Gianni Infantino wollte offenbar ganz groß spielen. Milliarden sollten fließen, kommerzielle Rechte teilweise verkauft und der Weltfußball noch stärker zum Anlageobjekt gemacht werden. Nun ist das Projekt innerhalb kürzester Zeit zusammengebrochen.
Die Begründung des FIFA-Präsidenten klingt dabei wie eine nachträgliche Beschönigung. Das Vorhaben habe „zu Spaltungen geführt“, heißt es. Als wäre die Spaltung plötzlich vom Himmel gefallen. Dabei war von Beginn an absehbar, dass der geplante Verkauf von Rechten an der Weltmeisterschaft massiven Widerstand auslösen würde.
Infantino wollte offenbar Fakten schaffen: mit Fristen, Sonderzahlungen und großem finanziellen Druck. Erst als UEFA, AFC und CONCACAF auf Distanz gingen, ein WM-Boykott im Raum stand und selbst ein enger Berater zurücktrat, zog er die Notbremse.
Das ist keine souveräne Kurskorrektur. Es ist eine politische Niederlage.
Wer die wichtigsten Vermögenswerte des Weltfußballs teilweise versilbern will, muss erklären können, wem das langfristig nutzt. Infantino konnte das offenbar nicht überzeugend. Stattdessen blieb der Eindruck, dass kurzfristiges Geld wichtiger werden sollte als die treuhänderische Verantwortung gegenüber Verbänden, Fans und kommenden Generationen.
Besonders entlarvend ist, dass Infantino nun ausgerechnet die Einheit des Fußballs beschwört. Jene Einheit, die er mit seinem Vorstoß selbst gefährdet hat.
Ein FIFA-Präsident darf neue Ideen entwickeln. Aber wer derart hoch pokert, seine Partner gegen sich aufbringt, mit Druck arbeitet und am Ende ohne tragfähige Mehrheit dasteht, hat nicht nur einen Vorschlag verloren. Er hat seine politische Autorität verspielt.
Infantino wollte den großen Deal.
Geblieben ist ein Scherbenhaufen.
Wer so hoch pokert und dann nackig dasteht, der sollte gehen.
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