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Eintracht Frankfurt:Baut das Ding größer! Warum Hellmann mit seinen Stadionplänen völlig richtig liegt

jorono (CC0), Pixabay
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Man kann über Eintracht Frankfurt derzeit vieles sagen. Dass wir unsere Gegner regelmäßig schwindelig spielen, gehört leider nicht dazu.

3:3 bei Union, anschließend eine 1:4-Heimklatsche gegen Augsburg, sieben Gegentore nach zwei Spieltagen – und schon in den Monaten zuvor war das Gewinnen nicht gerade zur Frankfurter Lieblingsbeschäftigung geworden. Selbst vor dem Augsburg-Spiel war die Eintracht saisonübergreifend seit sechs Bundesligapartien ohne Sieg.

Und was macht Axel Hellmann?

Verkleinert das Stadion?

Baut vorsichtshalber ein paar Sitzreihen ab?

Schlägt vor, künftig nur noch 40.000 Karten zu drucken, damit wenigstens „ausverkauft“ auf dem Spielbericht steht?

Nein.

**Er denkt darüber nach, das Waldstadion noch größer zu machen.**

Und als Eintracht-Fan sage ich: vollkommen richtig.

Denn wer glaubt, dass man ein Stadion für die Ergebnisse der vergangenen sechs Monate baut, hat nicht verstanden, was Eintracht Frankfurt inzwischen geworden ist.

Gerade erst 60.100 – und schon wieder zu klein gedacht?

Vor wenigen Wochen wurde stolz die nächste Marke verkündet: Der Deutsche Bank Park fasst jetzt **60.100 Zuschauer**. Noch vor einigen Jahren waren es 51.500. Dann wurde die Nordwestkurve umgebaut, Stehplätze wurden geschaffen, Bereiche optimiert und schließlich sogar Pressetribüne und Businessbereich etwas kompakter gestaltet, um weitere Plätze herauszuholen.

Mehr geht im heutigen Stadion praktisch kaum noch.

Also stellt Hellmann die einzig vernünftige Frage:

**Was kommt danach?**

Die Eintracht prüft derzeit zwei grundsätzliche Möglichkeiten. Entweder bekommt das bestehende Stadion einen **dritten Rang**, oder man muss irgendwann über einen **kompletten Neubau** reden.

Hellmann selbst formuliert es erfreulich nüchtern: Zunächst müsse geprüft werden, ob ein dritter Ring überhaupt machbar sei. Diese Untersuchung soll noch etwa sechs Monate dauern. Das langfristige Ziel wäre eine Fertigstellung in etwa zehn bis zwölf Jahren.

Das ist keine Spinnerei für übermorgen.

Das ist Planung für die nächste Generation Eintracht.

Und genau deshalb ist es richtig.

Ein Stadion baut man nicht nach der aktuellen Tabelle

Natürlich werden jetzt einige sagen:

„Die sollen erst einmal Fußball spielen, bevor sie das Stadion vergrößern.“

Klingt am Stammtisch prima.

Ist wirtschaftlich aber Unsinn.

Ein neues oder erweitertes Stadion plant man nicht danach, ob die Mannschaft gerade Augsburg schlägt. Man plant es danach, wie groß ein Verein in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren sein will.

Als das alte Waldstadion 1959 bei einem Spiel gegen Pirmasens aus allen Nähten platzte, kamen **81.000 Zuschauer**. Die Eintracht war schon damals ein Klub, der Massen bewegen konnte.

Heute ist die Situation eine andere, aber das Prinzip bleibt.

Die Menschen kommen.

Die Mitgliederzahlen sind gewachsen.

Die Nachfrage nach Karten ist enorm.

Und selbst wenn auf dem Platz gerade einmal wieder gepflegtes Frankfurter Leiden angesagt ist, bleiben die Ränge voll.

Das ist vielleicht sogar der stärkste Beweis dafür, warum Hellmann recht hat.

Wenn ein Stadion nur dann ausverkauft ist, wenn eine Mannschaft um die Meisterschaft spielt, braucht man kein größeres.

Wenn die Leute aber auch dann kommen, wenn die Mannschaft gerade eine sportliche Krise pflegt, besitzt der Verein etwas viel Wertvolleres:

**eine stabile Basis.**

Mehr Plätze heißt auch mehr Eintracht

Dabei darf größer natürlich nicht automatisch teurer bedeuten.

Das ist für mich als Fan der entscheidende Punkt.

Die Eintracht hat beim bisherigen Stadionausbau immer wieder betont, dass Fußball bezahlbar bleiben soll. Beim früheren Ausbau verpflichtete sich der Klub unter anderem zu Preisstabilität im Stehplatzbereich und zu besonders günstigen beziehungsweise sozialen Ticketkontingenten. Hellmann begründete die vielen Stehplätze ausdrücklich damit, dass Fußball kein „Elitenzirkel“ werden dürfe.

Genau diese Philosophie muss bei einem zukünftigen Stadion erhalten bleiben.

Ich brauche kein Frankfurter Opernhaus mit 70.000 gepolsterten Businesssesseln, in denen der Champagner schneller kommt als der nächste Torschuss.

Ich möchte ein großes Waldstadion.

Mit Stehplätzen.

Mit Jugendlichen.

Mit Familien.

Mit Leuten, die seit 30 Jahren kommen.

Und mit Menschen, die sich eine Eintrittskarte leisten können, ohne vorher einen Konsumentenkredit aufzunehmen.

Wenn größer bedeutet, dass **mehr normale Fans** hineinkommen, dann bitte morgen mit dem Bagger anfangen.

Die Nordwestkurve darf nicht zum Dekorationsobjekt werden

Hellmann hat nach der vergangenen Saison selbst einen wunden Punkt angesprochen.

Das Stadion müsse wieder „aus dem Sattel“ gehen. Es müsse wieder dieses Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Rängen entstehen, für das Frankfurt jahrelang bekannt war.

Auch da hat er recht.

Ein größeres Stadion allein erzeugt keine Stimmung.

70.000 schweigende Zuschauer sind nicht automatisch besser als 50.000 laute.

Deshalb muss ein möglicher Ausbau immer von der Kurve aus gedacht werden.

Unsere Nordwestkurve ist kein hübscher Hintergrund für Fernsehbilder.

Sie ist ein Teil der Identität dieses Vereins.

Wer ein neues Stadion plant, muss deshalb nicht nur fragen: Wie viele Menschen passen hinein?

Sondern auch:

**Wie nah stehen sie am Spielfeld? Wie groß wird der Stehplatzanteil? Wie bleibt der Lärm im Stadion? Wie schaffen wir es, dass Frankfurt weiterhin nach Frankfurt klingt?**

Wenn diese Fragen vernünftig beantwortet werden, darf es gerne größer werden.

Viel größer.

Und dann sind da noch die Konzerte

Wer bei einem Stadion nur an 17 Bundesliga-Heimspiele denkt, rechnet ohnehin zu kurz.

Der Deutsche Bank Park ist längst eine der bedeutenden Veranstaltungsarenen Deutschlands.

Allein im Stadionsommer 2026 kamen nach Angaben der Stadiongesellschaft **736.826 Besucher zu 17 Musikveranstaltungen**. Bei einem Konzert der Böhsen Onkelz wurde mit **64.000 Besuchern** sogar ein neuer Einzelkonzert-Rekord im Deutsche Bank Park aufgestellt. The Weeknd spielte wegen der Nachfrage gleich dreimal.

Das ist wirtschaftlich enorm wichtig.

Konzerte, Sportveranstaltungen, internationale Finals und andere Events sorgen dafür, dass eine Arena nicht nur jeden zweiten Samstag Geld verdient.

Ein größeres und moderneres Stadion stärkt deshalb nicht nur die Eintracht.

Es stärkt den Veranstaltungsstandort Frankfurt.

Und irgendwann fließt dieses Geld wiederum in den Klub.

Genau deswegen war es so wichtig, dass Eintracht Frankfurt seit 2020 selbst stärker vom Stadionbetrieb, Catering, Vermarktung und Konzertgeschäft profitiert.

Dritter Rang oder neues Waldstadion?

Persönlich hätte ich als Fan einen klaren Wunsch:

**Wenn es technisch vernünftig machbar ist, baut den dritten Rang.**

Warum?

Weil dieses Stadion trotz aller Namenswechsel für uns noch immer das Waldstadion ist.

Weil Erinnerungen darin stecken.

Europapokalnächte.

Pokalschlachten.

Aufstiege.

Abstiege.

Tränen.

Barcelona 2022 begann emotional nicht erst im Camp Nou. Diese Eintracht-Kultur entsteht auch zu Hause im Stadtwald.

Ein Neubau hätte sicher Vorteile. Man könnte Verkehrswege, Hospitality, Akustik, Sichtlinien, Digitalisierung und Kapazität komplett neu planen.

Aber ein Stadion ist eben keine Excel-Tabelle.

Wenn man das bestehende Waldstadion sinnvoll aufstocken und für die nächsten Jahrzehnte fit machen kann, wäre das für mich die schönere Lösung.

Wenn die Statik jedoch sagt: Vergiss es – dann muss auch ein Neubau kein Sakrileg sein.

Nur eines muss klar sein:

**Die Seele zieht mit.**

Frankfurt darf ruhig größer denken

Wir Eintracht-Fans sind traditionell gut darin, uns innerhalb von 90 Minuten vom Champions-League-Anwärter zum sicheren Absteiger und zurück zu denken.

Hellmann darf da gerne etwas langfristiger planen.

Denn die sportliche Krise von heute sagt wenig darüber aus, wo dieser Klub 2036 steht.

Vor zehn oder fünfzehn Jahren hätte vermutlich auch kaum jemand geglaubt, dass Eintracht Frankfurt einmal die Europa League gewinnt, Barcelona mit Zehntausenden Frankfurtern übernimmt, Champions League spielt und regelmäßig fast 60.000 Menschen in den Stadtwald zieht.

Deshalb: **Plant. Prüft. Rechnet. Und wenn es funktioniert, baut größer.**

Aber macht es richtig.

Mehr Stehplätze statt mehr Logen.

Bezahlbare Tickets statt Opernpublikum.

Eine Kurve, die auch mit 70.000 Menschen noch Kurve ist.

Und ein Stadion, das nicht irgendeine moderne Multifunktionsarena wird, sondern weiterhin unser Waldstadion bleibt.

Auf dem Platz dürfen wir gern möglichst schnell wieder anfangen zu gewinnen.

Aber beim Stadion darf Axel Hellmann ruhig schon zehn Jahre weiter sein.

**Denn schlechte Serien vergehen. Die Eintracht bleibt. Und wenn irgendwann noch 10.000 oder 15.000 mehr mit hinein dürfen, habe ich als Eintracht-Fan überhaupt nichts dagegen. Im Gegenteil: Baut das Ding größer!**

1 Komment

  • Kann vieles unterschreiben. Aber einen sehr entscheidenden Aspekt habe ich überlesen oder er fehlt. Die Park-, Taxi und ÖPNV-Infrastruktur.
    Da ist Frankfurt nicht gross, sondern tiefste Provinz.

    -Abzocke des Ordungsamts der Stadt Frankfurt.
    – Tram, Bus … nicht flexibel angepasst
    zu kurz, zu wenig
    – S-Bahnen .. na ja, halt Ffm und DB

    Ich muss mittlerweile aus dem Umland 3 ¹½ Stunden vor Spielbeginn losfahren. Wie ins Westfalenstadion nach Dortmund.

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