Es sollte eigentlich um Budgets gehen. Stattdessen entwickelte sich die Anhörung von FBI-Direktor Kash Patel im US-Senat zu einer Mischung aus Politthriller, Reality-TV und Bar-Diskussion.
Demokratische Senatoren nahmen Patel bei der Anhörung des Haushaltsausschusses hart ins Kreuzverhör. Besonders Senator Chris Van Hollen stellte den FBI-Chef öffentlich zur Rede – wegen Medienberichten über angeblich exzessiven Alkoholkonsum, mysteriöse Fehlzeiten und fragwürdiges Verhalten im Amt.
„Ich nehme jeden Test“
Auslöser war ein Bericht des Magazins The Atlantic, wonach Patel Kollegen mit „starkem Alkoholkonsum und unerklärlichen Abwesenheiten“ beunruhigt habe. Van Hollen sprach die Vorwürfe direkt an und erwähnte Berichte, wonach Mitarbeiter angeblich Zugang zu Patels Haus erzwingen mussten, weil dieser betrunken oder verkatert gewesen sei.
Patel reagierte erwartungsgemäß nicht mit Reue, sondern mit Gegenangriff. Der FBI-Chef warf Van Hollen vor, selbst „Margaritas mit einem verurteilten Straftäter“ getrunken zu haben – eine Anspielung auf ein Treffen des Senators mit einem zu Unrecht nach El Salvador abgeschobenen Mann. Van Hollen bestreitet die Geschichte bis heute.
Der Schlagabtausch eskalierte schnell. Patel erklärte schließlich demonstrativ: „Ich mache jeden Test, den Sie wollen.“ Danach bot er dem Senator sogar einen direkten Vergleich an: „Seite an Seite.“
Wenig später postete ausgerechnet der offizielle FBI-Account auf X Unterlagen zu einem angeblich mehrere Tausend Dollar teuren Dinner Van Hollens. Die Grenze zwischen Bundesbehörde und Social-Media-Schlammschlacht wirkte dabei endgültig aufgehoben.
Olympiareise statt Dienstreise?
Auch Patels Reise zu den Olympischen Spielen sorgte für Diskussionen. Bilder zeigten ihn feiernd mit der US-Eishockeymannschaft in Italien – inklusive Champagnerdusche und ausgelassener Kabinenparty.
Patel verteidigte die Reise nun als hochwichtige Geheimdienstmission. Parallel habe die FBI-Spitze nämlich die Auslieferung eines mutmaßlichen chinesischen Cyber-Spions organisiert, der in Italien festgenommen worden war.
Demokratische Senatoren blieben skeptisch. Senatorin Patty Murray spottete, wenn Patel weiter „Flaschen in Umkleidekabinen knallen lassen“ wolle, solle er lieber zum Podcasting zurückkehren und „Strafverfolgung Menschen überlassen, denen Recht und Anstand wichtig sind“.
FBI zwischen Wahlurnen und Abschiebungen
Neben den persönlichen Attacken ging es auch um die Rolle des FBI bei der verschärften Migrationspolitik der Trump-Regierung sowie um umstrittene Ermittlungen rund um die Wahl 2020.
Patel bestritt, FBI-Agenten dauerhaft für Abschiebeoperationen abgezogen zu haben. Gleichzeitig verteidigte er die Beschlagnahmung hunderter Wahlunterlagen in Georgia. Diese Maßnahmen seien richterlich genehmigt gewesen und hätten auf „wahrscheinlichem Tatverdacht“ basiert.
Kritiker sehen darin jedoch einen gefährlichen Einschüchterungseffekt gegenüber Wahlhelfern – besonders mit Blick auf die kommenden Zwischenwahlen und die Präsidentschaftswahl 2028.
Ein FBI-Chef im Dauerfeuer
Die Anhörung zeigte vor allem eines: Kash Patel führt das FBI inzwischen mit derselben konfrontativen Logik, die Donald Trump groß gemacht hat. Angriff statt Erklärung, Inszenierung statt Deeskalation.
Selbst bei einer nüchternen Haushaltsanhörung ging es am Ende weniger um Kriminalität oder nationale Sicherheit als um Barrechnungen, Margarita-Witze und die Frage, wer von beiden zuerst einen Alkoholtest machen würde.
Washington wirkt derzeit wie eine politische Serie, die längst vergessen hat, wo die Handlung eigentlich einmal begonnen hat.
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