Eintracht Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Spieler entwickeln, sportlich wachsen, wirtschaftlich vernünftig handeln – dafür stand Sportvorstand Markus Krösche wie kaum ein anderer Bundesliga-Manager.
Doch beim drohenden Verkauf von Nathaniel Brown an den FC Bayern stellt sich eine Frage, die viele Eintracht-Fans inzwischen umtreibt:
Krösche, was machst du da?
Ein Nationalspieler mit Zukunft – und Frankfurt gibt ihn schon wieder ab?
Nathaniel Brown ist nicht irgendein Talent. Der 22-Jährige hat sich innerhalb kürzester Zeit vom vielversprechenden Bundesliga-Spieler zum deutschen Nationalspieler entwickelt. Er steht im WM-Kader, gehört zu den spannendsten Linksverteidigern Europas und hat seinen Marktwert gerade erst begonnen auszuschöpfen.
Genau solche Spieler wollte Frankfurt doch eigentlich nicht mehr sofort verkaufen.
Die Eintracht spielt inzwischen regelmäßig international, hat sich in der Bundesliga in der Spitzengruppe etabliert und präsentiert sich gern als Verein, der den nächsten Schritt machen will.
Doch wie soll dieser nächste Schritt gelingen, wenn die besten Spieler bereits beim ersten ernsthaften Interesse des FC Bayern wieder Richtung München unterwegs sind?
Die Bayern kaufen – Frankfurt liefert?
Besonders bitter ist die Signalwirkung.
Kaum entwickelt sich in Frankfurt ein deutscher Nationalspieler auf höchstem Niveau, steht Bayern München vor der Tür.
Und wieder scheint die Antwort zu lauten: Bitte sehr.
Natürlich sind 65 Millionen Euro eine enorme Summe. Natürlich muss jeder Verein wirtschaftlich denken.
Aber irgendwann muss sich Frankfurt die Frage stellen, ob man dauerhaft Champions-League-Aspirant sein oder lediglich die hochwertigste Ausbildungsstation für finanzstärkere Vereine bleiben möchte.
Sportlich kaum zu ersetzen
Geld schießt nicht immer Tore. Und es verteidigt auch keine Flanken.
Brown hat sich zu einem modernen Außenverteidiger entwickelt, der Tempo, Technik und taktisches Verständnis vereint. Solche Spieler wachsen nicht auf Bäumen – schon gar nicht auf dem Transfermarkt.
Selbst wenn die Eintracht tatsächlich 65 Millionen Euro kassieren sollte, bleibt die entscheidende Frage:
Wer ersetzt ihn?
Und vor allem: Wer ersetzt ihn sofort?
Frankfurt hat in den vergangenen Jahren viele Transfers erfolgreich kompensiert. Doch jede Erfolgsserie hat ihre Grenzen.
Bayern stärkt sich – Frankfurt schwächt sich
Während Bayern München mit Brown seine ohnehin starke Mannschaft weiter verstärken würde, verliert Frankfurt erneut einen Schlüsselspieler.
Das Muster ist bekannt:
Die Bayern lösen ihre Probleme durch Einkäufe aus der Bundesliga, während die Konkurrenz ihre Leistungsträger verliert.
Für die Münchner ist das clever.
Für die Liga insgesamt eher weniger.
Und für Frankfurt erst recht nicht.
Die WM als Schaufenster
Dass Brown die Gerüchte nicht dementiert, spricht Bände.
Seine Aussagen klingen exakt wie die Standardformel eines Spielers, dessen Berater bereits die Koffer für den nächsten Karriereschritt packen.
„Ich konzentriere mich auf die WM.“
Das bedeutet im modernen Fußball meistens: Die Gespräche laufen.
Sollte Brown bei der Weltmeisterschaft überzeugen, dürfte sein Marktwert sogar noch weiter steigen. Umso erstaunlicher erscheint es, dass Frankfurt überhaupt über einen Verkauf nachdenkt, bevor dieses Turnier abgeschlossen ist.
Frankfurt muss irgendwann Nein sagen
Niemand verlangt von Markus Krösche wirtschaftliche Unvernunft.
Aber erfolgreiche Vereine zeichnen sich nicht nur dadurch aus, gute Spieler teuer zu verkaufen. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, die wirklich wichtigen Spieler zu behalten.
Nathaniel Brown könnte einer der Gesichter der nächsten Frankfurter Generation werden. Einer, um den man eine Mannschaft aufbauen kann.
Wenn die Eintracht diesen Weg ernsthaft gehen will, müsste die Antwort an Bayern eigentlich lauten:
Nicht verkäuflich.
Denn irgendwann muss Frankfurt entscheiden, ob man dauerhaft Verkäuferverein bleiben oder selbst zur sportlichen Macht werden möchte.
Ein Verkauf von Brown würde viel Geld bringen.
Ein Verbleib könnte deutlich wertvoller sein.
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