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Wiener Wirtschaftskammer entdeckt plötzlich das Konzept „Nachprüfung“

jorono (CC0), Pixabay
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Jahrelang galt bei Signa-Deals offenbar das Motto:
„Wird schon passen.“

Jetzt – nachdem René Benkos Immobilien-Imperium spektakulär implodiert ist – dämmert plötzlich auch in der Wiener Wirtschaftskammer langsam die Erkenntnis:
Vielleicht hätte man bei Immobiliengeschäften im dreistelligen Millionenbereich doch etwas genauer hinschauen sollen.

Konkret geht es um einen Deal aus dem Jahr 2017:
Die Wirtschaftskammer Wien verkaufte zwei Immobilien an die Signa-Gruppe und kaufte im Gegenzug ihre neue Zentrale am Wiener Praterstern.

Soweit nichts Ungewöhnliches.
In Österreich nennt man sowas vermutlich:
„Netzwerken mit Quadratmetern.“

Das Problem:
Die Signa-Gruppe verkaufte die beiden übernommenen Gebäude kurz darauf offenbar mit sattem Gewinn weiter.
Und plötzlich fragen sich jetzt mehrere Fraktionen der Wirtschaftskammer:
Moment mal… haben wir da vielleicht ein kleines bisschen Geld liegen lassen?

Oder anders formuliert:
Hat die Wirtschaftskammer Immobilienpreise ungefähr so eingeschätzt wie jemand, der auf Willhaben „VB“ mit Marktanalyse verwechselt?

Besonders bitter:
Laut Berichten wurden die Gebäude von Gutachtern mit rund 35 Millionen Euro bewertet.
Die Signa-Gruppe soll sie kurz danach für kolportierte 50 Millionen weiterverkauft haben.

Das nennt man in der Immobilienbranche vermutlich:
„Wertschöpfung.“
Normale Menschen würden eher sagen:
„Moment… wie bitte?!“

Jetzt sollen Kontrollausschüsse prüfen, wie diese Bewertungen zustande kamen und warum offenbar auf gewisse Absicherungen verzichtet wurde.

Die Wirtschaftskammer selbst bleibt natürlich entspannt und verweist auf Rechtsgutachten.
Alles ordnungsgemäß.
Alles geprüft.
Alles korrekt.

In Österreich ist ein Rechtsgutachten ungefähr das politische Äquivalent zu:
„Bitte hören Sie auf nachzufragen.“

Besonders schön:
Selbst falls die Immobilien tatsächlich viel mehr wert gewesen wären, haftet laut Gutachten offenbar niemand.

Das muss man erstmal schaffen:
Ein Immobiliengeschäft, bei dem möglicherweise Millionen verloren gehen – aber trotzdem am Ende niemand verantwortlich ist.

Das ist österreichische Verwaltungskunst auf Champions-League-Niveau.

Die Opposition innerhalb der Kammer spricht bereits von möglichen Kontrollversagen.
Die Wirtschaftskammer wiederum vermutet „parteipolitische Taktik“.

Natürlich.
Denn in Österreich beginnt echte Aufarbeitung traditionell genau an dem Punkt, an dem man alles zur parteipolitischen Intrige erklärt.

Die eigentliche Ironie:
Die Wirtschaftskammer vertritt Unternehmer.
Also genau jene Menschen, die bei einem solchen Immobiliengeschäft vermutlich spätestens nach fünf Minuten gefragt hätten:
„Moment… warum verkauft der Käufer das sofort mit Millionenaufschlag weiter?“

Aber offenbar gelten im großen Immobilienzirkus manchmal andere Naturgesetze.

Vor allem dann, wenn irgendwo „Signa“ draufstand.
Da wirkte jahrelang selbst die wildeste Preisentwicklung auf viele Menschen ungefähr so normal wie steigende Kaffeepreise.

Bis das Kartenhaus zusammenfiel.

Und jetzt beginnt plötzlich überall dieselbe Phase:
Akten prüfen.
Gutachten lesen.
Ausschüsse gründen.
Verantwortung suchen.
Und überrascht tun.

Willkommen im Post-Signa-Österreich.
Wo heute jeder schon immer gewusst haben will, dass irgendetwas nicht stimmen konnte.

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