Die politische Stimmung in Deutschland wird für die etablierten Parteien immer unangenehmer. Laut einer neuen INSA-Umfrage liegt die AfD inzwischen nicht nur in der klassischen Sonntagsfrage vorne – sondern erstmals auch bei der Kanzlerfrage. Jeder vierte Befragte kann sich mittlerweile vorstellen, dass die AfD den nächsten Kanzler oder die nächste Kanzlerin stellt.
Für CDU, SPD und Grüne ist das ein Warnsignal mit Sirenenlautstärke. Denn während sich die Regierung weiterhin mit Streit, Schulden und gegenseitigen Schuldzuweisungen beschäftigt, wächst bei vielen Wählern offenbar die Lust auf maximalen Protest.
Besonders brisant: Auch bei den Wunschkoalitionen liegt Schwarz-Blau inzwischen vorne. Eine Koalition aus Union und AfD wünschen sich 26 Prozent der Befragten – mehr als für Schwarz-Rot oder ein linkes Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei.
Offiziell hält die Union zwar weiter eisern an der sogenannten „Brandmauer“ zur AfD fest. Doch mit jeder neuen Umfrage wird die Frage lauter: Wie lange noch?
Denn je stärker die AfD wird, desto schwieriger wird die bisherige Strategie des Ausschließens. Vor allem dann, wenn rechnerisch irgendwann kaum noch stabile Mehrheiten ohne die AfD möglich sind. Viele in der CDU wissen längst: Die Brandmauer ist politisch leicht gefordert, solange man nicht davor steht, selbst die Macht zu verlieren.
Gleichzeitig wächst der Frust vieler Bürger über die aktuelle Regierungspolitik. Besonders bei den geplanten neuen Schulden reagiert die Mehrheit zunehmend allergisch. 60 Prozent lehnen den Kurs der Bundesregierung ab, auch eine weitere Lockerung der Schuldenbremse findet kaum Unterstützung.
Das Problem für die Ampel-Nachfolger in Berlin: Je stärker wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und politische Dauerkrisen werden, desto mehr profitieren Parteien, die sich als radikale Alternative inszenieren können.
Die eigentliche Gefahr für die etablierten Parteien ist deshalb nicht nur die Stärke der AfD. Gefährlich ist vor allem, dass immer mehr Menschen offenbar das Vertrauen verlieren, dass die bisherigen Parteien ihre Probleme noch lösen können.
Und genau dort beginnt die Brandmauer zu bröckeln – nicht zuerst in Parteizentralen, sondern in den Köpfen vieler Wähler.
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