Bürgerwerke-Investment: Nachhaltige Wirkung, aber kein grünes Sparbuch
Die Wachstumsfinanzierung der Bürgerwerke klingt zunächst attraktiv: Anleger können ab 250 Euro einsteigen, erhalten 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr und finanzieren den Ausbau einer genossenschaftlich organisierten Energiewende. Das digitale Wertpapier läuft bis zum 30. Juni 2029. Das ursprüngliche Finanzierungsziel von fünf Millionen Euro wurde bereits erreicht und anschließend aufgestockt.
Hinter dem Angebot steht kein junges Start-up ohne Geschäftsmodell. Die Bürgerwerke bestehen seit 2013 und gehören inzwischen 146 Bürgerenergiegenossenschaften. Neben dem Energievertrieb werden Photovoltaikprojekte und Dienstleistungen für Genossenschaften aufgebaut.
Auch die Bilanz zeigt Licht und Schatten. 2025 erzielten die Bürgerwerke einen Jahresüberschuss von rund 324.000 Euro und ein operatives Ergebnis von 1,26 Millionen Euro. Gleichzeitig sank der Umsatz von 59,7 auf 57 Millionen Euro. Der Kundenbestand im Kerngeschäft ging um drei Prozent zurück.
Positiv ist die hohe Liquidität: Ende 2025 lagen rund 16,4 Millionen Euro auf Bankkonten. Davon waren allerdings etwa 4,35 Millionen Euro als Sicherheiten gebunden. Der operative Cashflow blieb mit minus 1,52 Millionen Euro negativ, wenn auch deutlich besser als im Vorjahr.
Kritisch ist außerdem die Kapitalstruktur. Bei einer Bilanzsumme von knapp 23,9 Millionen Euro betrug das bilanzielle Eigenkapital nur rund 1,85 Millionen Euro. Ein großer Teil der Finanzierung besteht aus nachrangigen Anleihen und Darlehen. Insgesamt waren 12,24 Millionen Euro der sonstigen Verbindlichkeiten nachrangig.
Für 2026 erwartet das Unternehmen sogar einen Verlust vor Steuern von etwa einer Million Euro, weil das bisherige Kundenwachstum ausgeblieben ist und neue Geschäftsfelder zunächst Kosten verursachen.
Der Impact Score von 91 Punkten bewertet vor allem die ökologische Wirkung. Er ist jedoch kein Bonitätsrating. Anleger sollten daher nicht nur auf Nachhaltigkeit und Zinsen schauen. Wegen des Nachrangs können Zins- und Rückzahlungen ausfallen; im Insolvenzfall droht der Totalverlust.
Fazit: ein nachvollziehbares Geschäftsmodell mit hoher ökologischer Wirkung und vorhandener Liquidität – aber zugleich dünnem Eigenkapital, negativem operativem Cashflow und einer schwierigen Wachstumsphase. Die 5,5 Prozent sind eine Risikoprämie, kein Ersatz für ein Festgeldkonto.
Kommentar hinterlassen