Die Folgen des Iran-Krieges treffen nun zunehmend auch den internationalen Flugverkehr. Weltweit haben Fluggesellschaften im Mai bereits rund 13.000 Flüge gestrichen. Hintergrund sind massiv gestiegene Kerosinpreise infolge der Krise im Nahen Osten und der angespannten Lage rund um die Straße von Hormus.
Nach Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium wurden dadurch weltweit fast zwei Millionen Sitzplätze aus dem Flugplan genommen. Besonders betroffen sind große internationale Drehkreuze wie Istanbul, München, Frankfurt oder Amsterdam Schiphol.
Der Preis für Flugtreibstoff hat sich seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt. Kostete eine Tonne Kerosin Ende Februar noch rund 830 Dollar, lag der Preis Anfang April zeitweise bereits bei über 1.800 Dollar. Branchenexperten warnen zudem davor, dass es bei anhaltenden Störungen der Lieferketten innerhalb weniger Wochen zu echten Versorgungsengpässen kommen könnte.
Noch versuchen Airlines, die Lage herunterzuspielen. Britische Fluggesellschaften erklärten, man arbeite bislang ohne größere Versorgungsprobleme. Gleichzeitig begrüßte die Branche jedoch Notfallpläne der Regierung, die es Airlines ermöglichen sollen, Flüge frühzeitig zu streichen, ohne wertvolle Start- und Landerechte an Flughäfen zu verlieren.
Mehrere große Fluggesellschaften haben ihre Sommerpläne bereits reduziert. Lufthansa kündigte an, bis Ende Oktober insgesamt 20.000 Flüge aus dem Programm zu nehmen. Auch Air France, KLM, Delta oder Air Canada haben Kapazitäten gekürzt.
Trotzdem versuchen Reiseverbände zu beruhigen. Die bislang gestrichenen Verbindungen entsprächen nur etwa einem Prozent des weltweiten Flugverkehrs. Beliebte Urlaubsdestinationen seien bislang weitgehend stabil erreichbar.
Allerdings steigen vielerorts bereits die Ticketpreise. Airlines reagieren damit auf die drastisch höheren Betriebskosten und gleichzeitig auf eine wachsende Unsicherheit vieler Reisender.
Besonders problematisch bleibt Europas Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen Osten. Großbritannien etwa deckt rund zwei Drittel seines Kerosinbedarfs über Importe, ein erheblicher Teil davon kommt normalerweise durch die Straße von Hormus. Die anhaltende Blockade der strategisch wichtigen Route verschärft deshalb die Sorge vor einem angespannten Sommerreiseverkehr.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte bereits im April davor gewarnt, dass Europa spätestens im Juni unter ernsthaften Engpässen beim Flugtreibstoff leiden könnte, falls keine alternativen Lieferwege gefunden werden.
Für Reisende bedeutet das vorerst vor allem eines: höhere Preise, unsichere Flugpläne – und die Erkenntnis, wie schnell geopolitische Konflikte den Alltag weltweit beeinflussen können.
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