Wenn Diplomatie plötzlich zur Retourenabteilung wird
Es gibt politische Krisen, die werden in Hinterzimmern gelöst. Und dann gibt es jene, die aussehen, als hätte jemand versehentlich einen Staatsorden bei einem Onlinehändler zurückgeschickt.
Genau das erleben derzeit Polen und die Ukraine.
Nachdem ein Staatschef seinen höchsten polnischen Orden verloren hatte, reagierte der Geehrte erstaunlich pragmatisch:
„Kein Problem. Dann schicke ich ihn eben zurück.“
Gesagt, getan.
Zur Sicherheit veröffentlichte man gleich noch Fotos des Ordens und des Versandbelegs. Schließlich soll niemand behaupten können, das Paket sei irgendwo zwischen Briefzentrum Warschau und Diplomatiezentrum Nirgendwo verloren gegangen.
Die vermutlich teuerste Rücksendung Europas
Andere Menschen schicken zu kleine Schuhe zurück.
Hier wurde gleich die höchste staatliche Auszeichnung eines Landes retourniert.
Man wartet eigentlich nur noch auf die automatische E-Mail:
„Vielen Dank für Ihre Rücksendung. Ihre Reklamation wird innerhalb von 14 Werktagen bearbeitet.“
Auszeichnung heute, Aberkennung morgen
Vor einigen Jahren war die Stimmung noch deutlich besser.
Damals gab es feierliche Fotos, Händeschütteln und Lobeshymnen.
Heute lautet die diplomatische Zusammenfassung:
„Wir müssen reden.“
Der Streit dreht sich um historische Fragen aus dem Zweiten Weltkrieg und die Bewertung einer umstrittenen ukrainischen Widerstandsorganisation.
Ein Thema, bei dem beide Länder traditionell ungefähr so entspannt diskutieren wie Fußballfans über einen Elfmeter in der 90. Minute.
Die polnische Logik
Die Botschaft aus Warschau lautet:
„Wir unterstützen euch weiterhin. Aber den Orden möchten wir zurück.“
Das ist ungefähr so, als würde ein Nachbar sagen:
„Natürlich helfe ich dir beim Umzug. Aber den Kuchen von letzter Woche hätte ich gerne wieder.“
Die ukrainische Antwort
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
Sinngemäß:
„Wenn ihr den Orden nicht mehr wollt, nehmen wir ihn auch nicht mehr.“
Und weil Diplomatie heutzutage social-media-tauglich sein muss, wurde der Vorgang direkt dokumentiert.
Selfie mit Orden.
Selfie mit Paket.
Selfie mit Versandquittung.
Fehlt eigentlich nur noch die Sendungsverfolgung:
„Ihr Orden befindet sich aktuell im Verteilzentrum Krakau.“
Weitere Orden auf dem Rückweg
Inzwischen kündigten weitere Funktionäre an, ihre polnischen Auszeichnungen ebenfalls zurückzugeben.
Europäische Paketdienste bereiten sich angeblich bereits auf ein erhöhtes Aufkommen diplomatischer Rücksendungen vor.
Der verzweifelte Versuch der Vernunft
Währenddessen mahnen gemäßigtere Stimmen auf beiden Seiten zur Ruhe.
Denn mitten in einem Krieg wirkt ein Streit über historische Symbole und Orden ungefähr so hilfreich wie ein Familienzwist während eines Hausbrands.
Oder wie es ein Beobachter formulieren könnte:
„Die eigentliche Front verläuft woanders.“
Fazit
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Orden sind offenbar wie Freundschaftsanfragen.
Man vergibt sie voller Begeisterung.
Man bereut sie manchmal später.
Und gelegentlich landen sie mitsamt Versandbeleg wieder beim Absender.
Die Post freut sich jedenfalls über das zusätzliche Geschäft.
Und der Orden?
Der dürfte sich mittlerweile fragen:
„Kann mich vielleicht jemand einfach in eine Vitrine stellen und mich aus der Politik raushalten?“
Kommentar hinterlassen