Donald Trump hat ein Problem mit seiner neuen Air Force One. Genauer gesagt: Er hat offenbar weniger ein Problem mit möglichen Sicherheitslücken als mit Journalisten, die darüber berichten.
Die neue Präsidentenmaschine, ein großzügiges Geschenk aus Katar im Wert von rund 400 Millionen Dollar, sollte eigentlich Glanz, Macht und Weltgeltung ausstrahlen. Stattdessen steht nun die Frage im Raum, ob der Jet außenpolitisch vielleicht etwas zu offenherzig ausgestattet wurde. Berichten zufolge fehlen bestimmte Sicherheitssysteme, die bei einer Präsidentenmaschine nicht ganz unwichtig sein könnten – etwa dann, wenn sie tatsächlich einen Präsidenten transportiert.
Die „New York Times“ berichtete darüber. Die Reaktion der Regierung fiel konsequent aus: Vier Journalisten erhielten Vorladungen vor eine Bundesjury.
Denn wenn eine Maschine möglicherweise nicht ausreichend geschützt ist, muss man natürlich nicht zuerst die Maschine prüfen. Man kann auch diejenigen vorladen, die darüber geschrieben haben. Das ist deutlich einfacher und verursacht weniger Wartungskosten.
Die betroffenen Reporter hatten berichtet, Trump sei nach dem NATO-Gipfel in der Türkei auf Drängen des Secret Service zunächst mit der alten Air Force One abgereist. Trump erklärte später, dies sei „der alten Zeiten wegen“ geschehen.
Eine charmante Formulierung. Andere Menschen hören alte Musik oder schauen nostalgisch Fotoalben an. US-Präsidenten steigen offenbar aus sentimentalen Gründen in ein besser geschütztes Flugzeug.
Erst auf dem britischen Stützpunkt RAF Mildenhall wechselte Trump wieder in den neuen Jet. Vermutlich war die nostalgische Phase dort vorüber.
Das Weiße Haus betont unterdessen, die neue Air Force One sei selbstverständlich sicher und mit hochrangigen Schutzmaßnahmen ausgestattet. Welche genau das sind, wollte man allerdings nicht näher erläutern. Möglicherweise gehören auch Optimismus, Selbstvertrauen und festes Daumendrücken zum Sicherheitskonzept.
Die US-Luftwaffe hatte zuvor selbst eingeräumt, dass bei „weniger häufig genutzten Missionsfähigkeiten“ Abstriche gemacht worden seien. Das klingt beruhigend. Offen bleibt lediglich, ob damit die Bordküche, die Konferenztechnik oder doch die Raketenabwehr gemeint war.
Fachleute zeigen sich skeptisch. Eine vollständige Nachrüstung einer Boeing 747 dauere normalerweise deutlich länger als ein Jahr. Trump wollte die Maschine allerdings möglichst schnell nutzen. Und wenn es schnell gehen muss, wird eben priorisiert: Lackierung fertig, Sitz bequem, Präsident an Bord – der Rest kommt später.
Der Jet soll ohnehin nur als Übergangslösung dienen, bis die eigentlichen neuen Präsidentenmaschinen fertiggestellt sind. Es handelt sich also gewissermaßen um eine fliegende Zwischenmiete – nur mit weniger Kündigungsfrist und möglicherweise weniger Abwehrsystemen.
Das Justizministerium weist den Vorwurf zurück, Journalisten würden verfolgt. Man sei lediglich besorgt über die Verbreitung geheimer Informationen.
Die Botschaft dürfte damit klar sein: Über Sicherheitslücken darf berichtet werden – solange niemand davon erfährt.
Am Ende bleibt der Eindruck einer bemerkenswerten Prioritätensetzung: Die mögliche Schwachstelle des Flugzeugs wird intern behandelt, die öffentliche Berichterstattung darüber hingegen mit maximalem juristischem Schub.
Vielleicht bekommt die neue Air Force One also doch noch ein zusätzliches Schutzsystem: nicht gegen Raketen, sondern gegen Schlagzeilen.
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