Die Weltpolitik zeigt sich auch diese Woche wieder von ihrer gewohnt entspannten Seite: Die USA wollen einen 94-jährigen Ex-Revolutionsführer anklagen, Israel zählt den Gazastreifen offenbar schon in Prozentzahlen, Ungarn storniert Nobelpreis-Projekte per Facebook-Posting – und irgendwo dazwischen versucht die UNO weiterhin herauszufinden, ob irgendjemand noch an Diplomatie glaubt.
USA entdecken plötzlich Raul Castro
Die US-Regierung plant laut Insiderberichten strafrechtliche Schritte gegen Raúl Castro. Ja, genau den Raúl Castro. 94 Jahre alt. Revolutionär. Bruder von Fidel. Vermutlich der einzige Mensch auf der Welt, dessen Lebenslauf gleichzeitig Zigarrenrauch und Kalten Krieg ausstrahlt.
Der Vorwurf bezieht sich auf einen Vorfall aus dem Jahr 1996. Damals wurden Flugzeuge einer exilkubanischen Gruppe abgeschossen. Castro war zu dieser Zeit Verteidigungsminister.
Man muss den Amerikanern lassen: Sie geben niemals auf. Andere Länder bauen Hochgeschwindigkeitszüge oder KI-Industrien auf – Washington eröffnet erstmal ein Verfahren gegen einen Mann, der wahrscheinlich noch weiß, wie man Schreibmaschinen repariert.
Die Anklage soll kommende Woche präsentiert werden, sofern die Grand Jury zustimmt und Raul Castro bis dahin nicht versehentlich mit einem historischen Denkmal verwechselt wird.
Trump verschärft Sanktionen – Kuba verschärft Stromausfälle
Donald Trump erhöht unterdessen weiter den Druck auf Kuba. Neue Sanktionen sorgen dort bereits für Stromausfälle und wirtschaftliche Probleme.
CIA-Chef John Ratcliffe reiste deshalb nach Havanna, vermutlich um die klassische amerikanische Botschaft zu überbringen:
„Wir wären bereit zu reden – wenn ihr vorher aufhört, Kuba zu sein.“
Netanjahu zählt Gaza in Prozenten
Währenddessen erklärte Israels Premier Benjamin Netanjahu, Israel kontrolliere inzwischen „60 Prozent“ des Gazastreifens.
Die Aussage klang ein wenig wie ein Immobilieninvestor bei einer PowerPoint-Präsentation:
„Heute 60 Prozent – morgen schauen wir mal.“
Die Waffenruhe existiert offiziell zwar noch, allerdings inzwischen ungefähr so stabil wie ein IKEA-Regal nach drei Umzügen.
Mahmud Abbas erinnerte zeitgleich am Nakba-Tag daran, dass Palästinenser ebenfalls Rechte hätten. Das wurde wie üblich bei den Vereinten Nationen verlesen, beklatscht und anschließend vermutlich direkt neben anderen ungelösten Weltproblemen archiviert.
Ungarn kündigt Nobelpreis-Projekt via Facebook
In Ungarn zeigt die neue Regierung unter Peter Magyar derweil, wie moderne Politik funktioniert:
Große Staatsverträge werden nicht mehr in Pressekonferenzen beendet, sondern direkt auf Facebook.
Gekündigt wurde ein 730-Millionen-Euro-Vertrag mit der Stiftung des Nobelpreisträgers Ferenc Krausz. Dieser wollte eigentlich ein Forschungszentrum von Weltniveau bauen.
Die Regierung erklärte nun sinngemäß:
„Danke für den Nobelpreis, aber das Geld hätten wir doch gern zurück.“
Besonders bitter: Der Grundstein für das Projekt war erst kürzlich gemeinsam mit Viktor Orban gelegt worden. Das Gebäude existiert also derzeit vermutlich hauptsächlich als ambitionierte PowerPoint-Datei.
Andere Nobelpreisträger bleiben willkommen
Ganz leer geht die Wissenschaft in Ungarn aber nicht aus. Die Nobelpreisträgerin Katalin Kariko soll nun Regierungsberaterin werden.
Ungarn zeigt damit eindrucksvoll:
Nicht jeder Nobelpreis ist gleich problematisch – manche kosten einfach weniger.
Fazit: Die Welt bleibt effizient chaotisch
Ob Kuba, Gaza oder Budapest:
Überall dominieren Männer über 70, jahrzehntealte Konflikte und Pressemitteilungen voller diplomatischer Formulierungen, die übersetzt meistens bedeuten:
„Es wird kompliziert.“
Immerhin eines funktioniert international weiterhin zuverlässig:
Facebook-Posts, Sanktionen und symbolische Drohungen.
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