Die jemenitischen Huthi-Rebellen erklären, zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Gleichzeitig bombardierten die USA den Iran in der zwölften Nacht in Folge. Offenbar war eine bedrohte internationale Schifffahrtsroute noch nicht genug, weshalb nun gleich an mehreren strategischen Meerengen für größtmögliche Unsicherheit gesorgt wird.
Iranische Staatsmedien berichteten, bei den amerikanischen Angriffen am Mittwoch seien im Süden des Landes zwei Menschen getötet worden. Außerdem soll ein Tanker in der Straße von Hormus nach einer Explosion auf einer verminten Route in Brand geraten sein.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk zerstören zu lassen, falls Iran erneut ein Schiff in der Straße von Hormus angreife. Auch den Huthis drohte er Konsequenzen an, sollten sie den Schiffsverkehr im Roten Meer blockieren. Diplomatische Feinfühligkeit bleibt damit weiterhin eines der weniger genutzten Instrumente dieser Krise.
Sollte der Angriff bestätigt werden, wäre es die erste Huthi-Attacke seit der Verkündung eines sogenannten Seeembargos gegen Saudi-Arabien. Die Gruppe nannte die betroffenen Tanker „Encelia“ und „Layla“. Eine unabhängige Bestätigung für die Verantwortung der Huthis sowie für einen Angriff auf die „Layla“ liegt bislang allerdings nicht vor.
Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte, die Schiffe seien mit Drohnen und Raketen angegriffen worden, weil sie angeblich die Seeblockade der Gruppe missachtet hätten. Die Huthis würden ihre Einsätze fortsetzen und an ihrem Prinzip „Belagerung für Belagerung“ festhalten. Das klingt zwar eingängig, dürfte für Seeleute, Reedereien und die Weltwirtschaft aber nur begrenzt beruhigend sein.
Die staatliche saudische Nachrichtenagentur bestätigte, dass die „Encelia“ während ihrer Fahrt im Roten Meer getroffen worden sei. Am Bug des Schiffes sei ein Feuer ausgebrochen. Die Besatzung sei unverletzt geblieben.
Nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations wurde der Tanker etwa 130 Kilometer von der saudischen Küstenstadt Al-Shuqaiq entfernt von einem unbekannten Geschoss getroffen. Der Angriff habe einen Brand verursacht, jedoch keine Todesopfer gefordert. Auch das britische Sicherheitsunternehmen Vanguard bestätigte den Treffer auf die „Encelia“.
Das US-Zentralkommando erklärte, die neuen Angriffe auf den Iran seien auf Anweisung Trumps erfolgt. Ziel sei es gewesen, die Fähigkeit Irans weiter einzuschränken, zivile Seeleute und Handelsschiffe in den regionalen Gewässern zu bedrohen.
Angegriffen worden seien unter anderem militärische Einrichtungen, Raketen- und Drohnenlager, Küstenüberwachungsanlagen, Luftverteidigungssysteme und maritime Fähigkeiten. Mit anderen Worten: Die USA wollen weitere iranische Angriffe verhindern, indem sie noch mehr Ziele im Iran bombardieren – eine Methode, die in der Region bislang zuverlässig für Ruhe und Entspannung gesorgt hat.
Kurz darauf meldeten Kuwait, Jordanien und Bahrain, auf Bedrohungen aus der Luft reagiert zu haben. Das iranische Militär erklärte seinerseits, amerikanische Einrichtungen in allen drei Ländern angegriffen zu haben. Damit wird der Kreis der beteiligten Staaten erfreulich übersichtlich gehalten: Er wächst einfach ständig weiter.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten unterdessen, die Straße von Hormus sei nach einer Explosion vollständig geschlossen worden. Drei Öltanker seien an der Durchfahrt gehindert worden. Ein Schiff sei in Brand geraten, während zwei weitere nach dem Versuch, eine verminte Route südlich der Meerenge zu passieren, umgekehrt seien.
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Erdöl und Flüssiggas. Bereits kleinere Störungen können erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise und globale Lieferketten haben. Eine vollständige Sperrung ist daher ungefähr so unproblematisch, wie sie klingt.
Irans Außenminister Abbas Araghchi kündigte als Reaktion auf Angriffe gegen sein Land ein Vorgehen nach dem Prinzip „Auge um Auge“ an. Da inzwischen mehrere Seiten mit Vergeltung auf Vergeltung reagieren, dürfte es zunehmend schwierig werden festzustellen, welcher Angriff eigentlich noch Antwort und welcher bereits Auslöser der nächsten Eskalationsrunde ist.
Die Huthis hatten ihr Seeembargo gegen Saudi-Arabien am Montag angekündigt. Einzelheiten blieben zunächst vage. Ein Medienvertreter der Gruppe erklärte jedoch, die Meerenge Bab al-Mandab werde für saudische Schiffe geschlossen.
Die Meerenge bildet den südlichen Zugang zum Roten Meer und zählt ebenfalls zu den wichtigsten Nadelöhren des internationalen Handels. Gemeinsam mit dem Suezkanal und der Straße von Hormus gehört sie zu den Routen, bei denen eine Blockade schnell weltweite Folgen haben kann.
Das Rote Meer ist für saudische Ölexporte besonders wichtig geworden, seit die Straße von Hormus durch den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran faktisch kaum noch nutzbar ist. Nun droht auch die alternative Route durch Angriffe der Huthis beeinträchtigt zu werden. Diversifizierung funktioniert eben nur so lange, bis auch die Ausweichstrecke beschossen wird.
Mindestens sieben Öltanker sollen in der Nähe des Jemen bereits umgekehrt sein. Huthi-Sprecher Saree behauptete, die Gruppe habe etwa zehn Schiffe zur Rückkehr gezwungen. Reedereien reagieren damit offenbar auf die bewährte Kombination aus Raketen, Drohnen, Minen und politischen Erklärungen.
Die neuen Störungen treffen auf ohnehin festgefahrene Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Beide Staaten hatten im Juni eine Absichtserklärung unterzeichnet, die eine Einstellung der Kampfhandlungen, die Wiederöffnung der Straße von Hormus und eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges innerhalb von 60 Tagen vorsah.
Nur drei Wochen später erklärte Trump die Waffenruhe nach iranischen Angriffen auf Schiffe und amerikanischen Gegenschlägen für beendet. Damit hielt die Friedensvereinbarung immerhin lange genug, um zu zeigen, wie schnell man im Nahen Osten vom Memorandum zurück zu Raketen, brennenden Tankern und verminten Seewegen gelangen kann.
Nun sind gleichzeitig die Straße von Hormus und der Zugang zum Roten Meer bedroht. Die Ölpreise schwanken, Handelsschiffe drehen um und immer mehr Staaten melden Angriffe oder Gegenangriffe. Aber sicher wird eine weitere Nacht mit Bombardierungen die Situation endgültig beruhigen.
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