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Wettkampf statt Kuscheln: Warum das Hormon Oxytocin Männer aggressiver zusammenschweißt

bogitw (CC0), Pixabay
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Oxytocin gilt gemeinhin als „Kuschelhormon“ – als chemischer Bote für Nähe, Vertrauen und Bindung. Doch offenbar hat das Molekül noch eine zweite, deutlich rauere Seite: Es scheint auch dann aktiv zu werden, wenn Männer in Konkurrenzsituationen aufeinandertreffen.

Darauf deutet eine neue Studie hin, die Fußballspieler und Fußballspielerinnen der indigenen Tsimane-Gemeinschaft im bolivianischen Amazonasgebiet untersucht hat. Die Forschenden analysierten Urinproben vor und nach Spielen – mit einem überraschenden Ergebnis: Bei Männern stieg der Oxytocinspiegel nach Wettkämpfen deutlich an. Besonders stark war der Effekt bei Spielen gegen bekannte Rivalen oder gegen Mannschaften außerhalb der eigenen Gemeinschaft.

Das widerspricht auf den ersten Blick dem populären Bild des Hormons als biologischem Symbol für Harmonie und Zuneigung. Tatsächlich könnte Oxytocin evolutionär jedoch weit mehr leisten: Es stärkt offenbar nicht nur soziale Nähe innerhalb einer Gruppe, sondern auch die Abgrenzung nach außen.

Genau darin sehen die Forschenden den möglichen Zusammenhang zur sogenannten „Male-Warrior-Hypothese“. Diese Theorie geht davon aus, dass Männer im Verlauf der Evolution stärker in kollektive Konkurrenzsituationen eingebunden waren – etwa bei Verteidigung, Jagd oder Konflikten zwischen Gruppen. Oxytocin könnte dabei geholfen haben, Kooperation innerhalb des eigenen Teams zu fördern und gleichzeitig die Motivation im Wettbewerb mit anderen Gruppen zu steigern.

Auffällig war allerdings, dass sich bei den teilnehmenden Frauen kein vergleichbarer Anstieg messen ließ. Die Studienleiterin Charlotte Debras von der Universität Zürich nennt dafür mehrere mögliche Erklärungen. Viele Frauen der untersuchten Gruppe stillten ihre Kinder, was bereits mit erhöhten Oxytocinwerten verbunden ist. Veränderungen könnten dadurch schwerer nachweisbar sein. Möglich sei auch, dass Fußball für die Männer sozial stärker aufgeladen sei als für die Frauen.

Die Studie, veröffentlicht in den „Proceedings B“ der Royal Society, zeigt damit einmal mehr: Biologische Prozesse lassen sich selten auf einfache Schlagworte reduzieren. Das vermeintliche Kuschelhormon könnte in Wahrheit ebenso sehr ein Hormon des Zusammenhalts im Wettkampf sein.

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