Nachdem Deutschland bei der Wahl um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bereits im ersten Wahlgang überraschend deutlich gegen Österreich und Portugal verloren hat, blickt die Bundesregierung nun entschlossen nach vorne – und zwar exakt zehn Jahre.
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, dass Deutschland sich erneut um einen Sitz im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen bewerben werde. Diesmal allerdings nicht überstürzt, sondern für die Amtsperiode 2035/36.
„Wir werden das diesmal längerfristig von Anfang an gut vorbereiten“, erklärte Merz. Nach dem Wahlergebnis von New York ist das vermutlich auch nötig. Schließlich ist es schwer, eine Kandidatur noch früher anzukündigen. Die ersten Arbeitsgruppen für die Bewerbung dürften bereits in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Insider rechnen mit einer Taskforce, einem Koordinierungsausschuss, mehreren Unterausschüssen und mindestens drei Strategiepapiere pro Jahr.
Besonders wichtig erscheint der Bundesregierung dabei, Konkurrenz aus Europa möglichst zu vermeiden. Offenbar hat man erkannt, dass die Erfolgschancen steigen könnten, wenn nicht gleichzeitig andere Länder kandidieren, die ebenfalls gewählt werden wollen.
Merz kündigte daher an, innerhalb der Europäischen Union dafür zu werben, dass außer Deutschland und Schweden möglichst niemand weitere Ambitionen entwickelt. Eine mutige Strategie: Wenn die Konkurrenz nicht verschwindet, versucht man eben, sie gar nicht erst antreten zu lassen.
Politische Beobachter sehen darin einen neuen Ansatz deutscher Außenpolitik. Während andere Staaten Stimmen sammeln, arbeitet Deutschland künftig möglicherweise daran, die Zahl der Mitbewerber zu reduzieren.
Für die Vereinten Nationen beginnt damit eine neue Ära langfristiger Planung. Kaum eine Nation dürfte ihre nächste Kandidatur bereits zehn Jahre vor der Abstimmung so sorgfältig vorbereiten. Manche Staaten planen in diesem Zeitraum mehrere Regierungen, Verfassungsreformen oder Infrastrukturprojekte. Deutschland plant vorsorglich seine nächste Bewerbung.
Ob die Strategie am Ende aufgeht, wird sich 2035 zeigen. Bis dahin bleiben ausreichend Zeit für Gipfel, Konsultationen, Expertentreffen, Arbeitskreise und selbstverständlich eine umfassende Evaluation der Gründe, weshalb Österreich und Portugal die bessere Wahl waren.
Immerhin eines steht bereits fest: Sollte auch die nächste Kandidatur scheitern, bliebe noch genügend Zeit für einen hervorragend vorbereiteten Anlauf im Jahr 2047.
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