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Schuldspruch nach 17 Jahren: Air France und Airbus für Flugzeugabsturz verantwortlich

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Fast 17 Jahre nach dem Absturz des Air-France-Flugs AF447 hat ein Berufungsgericht in Paris ein historisches Urteil gefällt: Die Fluggesellschaft Air France und der Flugzeughersteller Airbus wurden wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen.

Das Gericht erklärte beide Unternehmen für „allein und vollständig verantwortlich“ für die Katastrophe, bei der im Juni 2009 insgesamt 228 Menschen ums Leben kamen.

Damit kassierte das Berufungsgericht ein früheres Urteil aus dem Jahr 2023, in dem beide Konzerne noch freigesprochen worden waren.

Der tödliche Absturz mitten über dem Atlantik

Der Air-France-Flug AF447 war am 1. Juni 2009 von Rio de Janeiro nach Paris unterwegs, als die Maschine mitten über dem Atlantik in schwere Turbulenzen geriet.

Der Airbus A330 verlor in rund 11.500 Metern Höhe plötzlich wichtige Geschwindigkeitsdaten. Kurz darauf geriet das Flugzeug ins Strömungsversagen, verlor massiv an Höhe und stürzte schließlich in den Atlantik.

Alle 216 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Bis heute gilt das Unglück als die schwerste Katastrophe in der Geschichte der französischen Luftfahrt.

Monatelange Suche nach Wrack und Flugschreiber

Die Bergung entwickelte sich damals zu einer der kompliziertesten Suchaktionen der modernen Luftfahrtgeschichte.

Wochenlang suchten Einsatzkräfte ein riesiges Gebiet mitten im Atlantik ab. Das Wrack lag schließlich in mehr als 1.000 Kilometern Entfernung von der südamerikanischen Küste auf dem Meeresboden.

Besonders schwierig war die Suche nach dem Flugschreiber. Erst 2011 – fast zwei Jahre nach dem Absturz – konnten die Black Boxes geborgen werden.

Die Aufnahmen offenbarten später dramatische Minuten im Cockpit.

Technischer Defekt und menschliche Fehler

Ermittler kamen bereits 2012 zu dem Ergebnis, dass mehrere Faktoren zusammen zum Absturz führten.

Auslöser waren vereiste Geschwindigkeitssensoren, die fehlerhafte Daten lieferten. Die Piloten verloren daraufhin offenbar kurzfristig die Orientierung über die tatsächliche Fluglage der Maschine.

Entscheidend wurde jedoch die Reaktion im Cockpit: Statt die Nase des Flugzeugs nach unten zu drücken, um das Strömungsversagen zu beenden, zogen die Piloten die Maschine weiter nach oben.

Der Airbus verlor dadurch vollständig den Auftrieb und stürzte unkontrolliert ins Meer.

Nach dem Unglück wurden weltweit sowohl die Pilotenausbildung als auch die betroffenen Sensorsysteme überarbeitet.

Angehörige kämpfen jahrelang um Verantwortung

Für viele Angehörige war das Urteil vor allem ein symbolischer Erfolg.

Über Jahre hatten Familien der Opfer kritisiert, dass sich weder Airbus noch Air France ihrer Verantwortung ausreichend gestellt hätten. Besonders die Freisprüche von 2023 hatten bei vielen Betroffenen Wut ausgelöst.

Nun sprach das Berufungsgericht den Familien zumindest juristisch Recht zu.

Die Vorsitzende einer Opfervereinigung, die selbst ihren Sohn bei dem Absturz verlor, erklärte nach dem Urteil, die Justiz erkenne endlich das „unerträgliche Leid“ der Angehörigen an.

Geldstrafe wirkt fast symbolisch

Trotz des Schuldspruchs sorgt die Höhe der Strafen für Kritik. Airbus und Air France sollen jeweils die maximale Geldstrafe von 225.000 Euro zahlen.

Für internationale Großkonzerne wirken solche Summen allerdings eher symbolisch.

Viele Angehörige empfinden die Strafe deshalb als unangemessen gering – gerade angesichts der Dimension der Katastrophe.

Menschen aus 33 Ländern unter den Opfern

Die Opfer stammten aus insgesamt 33 verschiedenen Ländern. Unter ihnen waren Franzosen, Brasilianer, Deutsche, Briten, Iren und Amerikaner.

Auch mehrere Kinder kamen ums Leben.

Besonders tragisch: Manche Familien konnten ihre Angehörigen erst Jahre später beisetzen, weil die Bergung der Leichen so schwierig war.

Noch heute gilt der Absturz von AF447 als eines der erschütterndsten Kapitel der modernen Luftfahrt.

Airbus und Air France wollen weiter kämpfen

Sowohl Airbus als auch Air France weisen die Vorwürfe weiterhin zurück und kündigten bereits an, gegen das Urteil erneut vorzugehen.

Für beide Unternehmen dürfte der Schuldspruch dennoch ein schwerer Imageschaden sein.

Denn auch wenn die Katastrophe fast zwei Jahrzehnte zurückliegt, zeigt das Urteil: Die juristische Aufarbeitung großer Flugzeugunglücke endet oft erst viele Jahre nach dem eigentlichen Absturz.

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