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Chips in Schwarz-Weiß: Snackindustrie erlebt ihre Arthaus-Phase

sharonang (CC0), Pixabay
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Die globale Krise hat nun endgültig die härteste aller Branchen erreicht: die Chipsabteilung. Wegen der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus muss Japans Snackgigant Calbee künftig bei der Farbe sparen. Ab Ende Mai kommen zahlreiche Verpackungen nur noch in stilvollem Grau daher – als hätte jemand versehentlich den Energiesparmodus der gesamten Lebensmittelindustrie aktiviert.

Statt knalliger Designs gibt es künftig zwei Farben: grau und etwas anderes grau. Laut Unternehmen bleibt immerhin der Inhalt unverändert. Die Chips schmecken also weiterhin gleich, auch wenn die Packung jetzt aussieht wie ein osteuropäischer Kunstfilm aus den 70ern.

Geopolitik trifft Paprikachips

Hintergrund ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Durch die Sperre der Straße von Hormus fehlen wichtige Rohstoffe für Druckfarben. Konkret mangelt es an Naphtha – einem Erdölprodukt, das offenbar nicht nur Autos antreibt, sondern auch dafür sorgt, dass Krabbenchips fröhlich orange leuchten können.

Japanische Medien berichten, dass sich die Preise für Naphtha in Asien beinahe verdoppelt haben. Die Folge: Unternehmen müssen kreativ werden. Oder monochrom.

Calbee spricht diplomatisch von einer „Überarbeitung der Verpackungsspezifikationen“. Übersetzt heißt das ungefähr: „Wir hätten gern wieder Farbe, aber der Weltmarkt sagt nein.“

Die große Entbuntung

Calbee ist mit dem Problem nicht allein. Andere Lebensmittelkonzerne überlegen ebenfalls, auf Schwarz-Weiß umzusteigen oder alternative Druckfarben zu verwenden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Supermärkte aussehen wie ein historisches Fotoalbum.

Auch andere Branchen kämpfen mit den Folgen der Krise. Toyota und Hyundai klagen über steigende Materialkosten, Toto muss Bestellungen stoppen, und Fluglinien streichen Verbindungen wegen teurem Kerosin. Spirit Airlines stellte sogar den Betrieb ein – vermutlich weil irgendwann selbst Billigflüge nicht mehr billig genug waren.

Krise als Lifestyle-Konzept

Ökonomen sehen darin bereits einen Wandel der Wirtschaft. Produkte aus Erdöl könnten durch nachhaltige Alternativen ersetzt werden, erklären Experten. Plastik wird Papier, Shampoo wird pflanzlich – und Chipsverpackungen werden avantgardistische Minimalismusobjekte.

So wird aus einer geopolitischen Krise am Ende vielleicht doch noch ein Designtrend. Snackregale der Zukunft könnten aussehen wie skandinavische Einrichtungskataloge: dezent, reduziert und emotional leicht erschöpft.

Nur eines bleibt unverändert: Man isst die Chips sowieso direkt aus der Packung. Farbe hin oder her.

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