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CIA gegen Kartelle: Der geheime Krieg nebenan

qimono (CC0), Pixabay
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Die Explosion kam am helllichten Tag. Auf einer der meistbefahrenen Schnellstraßen Mexikos zerfetzte Ende März ein präzise platzierter Sprengsatz ein Auto. Am Steuer: ein mutmaßlicher Mittelkader des Sinaloa-Kartells namens Francisco „El Payin“ Beltrán. Sekunden später rollte der brennende Wagen führerlos über den Asphalt. Offiziell schwieg der mexikanische Staat. Hinter den Kulissen aber erzählen Insider eine andere Geschichte: Die CIA soll beteiligt gewesen sein.

Nach Recherchen von CNN hat der US-Geheimdienst seine verdeckten Operationen in Mexiko massiv ausgeweitet – und setzt inzwischen offenbar auch auf tödliche Einsätze. Im Zentrum steht eine besonders abgeschirmte Einheit der CIA, die sogenannte „Ground Branch“. Ihr Auftrag: Kartelle zerschlagen, Strukturen destabilisieren, Schlüsselfiguren ausschalten.

Trumps neuer Drogenkrieg

Seit Donald Trump die mächtigsten mexikanischen Kartelle zu „ausländischen Terrororganisationen“ erklärte, verschieben sich die Grenzen amerikanischer Geheimdienstpolitik. Was früher vor allem Informationsaustausch war, scheint heute deutlich aggressiver abzulaufen. Laut mehreren Quellen unterstützen CIA-Agenten inzwischen nicht nur mexikanische Sicherheitskräfte, sondern wirken teils direkt an Operationen mit.

Das Muster erinnert an amerikanische Antiterror-Einsätze im Nahen Osten: gezielte Schläge gegen Netzwerke, nicht nur gegen deren Köpfe. Die Strategie zielt darauf, Kartelle wie militante Gruppen zu behandeln – mit Überwachung, verdeckten Kommandos und offenbar auch Attentaten.

Die CIA weist die Berichte zurück. Ein Sprecher sprach von „falscher und sensationsgetriebener Berichterstattung“. Konkrete Details dementierte die Behörde allerdings nicht.

Ein Krieg im Schatten

In Mexiko sorgt das Vorgehen für Nervosität. Denn rechtlich bewegt sich Washington auf dünnem Eis. Nach mexikanischem Gesetz dürfen ausländische Agenten nicht eigenständig an Sicherheitsoperationen teilnehmen. Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte verärgert, nachdem bekannt wurde, dass CIA-Mitarbeiter offenbar an einer Razzia gegen ein Meth-Labor im Bundesstaat Chihuahua beteiligt waren.

„Es kann keine Agenten ausländischer Regierungen geben, die eigenständig auf mexikanischem Boden operieren“, sagte Sheinbaum. Intern dürfte die Lage komplizierter sein: Einerseits will Mexiko seine Souveränität verteidigen. Andererseits wächst in Washington der Druck, härter gegen die Kartelle vorzugehen.

Trump droht seit Monaten offen mit militärischen Maßnahmen gegen Drogenbanden in Mexiko. In einer Rede sprach er zuletzt bereits von einer „Landstreitkraft“, die gegen Schmuggler vorgehe. Vieles deutet darauf hin, dass diese Operationen längst laufen – nur eben im Verborgenen.

Misstrauen auf beiden Seiten

Die Zusammenarbeit zwischen US-Diensten und mexikanischen Behörden ist seit Jahren belastet. Amerikanische Sicherheitskreise werfen Teilen des mexikanischen Staatsapparats vor, von Kartellen unterwandert zu sein. Deshalb arbeitet die CIA inzwischen offenbar gezielt mit regionalen Behörden statt mit der Bundesregierung zusammen.

Das gegenseitige Misstrauen hat historische Gründe. 2012 gerieten zwei CIA-Mitarbeiter in einen Hinterhalt mexikanischer Bundespolizisten. Washington vermutete damals einen Auftragsangriff im Interesse eines Kartells. Zwölf Beamte wurden später verurteilt.

Bis heute gilt Mexiko innerhalb der CIA als Hochrisikogebiet. „Die größte Sorge ist nicht der Gegner“, sagt ein ehemaliger CIA-Offizier gegenüber CNN. „Sondern die Leute, mit denen man zusammenarbeitet.“

Der stille Umbau der US-Strategie

Die Operationen zeigen, wie sehr sich der amerikanische Kampf gegen Drogenkartelle verändert hat. Jahrzehntelang dominierten Polizei- und Anti-Drogenbehörden wie die DEA. Nun übernehmen Geheimdienste und paramilitärische Strukturen.

Für die USA geht es dabei längst nicht mehr nur um Drogenhandel. In offiziellen Strategiepapiere der Trump-Regierung werden Kartelle inzwischen als Sicherheitsbedrohung behandelt, ähnlich wie Terrororganisationen.

Was das konkret bedeutet, zeigt der Fall Beltrán: ein präziser Anschlag mitten im Großraum Mexiko-Stadt, durchgeführt mit militärischer Professionalität – und umgeben von Schweigen.

Vielleicht ist genau das die Botschaft.

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