Seit fast zwanzig Jahren habe ich als investigativer Journalist mit der BaFin zu tun. In dieser Zeit habe ich die Behörde aus unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt: als Aufseherin, die unerlaubte Geschäfte stoppt und Verbraucher warnt, als Ansprechpartnerin für Hinweise und Recherchen, aber auch als Institution, deren zögerliche Maßnahmen ich in manchem Fall nicht nachvollziehen konnte.
Gerade diese Ambivalenz ist der Ausgangspunkt dieses Buches. Die BaFin ist für den Anleger- und Verbraucherschutz eine wichtige Institution. Ohne eine handlungsfähige Finanzaufsicht wären Bürgerinnen und Bürger unseriösen Anbietern, intransparenten Produkten und institutionellen Risiken noch stärker ausgesetzt. Eine Erlaubnispflicht, laufende Aufsicht, Marktüberwachung, Produktinterventionen und öffentliche Warnungen sind keine abstrakte Bürokratie. Sie können Schäden verhindern, Fehlentwicklungen begrenzen und Vertrauen schaffen.
Bedeutung schließt Kritik nicht aus. Im Gegenteil: Weil die BaFin wichtig ist, muss man fragen dürfen, ob sie früh genug handelt, Hinweise richtig gewichtet und ihre gesetzlichen Möglichkeiten konsequent nutzt. Der Wirecard-Komplex hat gezeigt, welche Folgen fragmentierte Zuständigkeiten, falsche Risikoeinschätzungen und institutionelle Zurückhaltung haben können. Auch jenseits prominenter Fälle erleben Anleger, wie lang der Weg zwischen einem ersten Warnsignal und einer sichtbaren Maßnahme sein kann.
Dieses Buch entstand aus Recherchen und eigenen Erfahrungen. Es soll die BaFin verständlicher machen: ihre Geschichte, ihren gesetzlichen Auftrag, ihre Arbeitsweise, ihre Instrumente und ihre Grenzen. Es will weder jede Einzelfrage beantworten noch eine vollständige Behördenchronik liefern. Es erhebt ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Zugleich richtet sich das Buch an den Gesetzgeber. Eine moderne Finanzwelt mit digitalen Plattformen, grenzüberschreitenden Angeboten, Kryptogeschäften und hochprofessioneller Werbung verlangt eine Aufsicht, die ebenso schnell, technisch versiert und durchsetzungsstark handeln kann. Wo Zuständigkeitslücken, zu hohe Eingriffshürden oder unzureichende Möglichkeiten der unmittelbaren Verbraucherwiedergutmachung bestehen, sollte der Gesetzgeber der BaFin zusätzliche, klar definierte Kompetenzen geben. Mehr Befugnisse müssen mit Transparenz, Kontrolle, personeller Stärke und eindeutiger Verantwortung verbunden sein.
Mein Ziel ist eine informierte, konstruktiv-kritische Sicht. Die BaFin darf weder als allmächtiges Schutzschild missverstanden noch pauschal für jedes Marktversagen verantwortlich gemacht werden. Sie sollte an dem gemessen werden, was sie kann, was sie darf und was eine zeitgemäße Aufsicht im öffentlichen Interesse können und dürfen sollte.
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