In den sozialen Netzwerken klingt derzeit wieder alles ganz fantastisch. „Finanzielle Freiheit“, „passives Einkommen“, „du musst nur Menschen empfehlen“ – und natürlich die berühmte Aussage: „Das ist alles komplett legal.“
Das Problem ist nur: Genau diesen Satz haben in den vergangenen Jahren schon sehr viele Menschen gehört. Manche hörten ihn kurz bevor die BaFin auftauchte. Andere kurz bevor morgens um sechs Uhr jemand sehr energisch an der Haustür klingelte.
Und genau deshalb lohnt sich ein Blick zurück.
BC Connect: Als plötzlich keiner mehr etwas gewusst haben wollte
Vor einigen Jahren sorgte bereits ein System namens BC Connect für Schlagzeilen. Wer damals dabei war, erinnert sich vermutlich noch an die legendären Zoom-Calls voller Erfolgsgeschichten, Motivationssprüche und Menschen mit Headset, die erklärten, warum sie bald finanziell frei sein würden.
Auch dort fühlten sich viele sogenannte „Empfehlungsgeber“ absolut sicher. Schließlich hatte der Vertrieb doch erklärt, alles sei geprüft, seriös und absolut wasserdicht.
Spoiler: War es offenbar nicht ganz.
Denn irgendwann interessierte sich plötzlich die BaFin für das Modell. Nicht wegen irgendwelcher böser Journalisten – dafür sorgten schon andere Stellen ganz von allein.
Und dann wurde es unangenehm.
Wenn der Satz „Ich habe doch nur empfohlen“ plötzlich teuer wird
Viele Empfehlungsgeber mussten später feststellen, dass „Ich habe doch nur Freunden etwas empfohlen“ juristisch manchmal ungefähr so stabil ist wie ein Regenschirm im Tornado.
Denn wer Finanzprodukte oder Vermögensanlagen empfiehlt, bewegt sich schnell in Bereichen, für die man bestimmte Genehmigungen oder Zulassungen benötigt.
Und genau das wurde einigen Beteiligten später zum Problem.
Noch unangenehmer wurde es allerdings für manche Anleger selbst. Denn plötzlich stand nicht nur die Finanzaufsicht vor der Tür, sondern teilweise auch die Steuerfahndung.
Warum? Weil erstaunlich viele Menschen ihre Gewinne aus den Geschäften offenbar nicht ganz so ausführlich in der Steuererklärung erwähnt hatten, wie das Finanzamt es normalerweise bevorzugt.
Das nennt man im Volksmund: maximal ungünstig gelaufen.
TGI AG: Hoffentlich hat diesmal wirklich jeder alles verstanden
Und genau deshalb schauen derzeit viele Beobachter sehr aufmerksam auf die TGI AG, die ebenfalls mit einem Empfehlungs- beziehungsweise MLM-System arbeitet.
Wichtig dabei: Dieser Artikel behauptet ausdrücklich nicht, dass es sich bei der TGI AG um ein illegales System handelt oder dass dort automatisch Rechtsverstöße vorliegen. Darüber entscheiden ausschließlich Behörden und Gerichte.
Aber Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen eben, dass solche Modelle schnell kompliziert werden können – besonders dann, wenn die Finanzaufsicht irgendwann zu der Auffassung gelangt, dass regulatorisch etwas nicht korrekt gelaufen ist.
Denn falls die BaFin tatsächlich irgendwann eine sogenannte Rückabwicklungsverfügung erlassen sollte, könnte es für Empfehlungsgeber und Kunden unangenehm werden. Besonders spannend wird es dabei immer dann, wenn Kunden und Empfehlungsgeber personell identisch sind – was im MLM-Bereich ja gelegentlich vorkommen soll.
Die BaFin sammelt keine Panini-Bilder
Was viele ebenfalls unterschätzen: Behörden arbeiten inzwischen ziemlich digital.
Nach Informationen aus dem Umfeld der Vorgänge soll die BaFin bereits umfangreiche Kundendaten deutscher Anleger besitzen. Und wenn Behörden einmal Daten haben, entwickelt sich daraus manchmal eine Art behördliche Freundschaftskette.
Die Finanzaufsicht spricht mit Steuerbehörden. Steuerbehörden sprechen mit Ermittlern. Ermittler sprechen irgendwann morgens mit der Haustür.
So ungefähr funktioniert moderne Vernetzung.
U-Haft statt Dubai-Mindset
Beim damaligen BC-Connect-Komplex wurde einer der bekannten Frontmänner später sogar direkt in Untersuchungshaft genommen. Zusätzlich gab es umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen.
Das Problem an solchen Situationen ist: Spätestens dann verschwinden viele der vorherigen Motivationsvideos erstaunlich schnell aus dem Internet.
Und plötzlich posten dieselben Leute statt „Financial Freedom“ nur noch Zitate über schwere Zeiten und Loyalität.
Vielleicht einfach einmal kurz nachdenken
Deshalb richtet sich dieser Artikel ausdrücklich an alle heutigen Empfehlungsgeber – ganz allgemein und ohne Vorverurteilung.
Vielleicht sollte man sich einfach einmal nüchtern die Frage stellen:
Was passiert eigentlich, wenn sich später herausstellt, dass doch nicht alles exakt so war, wie es in den Präsentationen, WhatsApp-Gruppen oder Zoom-Calls erklärt wurde?
Denn am Ende hilft vor Behörden oft weder ein Lamborghini-Hintergrundbild noch der Satz:
„Das hat mir mein Upline so gesagt.“
Aber natürlich gilt auch:
Alle Beteiligten sind erwachsen, geschäftsfähig und strafmündig.
Und deshalb muss am Ende jeder selbst entscheiden, ob er wirklich Finanzberater spielen möchte – oder ob man vielleicht doch lieber einfach wieder normal schlafen will.
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