Deutschland hat bei der Wahl um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine historische Leistung vollbracht: Erstmals ist die Bundesrepublik bei einer solchen Kandidatur gescheitert. Während in Wien und Lissabon die Korken knallten, begann in Berlin sofort die traditionelle deutsche Aufarbeitung – die Suche nach dem Schuldigen.
Die gute Nachricht: Es mangelt nicht an Verdächtigen.
Die Bundesregierung entdeckte die Wahl kurz vor dem Wahltag
Außenminister Johann Wadephul reiste noch einmal nach New York, führte zahlreiche Gespräche und warb intensiv für Deutschland. Diplomaten beschreiben die Bemühungen als engagiert, aber ungefähr so erfolgversprechend, wie zwei Wochen vor dem Abitur erstmals das Schulbuch aufzuschlagen.
Österreich und Portugal hatten ihre Kandidaturen dagegen schon seit Jahren vorbereitet. Deutschland setzte offenbar auf das bewährte Prinzip: „Die kennen uns doch.“
Das Ergebnis fiel entsprechend aus.
War es Russland? China? Oder doch die Elefanten?
In diplomatischen Kreisen kursieren zahlreiche Erklärungen für die Niederlage. Russland soll gegen Deutschland mobilisiert haben. China ebenfalls. Staaten des Globalen Südens sollen unzufrieden gewesen sein.
Besonders beliebt ist inzwischen die sogenannte Elefanten-Theorie.
Zur Erinnerung: Während der Amtszeit von Außenministerin Annalena Baerbock geriet Deutschland mit Botswana und Namibia in einen Streit über Jagdtrophäen. Botswana drohte damals scherzhaft damit, Deutschland 20.000 Elefanten zu schicken.
Politische Beobachter fragen nun, ob diese Elefanten möglicherweise länger nachtragend sind als bisher angenommen.
Feministische Außenpolitik trifft geheime Abstimmung
Kritiker sehen die Ursachen außerdem in Baerbocks „feministischer Außenpolitik“. Befürworter halten dagegen, dass die Welt komplizierter sei.
Fest steht: Wenn heute irgendwo auf der Erde eine Wahl verloren geht, wird in Deutschland inzwischen zuverlässig diskutiert, ob Annalena Baerbock daran beteiligt war.
Die ehemalige Außenministerin bekleidet mittlerweile das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung. Das hinderte ihre Kritiker allerdings nicht daran, sie trotzdem für eine Wahl verantwortlich zu machen, die sie gar nicht organisiert hat.
Deutschland zahlt, aber bekommt keinen Platz
Besonders schmerzhaft ist die Niederlage für viele Politiker, weil Deutschland zu den größten Geldgebern der Vereinten Nationen gehört.
Die dahinterliegende Logik lautet ungefähr: Wer viel einzahlt, sollte doch zumindest einen Fensterplatz bekommen.
Die UNO sieht das allerdings anders. Dort gilt weiterhin das altmodische Prinzip, dass Stimmen gezählt und nicht Beiträge verrechnet werden.
Wie wichtig ist der Sitz überhaupt?
Diese Frage stellen viele nun plötzlich.
Bis Mittwoch galt der Sicherheitsrat als unverzichtbares Zentrum der Weltpolitik. Seit Donnerstag erklären dieselben Leute, dass die zehn nichtständigen Mitglieder ohnehin kaum Einfluss hätten und Russland oder China alles blockieren würden.
Ein klassischer Fall politischer Quantenmechanik: Der Sitz ist gleichzeitig von enormer Bedeutung und völlig überbewertet – je nachdem, ob man ihn bekommt oder nicht.
Deutschland bleibt Weltmeister im Debattieren
Während Österreich nun im Sicherheitsrat mitreden darf, diskutiert Deutschland bereits über die wirklich wichtigen Fragen:
War es Merz?
War es Baerbock?
War es die Ampel?
War es Russland?
War es Botswana?
Oder waren es am Ende doch die 20.000 Elefanten?
Die Vereinten Nationen haben dazu bislang keine Stellungnahme abgegeben. Allerdings soll man in New York beeindruckt sein, wie viele Ursachen Deutschland für eine einzige Niederlage finden kann. Das allein wäre beinahe ein Sicherheitsratssitz wert gewesen.
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