Der Aufstieg in die Bundesliga war überfällig und verdient. Die Mannschaft hat geliefert, die Fans haben den Verein durch schwierige Jahre getragen, und am Ende wurde das große Ziel erreicht. Dafür gebührt allen Beteiligten Respekt. Die Aufstiegshelden werden ihren Platz in der jüngeren Schalke-Geschichte behalten.
Aber jetzt beginnt die Bundesliga – und dort gelten andere Maßstäbe.
Bei aller Euphorie muss man sich die unbequeme Frage stellen: Wie viele Spieler aus dem aktuellen Kader haben tatsächlich dauerhaft Erstliga-Niveau?
Bei Torhüter Loris Karius gibt es für mich keine Diskussion. Er hat Qualität, Erfahrung und kann in der Bundesliga bestehen. Doch schon bei anderen Personalien wird es schwieriger.
Nehmen wir Edin Dzeko. Sein Name klingt groß, seine Karriere verdient höchsten Respekt. Aber die Bundesliga 2026 ist nicht die Bundesliga von vor zehn Jahren. Das Tempo ist höher, die Intensität größer und die Gegner sind auf einem anderen Niveau als in der 2. Liga. Dzeko kann mit seiner Erfahrung helfen, aber ob er über eine gesamte Saison hinweg der Spieler ist, der Schalke in der Bundesliga trägt, daran darf man durchaus Zweifel haben.
Und genau hier liegt das eigentliche Problem.
Schalke darf jetzt nicht den Fehler machen, einen Kader zusammenzustellen, der lediglich um Platz 15 kämpft. Natürlich muss zunächst der Klassenerhalt gesichert werden. Aber ein Verein wie Schalke 04 darf sich nicht dauerhaft über das Vermeiden des Abstiegs definieren.
Wer nach Gelsenkirchen kommt, muss den Verein besser machen – nicht nur den Absturz verhindern.
Deshalb braucht Schalke Spieler, die Bundesliga-Qualität nicht nur versprechen, sondern bereits nachgewiesen haben. Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Spieler, die eine Mannschaft entwickeln und auf ein höheres Niveau heben.
Die Verantwortlichen müssen jetzt Mut beweisen. Wer immer nur klein denkt, bleibt auch klein. Schalke hat in den vergangenen Jahren oft genug erlebt, wohin kurzfristiges Denken führt.
Das mittelfristige Ziel darf deshalb nicht Platz 15 sein.
Das mittelfristige Ziel muss heißen: Zurück in die obere Tabellenhälfte und perspektivisch wieder in die europäischen Wettbewerbe.
Für manche mag das nach den vergangenen Jahren vermessen klingen. Für Schalke 04 ist es das nicht. Dieser Verein gehört mit seiner Tradition, seiner Fanbasis und seiner Strahlkraft nicht in den dauerhaften Abstiegskampf. Schalke gehört auf die europäische Fußballbühne.
Der Aufstieg war ein wichtiger Schritt. Aber er darf nicht das Endziel sein. Jetzt muss Schalke den Mut haben, größer zu denken und entsprechend zu investieren. Sonst feiert man heute den Aufstieg – und kämpft morgen schon wieder ums Überleben.
Die steigen sofort wieder ab