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25 Jahre nach 9/11: Das Sterben geht weiter

kennybran18 (CC0), Pixabay
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Fast 25 Jahre sind seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vergangen. Doch für Tausende Menschen ist 9/11 bis heute nicht vorbei. Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungskräfte, Arbeiter und Bewohner von New York erkrankten Jahre oder sogar Jahrzehnte später an Krebs, Atemwegserkrankungen und anderen schweren Leiden.

Bei der diesjährigen Gedenkzeremonie am Ground Zero soll deshalb erstmals eine siebte Schweigeminute an genau diese Opfer erinnern: Menschen, die den 11. September überlebten, aber später an Krankheiten starben, die mit der Belastung durch Staub, Rauch und giftige Stoffe rund um das World Trade Center in Verbindung gebracht werden.

Bisher gab es bei der jährlichen Zeremonie sechs Momente der Stille. Sie erinnern an die Zeitpunkte, zu denen die vier entführten Flugzeuge einschlugen beziehungsweise abstürzten und die beiden Türme des World Trade Centers zusammenbrachen.

Nun kommt ein siebter Moment hinzu.

Er gilt jenen Opfern, deren Leid nicht am 11. September 2001 endete, sondern oft erst Jahre später begann.

Mehr als 57.000 Krebserkrankungen

Die Zahlen zeigen, welches Ausmaß die gesundheitlichen Folgen inzwischen erreicht haben.

Im staatlichen World Trade Center Health Program sind mehr als 154.000 Menschen registriert. Das Programm überwacht und behandelt gesundheitliche Probleme von Einsatzkräften und Überlebenden.

Bis Juni 2026 wurden bei mehr als 57.000 Teilnehmern Krebserkrankungen diagnostiziert. Bereits bis März 2024 waren fast 7.000 im Programm registrierte Menschen gestorben.

Und noch immer kommen neue Diagnosen hinzu.

Allein innerhalb der zwölf Monate bis Ende Juni 2026 wurden bei mehr als 7.000 Ersthelfern neue gesundheitliche Leiden offiziell als mit 9/11 in Zusammenhang stehend anerkannt.

Besonders häufig geht es um Krebs, Atemwegserkrankungen und psychische Folgen wie posttraumatische Belastungsstörungen.

Der Staub, der Jahrzehnte blieb

Als die Zwillingstürme einstürzten, legte sich eine gewaltige Wolke aus Staub und Trümmern über Lower Manhattan.

In ihr befanden sich zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe.

Viele Einsatzkräfte arbeiteten wochen- oder monatelang in den Trümmern. Manche trugen nur unzureichenden Atemschutz. Viele glaubten damals, die Belastung werde zwar unangenehm, aber vorübergehend sein.

Heute wissen sie es besser.

Michael O’Connell war erst 25 Jahre alt und gerade vier Monate bei der New Yorker Feuerwehr, als die Anschläge geschahen. Später sah er immer mehr Kollegen an Krebs erkranken. 2007 wurde bei ihm selbst Sarkoidose diagnostiziert – eine Krankheit, die unter anderem Lunge und Lymphknoten schädigen kann.

Ein anderer Feuerwehrmann erinnerte sich später daran, dass Einsatzkräfte schon damals scherzhaft gesagt hätten, die Bedingungen am Ground Zero würden sie eines Tages töten.

Aus dem düsteren Scherz wurde für viele bittere Realität.

Behörden wussten mehr, als sie sagten

Besonders brisant sind mehr als 170.000 Seiten bislang nicht veröffentlichter Dokumente, die New York kurz vor dem 25. Jahrestag freigegeben hat.

Nach dem CNN-Bericht zeigen die Unterlagen, dass Verantwortliche damals wussten, dass die Luft rund um das weiterhin schwelende Ground Zero gesundheitsschädlich war.

Trotzdem wurde der Öffentlichkeit wiederholt vermittelt, die Luft sei sicher.

Für viele Betroffene ist diese Erkenntnis besonders bitter.

Sie gingen davon aus, dass sie sich auf die Informationen der Behörden verlassen konnten. Gleichzeitig arbeiteten Tausende Einsatzkräfte ohne ausreichenden Schutz in einer Umgebung, deren langfristige Gefährlichkeit damals kaum öffentlich thematisiert wurde.

Die gesundheitlichen Folgen wurden erst Jahre später vollständig sichtbar.

Ein Feuerwehrmann stirbt 16 Jahre später

Billy Gormley gehörte zu diesen Menschen.

Der New Yorker Feuerwehrmann arbeitete monatelang am zerstörten World Trade Center. Seine Familie sprach später kaum über mögliche gesundheitliche Folgen.

2017 starb Gormley an Blasenkrebs.

Erst danach begann seine Tochter Bridget vollständig zu verstehen, wie viele Einsatzkräfte Jahre nach 9/11 an Krankheiten erkrankt oder gestorben waren, die mit ihrer Arbeit am Ground Zero verbunden wurden.

Ihr Vater ist nur einer von Tausenden.

Der Polizist, der Jahre später zusammenbrach

Ähnlich erschütternd ist die Geschichte des New Yorker Polizisten James Betso.

Er überlebte den 11. September und arbeitete anschließend monatelang bei den Bergungsarbeiten am Ground Zero.

2010 wollte er zufällig Blut spenden. Dabei stellten Ärzte fest, dass etwas nicht stimmte. Im Krankenhaus wurden schließlich zwei verschiedene Blutkrebserkrankungen diagnostiziert.

Nach langen Behandlungen schien es ihm zunächst besser zu gehen.

Doch 2013 brach Betso plötzlich im Garten seiner Familie zusammen und erlitt einen schweren Krampfanfall.

Später wurde ein Glioblastom diagnostiziert, ein besonders aggressiver Hirntumor.

Zwei Jahre danach starb er. Seine Krebserkrankungen wurden nach Angaben seiner Familie vom World Trade Center Health Program anerkannt.

Die „Dust Lady“

Zu den bekanntesten Gesichtern des 11. September gehört Marcy Borders.

Ein Foto zeigte die damals 28-Jährige völlig mit grauem Staub bedeckt. Das Bild ging um die Welt. Borders wurde als „Dust Lady“ bekannt.

Sie hatte den Anschlag überlebt.

Doch auch ihr Leben blieb von diesem Tag geprägt.

Jahrelang kämpfte sie mit Depressionen und Suchtproblemen. 2015 starb sie im Alter von nur 42 Jahren an Magenkrebs. Ihre Familie stellte später ebenfalls einen Zusammenhang mit den Belastungen des 11. September her.

Helfer kämpften jahrelang um Anerkennung

Dass die gesundheitlichen Folgen heute überhaupt systematisch behandelt und entschädigt werden, ist das Ergebnis eines jahrelangen politischen Kampfes.

Erst 2011 wurde das World Trade Center Health Program eingerichtet. Es ermöglicht medizinische Untersuchungen und kostenlose Behandlung anerkannter 9/11-Erkrankungen.

Zuvor hatten Einsatzkräfte und Überlebende jahrelang dafür kämpfen müssen, dass ihre gesundheitlichen Probleme überhaupt ernst genommen wurden.

2019 wurde die Finanzierung schließlich langfristig bis 2090 abgesichert.

Noch immer könnten Hunderttausende betroffen sein

Auch heute ist möglicherweise nur ein Teil der tatsächlichen Betroffenen erfasst.

Mehr als 95.000 Ersthelfer sind inzwischen im Gesundheitsprogramm registriert. Bei den Menschen, die damals in der Umgebung des World Trade Centers lebten oder arbeiteten, sieht es anders aus.

Weniger als 60.000 dieser Überlebenden sind im Programm eingeschrieben.

Nach Schätzungen könnten jedoch rund 400.000 Menschen, die rund um die Türme lebten und arbeiteten, grundsätzlich als Betroffene gelten.

Das bedeutet: Auch ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen könnten noch Menschen erkranken, ohne zunächst daran zu denken, dass die Ursache möglicherweise im Staub des 11. September 2001 liegt.

Der siebte Glockenschlag

Deshalb bekommt die Gedenkzeremonie in New York in diesem Jahr einen neuen Moment.

Nachdem die sechs traditionellen Glockenschläge an die unmittelbaren Opfer des 11. September erinnert haben, wird eine siebte Glocke erklingen.

Sie ist den Menschen gewidmet, die damals überlebten, Jahre später aber schwer erkrankten oder starben.

Für ihre Familien bedeutet dieser Moment vor allem eines:

Anerkennung.

Denn die Zahl der Opfer des 11. September lässt sich längst nicht mehr allein mit den fast 3.000 Menschen beschreiben, die an diesem Tag unmittelbar ihr Leben verloren.

Der Anschlag dauerte nur wenige Stunden.

Seine gesundheitlichen Folgen dauern bis heute an.

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