Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran bringt zunehmend auch den internationalen Flugverkehr unter Druck. Jetzt prüfen europäische Behörden und Luftfahrtverbände ungewöhnliche Maßnahmen, um mögliche Treibstoffengpässe abzuwenden.
Im Fokus: amerikanischer Flugzeugtreibstoff.
Europas Airlines unter Druck
Seit Beginn des Nahost-Krieges sind die Preise für Flugzeugtreibstoff massiv gestiegen. Besonders betroffen ist Europa, da viele Airlines bislang auf Lieferungen aus der Golfregion angewiesen waren.
Doch genau dort stocken die Lieferketten inzwischen massiv:
Durch die Spannungen rund um die Straße von Hormus gelangen deutlich weniger Treibstofflieferungen nach Europa.
Die Folge:
- steigende Kosten,
- mögliche Versorgungsprobleme
- und wachsender Druck auf Fluggesellschaften.
US-Kerosin soll einspringen
Die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA schlägt nun vor, verstärkt auf amerikanischen Flugzeugtreibstoff zurückzugreifen.
Das Problem:
In den USA wird überwiegend sogenanntes „Jet A“-Kerosin produziert, während international normalerweise „Jet A-1“ verwendet wird.
Der Unterschied klingt technisch – ist aber sicherheitsrelevant:
Jet A-1 besitzt einen niedrigeren Gefrierpunkt und eignet sich deshalb besser für Langstrecken- und Polarflüge.
EU und Luftfahrtbehörden öffnen die Tür
Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat inzwischen Sicherheitsrichtlinien veröffentlicht, wie US-Treibstoff in Europa eingesetzt werden könnte.
Dabei betont die Behörde:
Eine Nutzung sei grundsätzlich möglich – allerdings nur bei sorgfältiger Kontrolle und klarer Kommunikation entlang der gesamten Lieferkette.
Denn:
Eine falsche Mischung oder unklare Kennzeichnung könnte im schlimmsten Fall Sicherheitsrisiken für Flugzeuge verursachen.
Auch die EU-Kommission erklärte inzwischen:
Es gebe keine regulatorischen Hindernisse gegen den Einsatz von US-Kerosin in Europa.
Krieg trifft nun auch die zivile Luftfahrt
Der Konflikt im Nahen Osten entwickelt sich damit zunehmend zu einem globalen Wirtschafts- und Infrastrukturproblem.
Neben:
- explodierenden Ölpreisen,
- höheren Transportkosten
- und steigender Inflation
gerät nun auch die internationale Luftfahrtbranche massiv unter Druck.
Sollte der Konflikt weiter eskalieren oder die Straße von Hormus dauerhaft blockiert bleiben, könnten:
- Flugpreise deutlich steigen,
- Flugpläne eingeschränkt
- oder einzelne Verbindungen sogar gestrichen werden.
Airlines warnen bereits
Der Luftfahrtkonzern IAG, zu dem unter anderem British Airways gehört, erklärte zwar aktuell noch keine akuten Versorgungsprobleme zu sehen.
Gleichzeitig warnte das Unternehmen aber:
Sollten Öl- und Treibstofflieferungen aus dem Nahen Osten weiter eingeschränkt bleiben, drohten weltweite Engpässe bei Flugzeugtreibstoff.
Die Luftfahrtbranche bereitet sich damit offenbar längst auf ein Szenario vor, das vor wenigen Monaten noch undenkbar erschien:
eine globale Kerosinkrise infolge eines militärischen Großkonflikts im Nahen Osten.
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