Redaktion: Frau Wieder, eine neue Studie zeigt: In Deutschland wird zu wenig gegründet und zu selten geschlossen. Die Wirtschaft verkrustet. Beobachten Sie das auch?
Vivien Wieder: Absolut. Ich glaube, unser Gründungsgeist liegt irgendwo zwischen Faxgerät und Elster-Formular begraben. Wir züchten Beamten-Mentalität in der freien Wirtschaft. Das ist schon eine Leistung.
Redaktion: Die Bürokratie wird oft als Hauptproblem genannt. Zu Recht?
Wieder: Bürokratie? Nein! Ich liebe es, zwölf Wochen auf eine Steuernummer zu warten und mich durch 48 PDF-Formulare zu klicken. Das ist mein kleines Escape Room-Spiel – nur ohne Spaß und mit mehr Mahngebühren.
Redaktion: Es heißt, Deutschland schützt Unternehmen zu sehr vor dem Scheitern. Klingt doch nett?
Wieder: Ja, wir sind die Helikoptereltern der Wirtschaft. Bloß nicht loslassen! Aber so entstehen Zombie-Firmen: untot, ineffizient, aber irgendwie immer noch da. Innovation? Totalschaden mit Rückfahrkamera.
Redaktion: Im Vergleich zu Nordeuropa hinken wir hinterher. Warum?
Wieder: Weil dort Gründer gefördert werden – hier werden sie erstmal geprüft, gefilzt und dann gefragt, warum sie nicht lieber bei der Sparkasse arbeiten wollen. Wir behandeln Risiko wie einen Virus: bloß nicht anstecken!
Redaktion: Was müsste sich ändern?
Wieder: Weniger Vorschriften, mehr Vertrauen. Und ein Mindestmaß an digitaler Intelligenz. Wenn ich noch einmal ein Faxgerät in einem Amt sehe, gründe ich ein Museum – das erste analoge Start-up Deutschlands!
Redaktion: Wie gehen Sie als Investorin damit um?
Wieder: Ich bringe Popcorn mit. Denn wer hier erfolgreich gründet, verdient nicht nur Geld, sondern auch einen Oscar. Ich investiere in Mut – und manchmal in Leute, die schon dreimal auf die Nase gefallen sind. Denn wenigstens sind sie losgelaufen.
Redaktion: Letzte Frage: Was sagen Sie jungen Gründer:innen?
Wieder: Willkommen in Deutschland – wo Scheitern eine Schande ist und Erfolg verdächtig. Macht’s trotzdem. Und bringt am besten euren eigenen Scanner mit.
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