Wer nach diesen beiden Achtelfinals immer noch behauptet, Fußball sei langweilig, sollte vielleicht über Hallenhalma nachdenken.
Was die Schweiz, Kolumbien, Argentinien und Ägypten auf den Rasen gezaubert haben, war Werbung für den Fußball. Dramatik, Leidenschaft, Emotionen und am Ende genau das, was eine Weltmeisterschaft ausmacht: Geschichten, die niemand schreiben kann.
Beginnen wir mit der Schweiz.
Die Eidgenossen haben Geschichte geschrieben. Erstmals seit 1954 steht die Nati wieder in einem WM-Viertelfinale – und das nach einem Elfmeterschießen, das nichts für schwache Nerven war. 120 Minuten lang schenkten sich die Schweizer und Kolumbianer keinen Zentimeter. Mal hatten die Südamerikaner das Spiel in der Hand, mal die Schweizer. Latte, Großchancen, Fehler, Rettungstaten – alles war dabei.
Und dann kam das Elfmeterschießen. Die grausamste und gleichzeitig schönste Entscheidung, die der Fußball kennt.
Während Kolumbien zunächst an der Latte scheiterte und anschließend an Gregor Kobel verzweifelte, bewies Rubén Vargas eiskalte Nerven. Der letzte Schuss saß – und plötzlich war die Schweiz im Viertelfinale. Fußball kann manchmal brutal sein. Für Kolumbien endete ein großartiges Turnier im Schmerz. Für die Schweiz begann ein neues Kapitel ihrer Fußballgeschichte.
Doch wer glaubte, das sei an diesem Abend schon der Höhepunkt gewesen, hatte die Rechnung ohne Lionel Messi gemacht.
Argentinien lag gegen Ägypten praktisch mit einem Bein im WM-Aus. 0:2 hinten, die Uhr lief erbarmungslos herunter, und der Titelverteidiger wirkte ratlos. Bis Messi beschloss, dass Feierabend noch keine Option ist.
Er bereitete zunächst den Anschlusstreffer vor, erzielte wenig später selbst den Ausgleich und riss seine Mannschaft mit einer Selbstverständlichkeit mit, wie sie nur ganz große Spieler besitzen. Als sich alle längst auf die Verlängerung eingestellt hatten, schlug Argentinien noch einmal eiskalt zu. Enzo Fernández vollendete den letzten Konter – und verwandelte Verzweiflung innerhalb weniger Minuten in grenzenlosen Jubel.
Natürlich diskutierten die Ägypter anschließend lautstark über eine mögliche Fehlentscheidung im Vorfeld des Siegtores. Emotionen gehören eben genauso zum Fußball wie Tore und Paraden. Dass die Schlussphase eher einer Kartenkonferenz als einem Fußballspiel glich, passte irgendwie zu diesem verrückten Abend.
Jetzt wartet das Duell Schweiz gegen Argentinien.
David gegen Goliath? Vielleicht. Oder einfach zwei Mannschaften, die sich ihr Viertelfinalticket auf völlig unterschiedliche Weise verdient haben. Die Schweiz mit Nerven aus Stahl vom Elfmeterpunkt. Argentinien mit einem Messi, der einmal mehr bewiesen hat, warum er Spiele entscheiden kann, wenn andere längst an Verlängerung denken.
Wenn diese Weltmeisterschaft eines zeigt, dann dieses: Namen gewinnen keine Spiele. Leidenschaft schon.
Und genau deshalb lieben Millionen Menschen diesen Sport.
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