Die Vorbereitung ist gerade einmal zwei Wochen alt, und natürlich tun wir Borussia-Fans bereits das, was wir am besten können: aus zwei Testspielen eine komplette Saisonprognose ableiten. Zwischen vorsichtiger Euphorie, leichten Panikattacken und der Frage, wer eigentlich fit durch den August kommt, haben sich dennoch erste Gewinner und Verlierer gezeigt.
Ganz vorne bei den Gewinnern steht Hugo Bolin. Der 23-jährige Schwede wirkt bislang wie jemand, der beschlossen hat, nicht länger nur für nette Kurzeinsätze eingewechselt zu werden. In beiden Testspielen traf er zur Führung, wirbelte durch die gegnerischen Reihen und war dabei ungefähr so leicht zu greifen wie ein nasses Stück Seife.
Trainer Eugen Polanski lobt Bolins Spielfreude und seine Unberechenbarkeit. Das hören wir gerne. Schließlich können wir jeden Offensivspieler gebrauchen, bei dem nicht schon drei Sekunden vorher erkennbar ist, wohin der nächste Pass geht. Nach seinem ersten Bundesligator am letzten Spieltag der vergangenen Saison könnte Bolin tatsächlich einer dieser Spieler werden, die uns regelmäßig von den Sitzen reißen – im besten Fall vor Begeisterung.
Auch Iaia Manco Danfa sorgt für Aufmerksamkeit. Von den sechs Nachwuchsspielern, die sich bei den Profis zeigen dürfen, hat der 19-jährige Angreifer bislang den stärksten Eindruck hinterlassen. Polanski nennt ihn einen „brutal spannenden Spieler“. Für Gladbach-Verhältnisse ist das fast schon eine öffentliche Liebeserklärung. Seine Einladung ins Trainingslager am Tegernsee dürfte deshalb nur noch Formsache sein.
Zu den Gewinnern gehören außerdem Tim Kleindienst und Robin Hack. Beide können nach ihren langwierigen Verletzungen endlich wieder eine komplette Vorbereitung absolvieren. Allein dieser Satz klingt für Gladbach-Fans wie Luxus. Zwei wichtige Offensivspieler trainieren regelmäßig mit und müssen nicht täglich in irgendeinem Reha-Bericht gesucht werden – man wird ja bescheiden.
Weniger erfreulich sieht es bei Nathan Ngoumou aus. Gegen Rot-Weiss Essen schaffte er es nicht einmal in den 24-Mann-Kader. Deutlicher kann ein Trainer kaum mitteilen, dass die gemeinsame Zukunft vermutlich nicht mehr sehr lang sein wird. Tempo besitzt Ngoumou zweifellos. Nur führt dieses Tempo leider nicht immer dorthin, wo der Ball oder das Tor steht. Trotz Vertrags bis 2027 deutet vieles auf einen Abschied hin.
Pech hatte auch Yukhym Konoplia. Der Neuzugang musste gegen Essen mit einer Knieverletzung ausgewechselt werden und wird voraussichtlich mehrere Wochen fehlen. Der eigentlich für ihn vorgesehene Platz auf der rechten Abwehrseite fällt damit vorerst wieder Joe Scally zu, sobald dieser von der Weltmeisterschaft zurückkehrt. Willkommen bei Borussia: Kaum ist eine Position scheinbar geklärt, beginnt das große Improvisieren von vorn.
Zento Uno bleibt unterdessen der rätselhafteste Neuzugang. Der 21-Jährige kam bereits verletzt von Shimizu und konnte bislang nur individuell trainieren. Während sich die anderen präsentieren, sammelt Uno vor allem Kilometer abseits der Mannschaft. Das muss nichts bedeuten – aber als Gladbach-Fan weiß man, dass aus „individuelles Training“ erstaunlich schnell „wir schauen von Woche zu Woche“ werden kann.
Nach zwei Wochen lautet das vorsichtige Fazit daher: Bolin macht Spaß, Danfa macht neugierig, Kleindienst und Hack machen Hoffnung. Ngoumou dürfte sich Gedanken über seine Zukunft machen, Konoplia muss gesund werden und Uno überhaupt erst einmal richtig ankommen.
Und wir Fans? Wir sind selbstverständlich vollkommen entspannt. Zumindest bis zum nächsten Testspiel.
Schöner Kommentar. Man wird ja bescheiden! Weitere Erkenntnis: Auf Batz kann man sich verlassen, er ist jederzeit bereit, wenn er gebraucht wird. Leopold spielt gut mit, zeigt gute Ansätze, ob er uns wirklich weiterhilft, müssen wir abwarten. Lidberg zeigt eine gute Präsenz im Sechzehner, weiß sich zu wehren, ansonsten gilt dasselbe wie bei Leopold.