Murry Gunty kennt das Geschäft mit dem Jugend-Eishockey aus zwei Perspektiven: als Vater – und als Investor. Während viele Familien hoffen, ihren Kindern den Weg in den Leistungssport zu ermöglichen, erkannte Gunty früh das wirtschaftliche Potenzial hinter dem System. Heute steht der Finanzmanager im Zentrum eines milliardenschweren Hockey-Imperiums, das in den USA zunehmend Kritik hervorruft.
Eine monatelange Recherche von „USA Today“ zeichnet das Bild eines Unternehmens, das den Jugendhockeysport in Teilen der USA grundlegend verändert hat. Über seine Investmentgesellschaft Blackstreet Capital Holdings kaufte Gunty mit der Tochterfirma Black Bear Sports Group innerhalb weniger Jahre dutzende Eisstadien, Teams, Ligen und Turnierformate auf. Kritiker sprechen von einer aggressiven Expansion, die Familien immer höhere Kosten auferlegt und lokale Vereinsstrukturen verdrängt.
Black Bear betreibt inzwischen 47 Eisarenen in elf Bundesstaaten. Zum Geschäftsmodell gehört nicht nur der Besitz der Hallen, sondern auch die Kontrolle über Mannschaften, Turniere, Streamingdienste und Nachwuchsligen. Eltern zahlen dabei oft mehrfach: für Teamplätze, Turniere, Reisen, Hotelbuchungen und Streaming-Abos.
Viele Familien fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt. Wer nicht mitmacht, fürchtet Nachteile für die sportliche Zukunft der Kinder. Eine Mutter aus New Jersey berichtet von mehr als 4600 Dollar Jahresgebühren für ihren neunjährigen Sohn – zusätzliche Kosten für Ausrüstung, Hotels und Reisen nicht eingerechnet. Der Vorwurf: Jugendhockey werde immer stärker zu einem exklusiven „Pay-to-play“-System.
Gunty weist die Kritik zurück. In Interviews betont er, Black Bear habe marode Eisstadien gerettet, neue Angebote geschaffen und den Sport modernisiert. Viele Hallen wären ohne seine Investitionen längst geschlossen worden, argumentiert er. Wer mit dem Angebot unzufrieden sei, könne jederzeit gehen.
Doch genau darin sehen Kritiker das Problem: In vielen Regionen gebe es kaum noch Alternativen. Juristen und Wettbewerbsexperten warnen vor einer gefährlichen Konzentration wirtschaftlicher Macht in einem Sport, der traditionell von gemeinnützigen Vereinen geprägt war.
Besonders brisant erscheinen dabei die Methoden, mit denen Black Bear lokale Organisationen unter Druck gesetzt haben soll. In Pennsylvania etwa verlor ein traditionsreicher Amateurverein nach einem Konflikt mit Black Bear seine Trainingszeiten und musste schließlich den Spielbetrieb einstellen. Eltern sprechen von einer „feindlichen Übernahme“.
Auch Guntzys Vergangenheit sorgt für Diskussionen. Bereits während seines Studiums an der Harvard Business School war er in einen Manipulationsskandal verwickelt. Später gerieten Unternehmen aus seinem Beteiligungsportfolio mehrfach ins Visier amerikanischer Behörden. Unter anderem ging es um mangelhafte Kooperation bei Rückrufaktionen gefährlicher Babybetten sowie um Vorwürfe der Selbstbereicherung gegenüber Investoren. 2016 einigte sich Guntys Firma mit der US-Börsenaufsicht SEC auf Strafzahlungen in Millionenhöhe – ohne ein Schuldeingeständnis.
Im Jugendhockey setzte Gunty seine Expansionsstrategie konsequent fort. Durch die Verbindung von Eisstadien, Nachwuchsteams und Juniorenligen entstand ein geschlossenes System, das Talente direkt in College-Programme führen soll. Kritiker sehen darin massive Interessenkonflikte – insbesondere dort, wo gemeinnützige Vereine eng mit kommerziellen Black-Bear-Strukturen verflochten sind.
Verbraucherschützer warnen inzwischen vor monopolartigen Strukturen. Black Bear kontrolliere in einigen Regionen nicht nur die Eisflächen, sondern auch die Wettbewerbe, Turniere und Vermarktungskanäle. Familien hätten dadurch faktisch kaum noch Wahlmöglichkeiten.
Die wirtschaftlichen Folgen spüren viele Eltern unmittelbar. Die Preise für Teamplätze stiegen zuletzt teils um mehrere hundert Dollar pro Saison. Gleichzeitig werden verpflichtende Turniere, Hotelbuchungen und Streamingdienste immer stärker in das System integriert.
Auch sportlich wächst die Kritik. Experten warnen vor Überlastung junger Spieler durch immer dichtere Spielpläne. Kinder spezialisieren sich früher auf Hockey und verzichten zunehmend auf andere Sportarten.
Inzwischen beschäftigen sich auch Behörden mit dem Unternehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Michigan prüft mögliche wettbewerbswidrige Praktiken im Jugendhockeymarkt. Im Fokus steht dabei ausdrücklich Black Bear Sports Group.
Für Gunty selbst scheint das jedoch kaum ein Grund zum Rückzug zu sein. Zwar trat er im März als CEO von Black Bear zurück und begründete dies mit familiären und gesundheitlichen Gründen. Seine Investmentgesellschaft kontrolliert das Unternehmen jedoch weiterhin. Auch zentrale Führungspositionen bleiben eng mit Blackstreet Capital verknüpft.
Der Konflikt um Black Bear steht exemplarisch für eine Entwicklung, die längst viele Jugendsportarten in den USA erfasst hat: Professionalisierung, Kommerzialisierung und der zunehmende Einfluss großer Investmentfirmen auf Bereiche, die einst von Ehrenamt und Gemeinsinn geprägt waren.
Für viele Familien bleibt am Ende vor allem eine Frage offen: Wie viel darf der Traum vom Sport noch kosten?
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