Der FC Bayern München hat am Mittwochabend das gemacht, was man in Fußball-Deutsch wohl „komplett eskalieren“ nennt: In einem völlig verrückten Champions-League-Kracher warfen die Münchner Real Madrid mit 4:3 aus dem Bewerb und zogen ins Halbfinale ein.
Mit dabei: Konrad Laimer, mittendrin statt nur dabei.
Nicht mit dabei: Defensive Stabilität.
Zur Pause führte Real noch 3:2, am Ende jubelten aber die Bayern – und zwar erst in den letzten Minuten, weil normal gewinnen kann ja jeder.
Sieben Tore, zwei Torhüter mit Abenteuerlust und ein Finale vor dem Finale
Schon nach 34 Sekunden war klar: Das wird kein ruhiger Abend.
Bayern-Keeper Manuel Neuer, in Madrid noch Held, eröffnete diesmal mit einem Fehlpass aus der Kategorie „bitte nie wieder im Highlight-Clip zeigen“. Arda Güler sagte Danke und schob zum frühen 1:0 für Real ein.
Doch Bayern antwortete schnell.
Nach einer Ecke von Joshua Kimmich irrte auch Real-Schlussmann Andriy Lunin ein bisschen orientierungslos durch den Strafraum, und Aleksandar Pavlovic köpfte zum 1:1 ein.
Kurz gesagt: Beide Torhüter hatten beschlossen, das Spiel aktiv mitzugestalten.
Güler zaubert, Kane liefert – und Mbappé macht Mbappé-Sachen
Real legte durch Güler erneut vor: Ein Freistoß, bei dem Neuer auch nicht gerade aussah, als hätte er die Flugbahn vorher studiert.
Bayern? Wieder nicht beeindruckt.
Harry Kane, der inzwischen offenbar nur noch Tore sammelt wie andere Leute Panini-Bilder, stellte nach feinem Upamecano-Pass auf 2:2.
Es war sein 50. Pflichtspieltor der Saison, also ein ganz normaler Arbeitstag.
Doch noch vor der Pause schlug Real wieder zu:
Vinicius Jr. zog drei Gegenspieler auf sich, legte quer auf Kylian Mbappé, und der machte das, was Kylian Mbappé eben macht: Tor. 3:2 für Real.
Halbzeitstand: Spektakel.
Puls der Zuschauer: fragwürdig.
Nerven der Trainer: längst weg.
Camavinga fliegt – Bayern riecht Blut
In Hälfte zwei wurde es zunächst etwas taktischer, also nur im Vergleich zu „kompletter Wahnsinn“.
Dann kam der Knackpunkt: Eduardo Camavinga sah in der 86. Minute Gelb-Rot, weil er Zeit schindete – und offenbar wusste am Ende nicht einmal jeder im Stadion sofort, dass das seine zweite Gelbe war. Klassiker.
Real plötzlich in Unterzahl.
Bayern plötzlich mit dem Blick eines Teams, das merkt: „Moment mal, da geht noch was.“
Diaz gleicht aus, Olise beendet den Fußballwahnsinn mit Kunst
In der 89. Minute traf Luis Diaz zum 3:3.
Ein Schuss von außerhalb des Strafraums, leicht abgefälscht – gerade genug, um die Bayern-Fans endgültig in kollektive Schnappatmung zu versetzen.
Und dann kam die 94. Minute.
Michael Olise nahm Maß, schlenzte den Ball traumhaft ins linke Kreuzeck und verwandelte die Allianz Arena in ein Tollhaus.
Ein Tor wie aus dem Videospiel.
Ein Abschluss wie aus dem Bilderbuch.
Ein Schlag ins Gesicht für Madrid.
Endstand: 4:3 für Bayern.
Gesamtscore: 6:4.
Real raus.
Bayern weiter.
Fußballromantik lebt.
Kimmich bringt’s auf den Punkt
Nach dem Spiel sagte Joshua Kimmich trocken:
„Ich hoffe, alle Kinder in Deutschland durften etwas länger wach bleiben.“
Fairer Punkt.
Denn wer dieses Spiel verpasst hat, muss sich den Rest der Woche wahrscheinlich von allen erzählen lassen, dass er eines der wildesten Champions-League-Duelle der letzten Jahre verschlafen hat.
Halbfinale gegen PSG – natürlich, wen sonst?
Im Halbfinale wartet jetzt Paris Saint-Germain.
Das Hinspiel steigt am 28. April in Paris, das Rückspiel am 6. Mai in München.
Heißt also:
Noch mehr Drama.
Noch mehr Stars.
Und vermutlich wieder nichts für schwache Nerven.
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