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Wie die USA und Iran doch noch einen Deal schließen könnten – und beide ihn als Sieg verkaufen

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Es gibt für die USA und Iran derzeit kaum eine realistische Alternative zu einem Abkommen. Diese unausgesprochene Wahrheit galt seit Beginn des Krieges – und sie gilt in den letzten Tagen der fragilen Waffenruhe mehr denn je.

Beide Seiten haben Gründe, Härte zu demonstrieren. Beide Seiten haben innenpolitisch kaum Spielraum für Schwäche. Und gerade deshalb spricht vieles dafür, dass am Ende nicht die Eskalation, sondern ein Kompromiss steht – einer, den Washington und Teheran jeweils als eigenen Erfolg verkaufen können.

Trump braucht dringend ein Ergebnis

Für die US-Regierung wirkte bereits die erste Gesprächsrunde in Islamabad weniger wie klassische Diplomatie als wie eine kalkulierte Machtdemonstration. Dass kurz darauf die Blockade iranischer Häfen folgte, legt nahe, dass diese Eskalation von Beginn an Teil der Strategie war.

Wie stark die Blockade Iran tatsächlich trifft, wird sich erst zeigen. Aber schon eine nur teilweise wirksame Abriegelung würde die ohnehin schwer angeschlagene iranische Wirtschaft weiter unter Druck setzen – ebenso wie Staaten wie China, die auf iranisches Öl angewiesen sind.

Gleichzeitig wächst der Druck auf Donald Trump. Der Präsident betont öffentlich, er wolle ein Abkommen – und Iran angeblich auch. Vor allem aber braucht Trump selbst dringend einen Erfolg. Steigende Inflation, höhere Energiepreise und zunehmender Unmut selbst in Teilen des MAGA-Lagers machen den Konflikt innenpolitisch riskant.

Trumps sprunghafte Rhetorik mag als Verhandlungstaktik verkauft werden. Doch eine Strategie, bei der der Gegner nicht weiß, was man wirklich will, kippt irgendwann von kalkulierter Unberechenbarkeit in den Eindruck von Chaos. Und genau das verstärkt den Eindruck: Trump braucht einen Deal fast ebenso dringend wie Iran.

Auch Teheran ist weit schwächer, als die Propaganda suggeriert

In Teheran wird weiter Durchhaltewillen inszeniert. In den sozialen Netzwerken gewinnt das Regime womöglich den Meme-Krieg, und in offiziellen Verlautbarungen wird Widerstand als Triumph verkauft. Die Realität ist nüchterner.

Nach 39 Tagen Krieg und mehr als 13.000 angegriffenen Zielen ist der Schaden für Iran massiv. Die politische und militärische Führung wurde schwer getroffen. Die Revolutionsgarden operieren bereits mit einer dritten Führungsebene. Und auch wenn Hardliner nun Rache schwören, entbindet sie das nicht von den praktischen Problemen eines Staates, dessen Sicherheitsapparat, Infrastruktur und wirtschaftliche Basis schwer beschädigt wurden.

Irans derzeitige Stärke liegt weniger in militärischer Überlegenheit als im schlichten Überleben. Das Regime hat nicht gesiegt – es ist nicht kollabiert. Das ist ein Unterschied.

Hinzu kommt: Regional steht Teheran so isoliert da wie lange nicht. Iran hat mit seinen Angriffen große Teile seiner Nachbarschaft gegen sich aufgebracht. Pakistan vermittelt zwar, ist aber über Sicherheitsinteressen eng an Saudi-Arabien gebunden. Im Irak ist die Lage ambivalent. In den Golfstaaten überwiegt offener Unmut. Teheran hat seine Macht demonstriert – aber um den Preis wachsender Isolation.

Warum ein Kompromiss wahrscheinlicher ist als eine neue Eskalation

Solange keine unkontrollierbaren Zwischenfälle oder Hardliner-Aktionen dazwischenfunken, spricht derzeit mehr für Verhandlungen als für eine Rückkehr zum offenen Krieg. Dafür gibt es einen simplen Grund: Die Positionen beider Seiten liegen in zentralen Punkten näher beieinander, als die öffentliche Rhetorik vermuten lässt.

Das gilt besonders für die Straße von Hormus. Beide Seiten scheinen sich inzwischen grundsätzlich darauf zuzubewegen, die Meerenge wieder zu öffnen. Durch die US-Blockade iranischer Häfen ist Teherans Hebel kleiner geworden. Iran weiß, dass freierer Schiffsverkehr nötig ist, um den Druck auf China zu reduzieren und die eigene Verhandlungsposition nicht weiter zu verschlechtern.

Der Streit dreht sich damit weniger um das „Ob“ als um das „Wie“.

Beim Atomprogramm geht es vor allem um Zahlen – und um Gesichtsverlust

Ähnlich verhält es sich beim iranischen Atomprogramm. Beide Seiten scheinen sich auf ein Moratorium für die Urananreicherung zubewegen zu können. Der Streitpunkt ist vor allem die Dauer.

Iran will laut US-Kreisen eine Pause von fünf Jahren. Washington fordert 20 Jahre – also praktisch eine politische Ewigkeit. Die wahrscheinlichste Lösung liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Auch bei den Sanktionen dürfte es letztlich um Rechenaufgaben gehen: Welche Sanktionen werden wann aufgehoben, welche Gelder freigegeben, welche Kontrollen akzeptiert?

Militärisch ist Irans nukleare Infrastruktur durch die Angriffe der vergangenen Monate ohnehin massiv geschwächt. Das zentrale Problem sind weniger verbliebene Anlagen als die mehr als 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Formal ist das hochbrisant. Praktisch dürfte Teheran in der aktuellen Lage kaum in der Position sein, dieses Material rasch in eine Bombe umzuwandeln – angesichts amerikanischer und israelischer Lufthoheit und nahezu permanenter Überwachung.

Die eigentliche Frage ist daher nicht nur technisch, sondern symbolisch: Wie kann Iran auf nukleare Fähigkeiten verzichten, ohne den Eindruck vollständiger Unterwerfung zu erzeugen?

Eine Lösung könnte über die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) laufen: Auslagerung nach Russland, Verkauf, Verdünnung des Materials oder lückenlose internationale Überwachung. All das wäre politisch heikel, aber verhandelbar.

Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt Israel

Der schwierigste Punkt bleibt nicht zwingend Washington oder Teheran – sondern Israel.

Iran will, dass seine regionalen Verbündeten, vor allem die Hisbollah im Libanon, nicht weiter systematisch unter Druck geraten. Israel wiederum hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass es seine militärische Handlungsfreiheit im Libanon nicht aufgeben will.

Zwar gibt es erste direkte Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung. Doch Beirut hat seine Zusage, die Hisbollah zu entwaffnen, faktisch nicht eingelöst – und dürfte dazu kurzfristig auch kaum in der Lage sein.

Wahrscheinlich wird dieses Thema deshalb aus einem US-Iran-Abkommen ausgegliedert:
Israel behält sich punktuelle Schläge vor, der Libanon muss mit einem niedrigeren, aber dauerhaften Eskalationsniveau leben, und Washington verkauft dies als Fortschritt.

Das wäre keine Lösung des Problems – aber eine klassische Nahost-Variante von Schadensbegrenzung.

Am Ende geht es weniger um Inhalte als um Stolz

Die verbleibenden Hürden für ein Abkommen wirken derzeit weniger wie unüberwindbare Gegensätze als wie Fragen von Stolz, Inszenierung und politischer Verpackung.

Keine Seite kann sich einen Deal leisten, der wie eine Niederlage aussieht.

Iran muss den Eindruck bewahren, dass seine Abschreckung funktioniert hat – dass die Angriffe, die Störungen und die regionalen Kosten für Washington und seine Partner hoch genug waren, um einen weiteren Großangriff unattraktiver zu machen.

Trump wiederum braucht nach Wochen des Chaos ein Ergebnis, das er seinen Anhängern als Erfolg verkaufen kann. Er muss zeigen, dass seine Eskalation am Ende etwas „Besseres“ hervorgebracht hat als die Lage vor Kriegsbeginn.

Und genau hier lauert der Vergleich, der ihn politisch verfolgen wird:
Ist ein neuer Deal tatsächlich besser als das Atomabkommen von 2015, das Barack Obama verhandelt hatte – und das Trump in seiner ersten Amtszeit selbst aufgekündigt hat?

Das wird schwer eindeutig zu beantworten sein. Zwar ist Irans nukleare Infrastruktur heute stärker beschädigt als damals, und Trump könnte tatsächlich ein Abkommen erreichen, das Iran ohne angereichertes Material oder ohne realistische Anreicherungskapazität zurücklässt. Aber der Preis dafür ist hoch – geopolitisch, wirtschaftlich und strategisch.

Der Deal könnte kommen – doch das eigentliche Problem beginnt erst danach

Selbst wenn ein Abkommen gelingt, bleibt eine zweite, womöglich wichtigere Frage:
Was für ein Iran geht aus diesem Krieg hervor?

Das Land wäre geschwächt, wirtschaftlich beschädigt und infrastrukturell auf Jahre hinaus gezeichnet. Doch zugleich hat der Krieg eine politische Nebenwirkung, die für Washington und Israel langfristig gefährlich werden könnte:

Die moderaten Stimmen in Iran, die für Zurückhaltung, Öffnung oder Verzicht auf nukleare Abschreckung standen, dürften weitgehend verstummt sein.

Was bleibt, sind Hardliner, die aus den vergangenen Monaten vor allem eine Lehre ziehen dürften:
Wenn man keinen nuklearen Schutzschirm hat, wird man angreifbar.

Trump könnte also ein Abkommen erzielen, das Irans Weg zur Bombe kurzfristig blockiert.
Aber die unbeabsichtigte Folge seines ersten großen Krieges könnte sein, dass in Teheran nun mehr denn je die Überzeugung wächst, dass man eine Bombe irgendwann doch braucht.

Fazit

Ein Deal zwischen den USA und Iran ist derzeit wahrscheinlicher als eine neue große Eskalation. Nicht, weil Vertrauen entstanden wäre – sondern weil beide Seiten erschöpft, verwundbar und innenpolitisch unter Druck sind.

Die Konturen eines Kompromisses sind sichtbar:

  • Lockerung der Blockade
  • partielle oder vollständige Öffnung der Straße von Hormus
  • befristeter Stopp der Urananreicherung
  • Sanktionserleichterungen
  • internationale Kontrolle

Das Problem ist nicht mehr nur die Substanz.
Das Problem ist, wie beide Seiten denselben Deal gleichzeitig als Sieg verkaufen.

Und genau darin liegt die eigentliche Kunst dieser Verhandlungen.

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