Der Konflikt zwischen Iran und den USA spitzt sich weiter zu – und diesmal geht es um eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Teheran beansprucht plötzlich deutlich größere Kontrollrechte über die Straße von Hormus und sorgt damit international für Alarmstimmung.
Die iranische Regierung veröffentlichte eine neue Karte, auf der die eigenen Streitkräfte ein riesiges Gebiet rund um die Meerenge als militärischen Kontrollbereich markieren. Betroffen sind dabei nicht nur iranische Gewässer, sondern auch Teile der Seegebiete Omans und der Vereinigten Arabischen Emirate.
Für die Golfstaaten ist das eine Provokation mit Ansage.
Die wichtigste Ölroute der Welt
Die Straße von Hormus gehört zu den sensibelsten Engpässen der Weltwirtschaft. Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels läuft täglich durch die schmale Meerenge zwischen Iran und den arabischen Golfstaaten.
Schon kleinere Zwischenfälle können dort massive Auswirkungen auf Ölpreise, Lieferketten und internationale Märkte haben.
Genau deshalb sorgt Irans neuer Machtanspruch jetzt für Nervosität.
Die neu geschaffene iranische „Persian Gulf Strait Authority“ erklärte sogar, künftig müsse jede Durchfahrt durch die Region mit iranischen Behörden abgestimmt und genehmigt werden.
Das klingt weniger nach normaler Schifffahrt und mehr nach einer Mischung aus Grenzkontrolle und Mafia-Zollstation.
Die Emirate reagieren ungewöhnlich scharf
Besonders deutlich reagierten die Vereinigten Arabischen Emirate. Der außenpolitische Berater des Präsidenten bezeichnete Irans Ansprüche als „Fragmente von Träumen“.
Diplomatisch übersetzt bedeutet das ungefähr:
„Das könnt ihr komplett vergessen.“
Die USA und ihre Verbündeten lehnen iranische Kontrollansprüche über die internationale Wasserstraße seit Jahren strikt ab. Washington fordert Handelsschiffe ausdrücklich auf, iranische Anweisungen nicht zu befolgen.
Das Problem dabei: Wenn zwei Seiten gleichzeitig behaupten, das Sagen zu haben, wird jede Tankerdurchfahrt plötzlich zum geopolitischen Glücksspiel.
Videos von Angriffen und Militäraktionen
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch neue Videos aus der Region.
Mit den iranischen Revolutionsgarden verbundene Medien veröffentlichten Aufnahmen, die angeblich einen Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus zeigen sollen. Laut BBC-Analysen handelt es sich vermutlich um ein liberianisches Schiff, das bereits im Mai von unbekannten Projektilen getroffen worden war.
Parallel veröffentlichte das US-Militär Bilder einer spektakulären Enteraktion im Golf von Oman. Darauf zu sehen: US-Soldaten, die sich von Hubschraubern auf ein Schiff abseilen.
Bei dem Tanker handelt es sich laut amerikanischen Angaben um die „Celestial Sea“, die im Verdacht stand, gegen die US-Blockade iranischer Häfen zu verstoßen.
Man könnte auch sagen:
Die Region entwickelt sich langsam zur teuersten und nervösesten Schiffskontrolle der Welt.
Trump schwankt zwischen Angriff und Verhandlung
Donald Trump gibt sich derweil erneut maximal unberechenbar. Einerseits erklärte der US-Präsident, ein geplanter Militärschlag gegen Iran sei auf Wunsch der Golfstaaten verschoben worden. Andererseits drohte er gleichzeitig damit, jederzeit wieder militärisch zuzuschlagen.
„Wenn wir nicht die richtigen Antworten bekommen, geht es sehr schnell“, sagte Trump.
Mit anderen Worten:
Die Welt soll gleichzeitig glauben, dass verhandelt wird – aber bitte auch jederzeit mit einem Angriff rechnen.
Die Welt schaut nervös auf den Ölpreis
Für die internationale Wirtschaft ist die Entwicklung brandgefährlich. Schon die Angst vor einer Eskalation reicht aus, um die Ölpreise unter Druck zu setzen.
Sollte es tatsächlich zu größeren militärischen Zwischenfällen rund um die Straße von Hormus kommen, könnten Energiepreise weltweit massiv steigen. Experten warnen bereits vor neuen Inflationsschüben und Turbulenzen an den Finanzmärkten.
Denn rund um Hormus geht es längst nicht mehr nur um regionale Machtpolitik.
Es geht um einen der empfindlichsten Nervenknoten der globalen Wirtschaft – und momentan wirken dort alle Beteiligten ungefähr so entspannt wie Menschen in einem brennenden Aufzug.
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