Startseite Allgemeines Labour entdeckt plötzlich Demokratie: Andy Burnham darf jetzt doch kandidieren
Allgemeines

Labour entdeckt plötzlich Demokratie: Andy Burnham darf jetzt doch kandidieren

aitoff (CC0), Pixabay
Teilen

Die britische Labour-Partei hat offenbar festgestellt, dass Andy Burnham tatsächlich existiert – und ihm nun überraschend erlaubt, für einen Sitz im Unterhaus zu kandidieren.

Noch Anfang des Jahres hatte das Parteigremium NEC dem Bürgermeister von Manchester eine Bewerbung verweigert. Jetzt heißt es plötzlich: doch kein Problem. Offenbar hat man in der Parteizentrale festgestellt, dass es etwas unpraktisch wirkt, den populärsten möglichen Nachfolger von Premierminister Keir Starmer vorsorglich draußen zu halten.

Burnham gilt seit Jahren als der innere Endgegner von Starmer:
mehr Charisma,
mehr Profil,
mehr Arbeiterklassen-Image
– und vor allem die unangenehme Fähigkeit, bei Labour-Mitgliedern tatsächlich beliebt zu sein.

Der freie Sitz mit eingebautem Machtkampf

Damit Burnham überhaupt ins Parlament zurückkehren kann, legte Labour-Abgeordneter Josh Simons freundlicherweise sein Mandat nieder. In Westminster nennt man so etwas vermutlich „strategische Personalentwicklung“. Andere würden sagen: ein Sitz wurde freigeräumt wie ein Parkplatz für einen VIP-Gast.

Jetzt soll Burnham den Wahlkreis Makerfield übernehmen. Allerdings gibt es ein kleines Problem:
Die Wähler.

Denn ausgerechnet dort schnitt Nigel Farages Reform UK zuletzt stark ab. Burnham könnte also theoretisch schon an der ersten Hürde scheitern – bevor er überhaupt ernsthaft an Starmers Stuhl sägen darf.

Starmer wirkt angeschlagen

Für Keir Starmer kommt die Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach schwierigen Monaten, sinkenden Umfragewerten und wachsender Nervosität in der Partei wirkt Burnham inzwischen wie der Mann, den viele Labour-Mitglieder heimlich schon als Plan B betrachten.

Das erklärt auch die plötzliche Meinungsänderung des NEC:
Wenn ein innerparteilicher Rivale irgendwann Premier werden könnte, sieht es vielleicht besser aus, ihn wenigstens vorher demokratisch gewählt zu haben.

Nigel Farage schaut zufrieden zu

Der eigentliche Gewinner könnte ohnehin Nigel Farage sein.

Während Labour intern wieder mit sich selbst beschäftigt ist – eine traditionsreiche britische Spezialität –, kann Reform UK gemütlich dabei zusehen, wie sich die Sozialdemokraten gegenseitig nervös machen.

Sollte Burnham die Nachwahl verlieren, wäre das eine Katastrophe für Labour.
Sollte er gewinnen, beginnt vermutlich sofort die nächste Diskussion darüber, wann Starmer eigentlich ersetzt wird.

Mit anderen Worten:
Für Labour läuft es aktuell so stabil wie das britische Wetter.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Gericht erhöht Entschädigung für Transfrau in historischem Diskriminierungsfall

Ein australisches Gericht hat die Entschädigung für eine Transfrau in einem viel...

Allgemeines

Schweiz öffnet geheime Akten zu Auschwitz-Arzt Mengele

Die Schweiz will jahrzehntelang unter Verschluss gehaltene Geheimdienstakten über den NS-Kriegsverbrecher Josef...

Allgemeines

„Ich will einen sicheren Tod“ – Kanada ringt um Sterbehilfe bei psychischen Erkrankungen

Eine 49-jährige Kanadierin kämpft derzeit vor Gericht für das Recht auf aktive...

Allgemeines

Trump plötzlich kompromissbereit bei Iran – 20 Jahre Atompause sollen offenbar reichen

Donald Trump bewegt sich im Konflikt mit dem Iran offenbar deutlich von...