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Belgrad

kirill_makes_pics (CC0), Pixabay
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In Belgrad sind am Samstag erneut Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic zu demonstrieren und Neuwahlen zu fordern. Die Proteste wurden erneut vor allem von Studierenden organisiert, die der Regierung Korruption, Machtmissbrauch und mangelnde Rechtsstaatlichkeit vorwerfen.

Die Polizei sprach von rund 34.000 Teilnehmern, Beobachter gingen dagegen von bis zu 100.000 Menschen aus. Im Laufe des Abends kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Blendgranaten ein, während Demonstranten Müllcontainer in Brand steckten.

Auslöser der seit Monaten andauernden Protestbewegung war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Viele Menschen machen dafür Korruption und Schlamperei staatlicher Stellen verantwortlich. Inzwischen richten sich die Proteste grundsätzlich gegen die Regierung und das politische System des Landes. Besonders auffällig:

Am Tag der Großdemonstration wurde erneut der Zugverkehr in ganz Serbien eingestellt. Eine offizielle Begründung blieb aus. Kritiker vermuten jedoch, dass damit erneut verhindert werden sollte, dass Menschen aus anderen Regionen zu den Protesten nach Belgrad reisen können. Bereits bei früheren Demonstrationen hatte es ähnliche Vorfälle gegeben. Die Stimmung in Serbien gilt inzwischen als massiv polarisiert.

Vor allem in den Städten wächst die Unterstützung für die Protestbewegung, während Präsident Vucic und seine Partei insbesondere auf dem Land weiterhin starken Rückhalt genießen. Dort fürchten viele Menschen wirtschaftliche Nachteile oder Arbeitsplatzverluste bei einem Machtwechsel.

Für zusätzlichen Streit sorgen Vorwürfe gegen die Regierung, Kritiker einzuschüchtern und Demonstrierende gezielt unter Druck zu setzen. Oppositionelle Gruppen werfen den Behörden vor, Proteste systematisch zu behindern und Medienfreiheit einzuschränken. Präsident Vucic kündigte inzwischen Parlamentswahlen zwischen Ende September und Mitte November an. Kritiker bezweifeln jedoch, dass die angekündigten Reformen ausreichen werden, um faire und transparente Wahlen sicherzustellen. Wahlbeobachter sprechen bislang lediglich von „kosmetischen Änderungen“.

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