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Kolumbien wählt den Tiger – und bekommt ein politisches Reality-Format

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay
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Zwischen Demokratie und Dauerwerbesendung

Kolumbien hat gewählt. Oder genauer gesagt: Kolumbien hat fast gewählt.

Denn obwohl nach Auszählung von fast 100 Prozent der Stimmen der rechtskonservative Abelardo de la Espriella knapp vorne liegt, möchten weder sein Gegner Iván Cepeda noch Präsident Gustavo Petro bereits von einem endgültigen Ergebnis sprechen. Der Vorsprung beträgt weniger als 250.000 Stimmen – in einem Land mit Millionen Wählern ungefähr die politische Variante eines Fotofinishs.

Während Juristen, Wahlbeobachter und Wahlhelfer noch zählen, hat de la Espriella bereits den Sieg ausgerufen, Donald Trump gratuliert und die Anhänger feiern. Warum warten, bis das Ergebnis offiziell ist, wenn man schon einmal die Bühne aufgebaut hat?

Der Tiger, der Rum verkauft

Der Mann, der sich selbst „El Tigre“ nennt, ist kein klassischer Politiker. Er war Strafverteidiger, Unternehmer, Musiker, Rumvermarkter und Social-Media-Star, bevor er beschloss, Präsident werden zu wollen. Seine Kampagne setzte auf Spektakel, künstliche Intelligenz und maximale Aufmerksamkeit. Kurz gesagt: Die Grenze zwischen Wahlkampf und Marketingkampagne war zeitweise nur noch mit einem Mikroskop zu erkennen.

Dass Donald Trump ihn unterstützt, überrascht kaum. Politisch liegen beide nah beieinander. Harte Hand gegen Kriminalität, weniger Staat, mehr Patriotismus und die feste Überzeugung, dass Probleme meistens größer wirken, wenn man sie laut genug beschreibt.

Kolumbien sucht Sicherheit

Hinter dem Wahlergebnis steckt allerdings mehr als politische Inszenierung.

Viele Kolumbianer haben das Vertrauen in die Sicherheitsstrategie der Regierung verloren. Die Gewalt im Land bleibt hoch, bewaffnete Gruppen kontrollieren weiterhin Regionen, und viele Bürger haben den Eindruck, dass die versprochene „totale Befriedung“ vor allem auf Pressekonferenzen stattgefunden hat.

Wer Sicherheit verspricht, gewinnt deshalb derzeit Aufmerksamkeit.

Wer Mega-Gefängnisse, militärische Härte und einen „Plan Colombia 2.0“ ankündigt, gewinnt Wähler.

Ob dadurch tatsächlich weniger Kriminalität entsteht, ist eine andere Frage. Aber Wahlkämpfe werden selten mit Fragen gewonnen.

Die Linke zahlt den Preis

Für Iván Cepeda ist das Ergebnis eine bittere Erkenntnis.

Seine Kampagne setzte vor allem auf die Anhänger von Präsident Petro. Das Problem dabei: Wer hauptsächlich die eigene Basis mobilisiert, gewinnt oft die Herzen der Überzeugten – aber nicht unbedingt die Stimmen der Unentschlossenen.

Während de la Espriella neue Wähler ansprach, kämpfte Cepeda häufig darum, die alten nicht zu verlieren.

Trump freut sich schon

Besonders interessant ist die internationale Dimension.

Sollte de la Espriella tatsächlich Präsident werden, dürfte sich das Verhältnis zu Washington deutlich verändern. Trump hat bereits gratuliert, Außenminister Marco Rubio ebenfalls. Die Botschaft ist eindeutig: In Washington freut man sich auf einen Partner, der weniger diskutiert und häufiger zustimmt.

Für Kolumbien könnte das wirtschaftliche Chancen bringen.

Für die politische Debatte dürfte es dagegen noch turbulenter werden.

Das eigentliche Ergebnis

Vielleicht zeigt diese Wahl vor allem eines: Die politische Mitte wird weltweit kleiner.

Auch Kolumbien bewegt sich zunehmend zwischen zwei Lagern, die sich gegenseitig nicht nur widersprechen, sondern oft für eine Gefahr halten.

Der eine Kandidat spricht von Faschismus.

Der andere vom Kampf gegen ein Regime.

Dazwischen sitzen Millionen Wähler und hoffen, dass am Ende jemand tatsächlich regiert.

Das endgültige Wahlergebnis steht noch aus.

Die politische Botschaft des Abends hingegen ist bereits klar:

Kolumbien hat nicht nur einen Präsidenten gewählt.

Es hat sich für eine neue Richtung entschieden – und die wird alles andere als langweilig werden.

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