Es gibt Dinge, die versteht man als Hansa-Fan einfach nicht.
Zum Beispiel, warum man für ein Auswärtsspiel gefühlt mehr Kilometer zurücklegen muss als andere Vereine in einer kompletten Saison. Während manche Klubs mit dem Fahrrad zum Derby fahren könnten, planen wir bereits die nächste Expedition quer durch Deutschland.
Deshalb schauen viele Hansa-Fans derzeit gespannt auf die Relegation zwischen Lok Leipzig und den Würzburger Kickers.
Nicht, weil wir plötzlich alle Lok-Fans geworden wären.
Sondern weil unser Tankkonto und die Deutsche Bahn darum beten.
Leipzig statt Weltreise
Lok Leipzig liegt von Rostock aus gerade einmal rund 392 Kilometer entfernt.
Für Hansa-Verhältnisse ist das praktisch ein Heimspiel.
Da kann man morgens losfahren und kommt noch am selben Tag zurück. Eine völlig neue Erfahrung für viele Auswärtsfahrer.
Bei Würzburg sieht die Sache schon anders aus.
Da beginnt die Anreise ungefähr dann, wenn andere Vereine noch darüber nachdenken, ob sie überhaupt fahren sollen.
Die neue Drittliga-Welt
Die kommende Saison verspricht ohnehin wieder ein besonderes Reiseprogramm.
Fortuna Köln.
Fortuna Düsseldorf.
Großaspach.
Münster.
Meppen.
Wenn das so weitergeht, bekommt jeder Hansa-Fan am Saisonende automatisch den Vielfahrer-Status bei sämtlichen Raststätten Deutschlands.
Einige dürften die Kassierer an der A7 inzwischen besser kennen als ihre Nachbarn.
Der Osten stirbt aus
Und dann gibt es noch die emotionale Seite.
Mit Cottbus hoch und Aue runter wird der Osten in der 3. Liga immer kleiner.
Lok Leipzig wäre wenigstens noch ein Verein, bei dem man weiß, wie die Wurst schmeckt, wie die Fans ticken und warum nach dem Spiel über Fußball statt über die Parkplatzordnung diskutiert wird.
Ein Ost-Duell hat eben etwas anderes als die 37. Fahrt ins nächste Gewerbegebiet irgendwo westlich von Kassel.
Der Sportdirektor macht natürlich wieder sein eigenes Ding
Besonders lustig ist die Sache mit Sportdirektor Amir Shapourzadeh.
Während halb Rostock auf Lok Leipzig hofft, drückt er den Würzburger Kickers die Daumen.
Warum?
Weil er dort früher gespielt hat.
Alte Liebe rostet nicht.
Das mag ja sein.
Aber unsere Tankrechnungen rosten auch nicht.
Die kommen zuverlässig jeden Monat.
Hansa-Fans rechnen anders
Wir schauen auf die Tabelle.
Wir schauen auf die Gegner.
Und dann rechnen wir.
Nicht mit Punkten.
Mit Kilometern.
Wenn Lok aufsteigt, sparen wir Sprit.
Wenn Würzburg aufsteigt, sparen wir gar nichts.
So einfach ist Fußball manchmal.
Fazit
Natürlich wünschen wir Lok Leipzig den Aufstieg.
Aus sportlichen Gründen.
Aus Traditionsgründen.
Aus Ost-Gründen.
Und vor allem aus finanziellen Gründen.
Denn ganz ehrlich:
Wenn wir noch mehr Auswärtsspiele im tiefsten Westen bekommen, müssen Hansa-Fans bald nicht mehr aufsteigen.
Dann brauchen wir nur noch einen eigenen Reiseveranstalter.
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