Auf den ersten Blick klingt das Angebot verlockend: 8,5 Prozent feste Zinsen pro Jahr, quartalsweise Ausschüttungen, Laufzeiten bis 2028 oder 2030 und die Aussicht, von modernen algorithmischen Handelsstrategien zu profitieren. In Zeiten, in denen Tagesgeld und Festgeld oft deutlich niedrigere Renditen bieten, dürfte ein solches Angebot bei vielen Anlegern Interesse wecken.
Doch gerade die Höhe der versprochenen Verzinsung sollte Anleger aufmerksam machen.
Hohe Zinsen bedeuten meist auch höheres Risiko
Unternehmensanleihen mit 8,5 Prozent Zinsen gehören nicht zur Kategorie konservativer Geldanlagen. Denn an den Finanzmärkten gilt grundsätzlich: Je höher die versprochene Rendite, desto höher ist in der Regel auch das Risiko.
Während Staatsanleihen oder Anleihen großer, bonitätsstarker Unternehmen oft deutlich niedrigere Zinsen bieten, muss ein Emittent, der 8,5 Prozent zahlt, Anlegern einen entsprechenden Risikoaufschlag bieten.
Das entscheidende Risiko: Die Bonität des Unternehmens
Bei dieser Anlage handelt es sich um eine Unternehmensanleihe. Anleger verleihen also einem Unternehmen Geld und erhalten dafür Zinsen.
Das größte Risiko besteht im sogenannten Emittentenrisiko:
- Gerät das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, können Zinszahlungen ausfallen.
- Im Insolvenzfall drohen erhebliche Verluste.
- Im schlimmsten Fall ist sogar ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.
Auf diesen Punkt weist das Unternehmen selbst im Kleingedruckten ausdrücklich hin.
Beeindruckende Zahlen ersetzen keine Sicherheit
Das Unternehmen wirbt mit:
- einem Handelsvolumen von über 3,1 Milliarden Euro,
- algorithmischen Handelssystemen,
- historischen Renditen von bis zu 27,9 Prozent,
- einer positiven Geschäftsentwicklung.
All diese Angaben können interessant sein, ersetzen jedoch keine unabhängige Bonitätsprüfung.
Besonders bei den genannten Renditen ist Vorsicht geboten. Ein Teil der beworbenen Ergebnisse basiert auf sogenannten Backtests, also theoretischen Berechnungen auf Basis historischer Marktdaten. Solche Simulationen können zwar Hinweise liefern, garantieren aber keineswegs vergleichbare Ergebnisse in der Zukunft.
Algorithmischer Handel ist kein Selbstläufer
Der Verweis auf moderne Algorithmen und künstliche Intelligenz vermittelt häufig den Eindruck besonderer Sicherheit oder technologischer Überlegenheit.
Tatsächlich unterliegen auch algorithmische Handelssysteme denselben Marktrisiken wie andere Anlagestrategien:
- Marktverwerfungen,
- technische Fehler,
- unerwartete politische Ereignisse,
- Liquiditätsengpässe
können dazu führen, dass Strategien deutlich schlechter laufen als geplant.
Die Vergangenheit zeigt, dass selbst hochentwickelte Handelssysteme in Krisenzeiten erhebliche Verluste erleiden können.
Für wen könnte das Angebot geeignet sein?
Eine solche Anleihe kann für erfahrene Anleger interessant sein, die:
- die Risiken von Unternehmensanleihen verstehen,
- ihr Vermögen breit streuen,
- mögliche Verluste verkraften können,
- nicht ihr gesamtes Kapital investieren.
Für sicherheitsorientierte Anleger, die ihr Geld ohne nennenswertes Ausfallrisiko anlegen möchten, ist eine Unternehmensanleihe mit 8,5 Prozent Verzinsung dagegen eher ungeeignet.
Fazit
Das Angebot bietet eine ungewöhnlich hohe feste Verzinsung und könnte als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio interessant sein.
Anleger sollten sich jedoch nicht von Schlagworten wie „planbare Rendite“, „Stabilität“ oder „Technologie“ blenden lassen. Letztlich hängt die Sicherheit der Anlage entscheidend von der wirtschaftlichen Stärke des Unternehmens ab.
Vor einer Investition sollten daher insbesondere der Wertpapierprospekt, die Finanzkennzahlen des Emittenten, mögliche Sicherheiten sowie die Risiken eines Totalverlustes sorgfältig geprüft werden.
8,5 Prozent Zinsen sind möglich – risikolos sind sie nicht. Genau deshalb liegen sie deutlich über den Zinsen klassischer Spar- und Festgeldanlagen.
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