ist ungefähr so, als würde Bayern München heimlich Eintrittskarten für Borussia Dortmund kaufen und anschließend überrascht tun, wenn die Südtribüne plötzlich seltsam aussieht.
Alle machen es
Natürlich empören sich die Demokraten.
Natürlich verteidigen sich die Republikaner.
Und natürlich haben beide Seiten ähnliche Methoden in der Vergangenheit bereits selbst angewandt.
Amerikanische Wahlkämpfe gleichen mittlerweile weniger einem demokratischen Wettbewerb als einem gigantischen Strategiespiel, bei dem die Parteien nicht nur ihre eigenen Kandidaten fördern, sondern vorsorglich auch die Gegner auswählen möchten.
Man kandidiert nicht mehr nur selbst.
Man versucht inzwischen gleich die gesamte Kandidatenliste des Gegners mitzuschreiben.
Der Wähler als Statist
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob solche Aktionen legal sind.
Sie sind es.
Die Frage lautet vielmehr, ob die Wähler überhaupt noch nachvollziehen können, wer eigentlich mit wem spielt.
Wenn eine angeblich progressive Organisation von konservativen Spendern finanziert wird, um linke Kandidaten zu fördern, die später gegen Republikaner verlieren sollen, dann wirkt Demokratie plötzlich wie ein Escape Room mit 37 versteckten Türen.
Das neue Amerika
Früher stritten Parteien darüber, welche Politik besser sei.
Heute investieren sie Millionen, um die Kandidaten des Gegners auszuwählen.
Das spart Zeit.
Und vermutlich auch die Mühe, die eigenen Ideen überzeugend verkaufen zu müssen.
Amerika bleibt damit das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Sogar die Opposition kann man dort inzwischen kaufen.
Man muss nur geschickt genug verpacken, wer die Rechnung bezahlt.
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