Als Anhänger von Fortuna Düsseldorf beobachtet man die Vorgänge bei Borussia Mönchengladbach naturgemäß mit einer gewissen Anteilnahme. Nicht aus Sorge, versteht sich. Eher aus jener rheinischen Hilfsbereitschaft, mit der man dem Nachbarn beim verzweifelten Suchen nach Punkten zusieht – und sicherheitshalber schon einmal das Fernglas reicht.
Nach zwei Spieltagen steht Gladbach noch ohne Punkt da. Zum Auftakt gab es ein 0:3 gegen RB Leipzig, anschließend folgte ein bemerkenswertes 3:4 gegen Aufsteiger SV Elversberg. Besonders kunstvoll: Die Borussia führte zwischenzeitlich mit 3:1 und verwandelte den vermeintlich sicheren Sieg noch in eine Niederlage.
Das muss man erst einmal schaffen. Auf der Düsseldorfer Königsallee nennt man so etwas vermutlich Wertverlust. Am Niederrhein heißt es neuerdings „gute Ansätze“.
Gute Laufwerte, keine Punkte
Trainer Eugen Polanski verweist vor dem Spiel beim SC Freiburg auf Energie, Laufleistung und Sprintwerte. Die Mannschaft zeige Fortschritte und müsse ihre Leistung lediglich über die gesamte Spielzeit auf den Platz bringen.
Das klingt vernünftig. Leider wird die Bundesligatabelle weiterhin nach Punkten berechnet und nicht danach, wie engagiert eine Mannschaft ihrem nächsten Gegentor hinterhergesprintet ist.
Auch Sportchef Rouven Schröder betont, Gladbach verfüge über eine gute Mannschaft. Entscheidend sei, die vorhandenen Leistungen endlich in Ergebnisse umzuwandeln. Weniger individuelle Fehler sollen dabei helfen. Polanski und Schröder über den Fehlstart und das Freiburg-Spiel
Aus Fortuna-Sicht kann ich diese Analyse nur unterstützen. Weniger Fehler sind im Fußball fast immer hilfreich. Mehr eigene Tore als der Gegner haben sich ebenfalls bewährt. Diese taktische Erkenntnis stelle ich dem Nachbarn ausnahmsweise kostenlos zur Verfügung.
Jetzt soll ein „Geheimplan“ helfen
Vor der Reise nach Freiburg wird über einen besonderen Plan des Trainers berichtet, bei dem offenbar die jungen Spieler eine wichtige Rolle übernehmen sollen. Die konkreten Einzelheiten werden hinter einer Bezahlschranke als „Geheimplan“ angekündigt.
Damit bleibt der Plan tatsächlich geheim. Vielleicht weiß ihn nicht einmal die Mannschaft. Das könnte immerhin erklären, warum Gladbach bislang so schwer auszurechnen ist – vor allem für sich selbst.
Grundsätzlich wäre es jedoch nachvollziehbar, wenn Polanski verstärkt auf junge, unbelastete Spieler setzt. Nach zwei Niederlagen können Nachwuchskräfte neue Energie und Mut in eine verunsicherte Mannschaft bringen. Sie tragen nicht die gesamte Last der vergangenen Monate und könnten in Freiburg unbekümmerter auftreten.
Der Nachteil: Gerade junge Spieler benötigen Stabilität, klare Abläufe und erfahrene Nebenleute. Sie dürfen nicht als spontane Rettungstruppe eingesetzt werden, nur weil die Routiniers bislang mehr Probleme als Punkte gesammelt haben.
Ob Polanskis Plan tatsächlich einen umfangreichen personellen Umbau vorsieht oder lediglich einzelne Nachwuchsspieler stärker einbindet, ist öffentlich bislang nicht vollständig belegt. Sicher ist nur, dass Gladbach dringend eine Reaktion benötigt.
Freiburg ist für Borussia kein Kurort
Ausgerechnet in Freiburg soll die Wende gelingen. Dort hat Gladbach seit 24 Jahren kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Der letzte Auswärtssieg stammt aus einer Zeit, in der Handys hauptsächlich telefonierten und man Tabellen noch im Videotext suchte.
Für Borussia ist Freiburg damit weniger ein Reiseziel als eine regelmäßig wiederkehrende Erinnerung daran, dass Tradition nicht immer etwas Schönes sein muss.
Auch in der vergangenen Saison blieb Gladbach gegen den SC sieglos. Nach einem torlosen Hinspiel gewann Freiburg das Rückspiel im Februar 2026 mit 2:1. Der frühere Gladbacher Matthias Ginter traf dabei für die Breisgauer – Fußball besitzt bekanntlich einen ausgeprägten Sinn für unangenehme Dramaturgie.
Nun fährt die
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