Die USA haben offenbar beschlossen, den geopolitischen Dachboden aufzuräumen — und dabei eine Anklage gegen Kubas Ex-Präsidenten Raul Castro hervorgeholt.
Der Vorwurf:
Mord, Flugzeugabschuss und Beteiligung an einem Vorfall aus dem Jahr 1996.
Man muss den Amerikanern lassen:
Andere streamen alte Serien bei Netflix.
Washington bringt einfach komplette internationale Konflikte als Remake zurück.
94 Jahre alt – aber plötzlich wieder Staatsfeind
Der inzwischen 94-jährige Raul Castro soll laut US-Justizministerium damals eine militärische Befehlskette beaufsichtigt haben, die zum Abschuss ziviler Flugzeuge über internationalen Gewässern führte.
Die Folge:
Vier tote US-Bürger.
Juristisch mag das alles komplex sein.
Politisch wirkt es allerdings ein wenig so, als habe man in Washington festgestellt:
„Moment, Kuba hatten wir als Gegner zuletzt etwas vernachlässigt.“
Trump will offenbar wieder Kuba-Feeling wie in den 60ern
US-Präsident Donald Trump bezeichnete Kuba gleich wieder als:
„Schurkenstaat“.
Damit kehrt auch sprachlich endlich wieder das volle Kalter-Krieg-Feeling zurück.
Fehlt eigentlich nur noch:
- ein Zigarrenembargo,
- ein CIA-Agent mit Sonnenbrille
- und ein alter Chevrolet aus Havanna im Hintergrund.
Trump macht dabei keinen Hehl daraus, dass er den Einfluss der USA in Lateinamerika massiv ausweiten will.
Oder einfacher gesagt:
Amerika entdeckt gerade erneut seinen eigenen Hinterhof.
Marco Rubio verteilt Geld und Vorwürfe gleichzeitig
Parallel kündigte US-Außenminister Marco Rubio Kuba Hilfen in Höhe von 100 Millionen Dollar an.
Das ist ungefähr die diplomatische Version von:
„Hier habt ihr Geld — schuld an allem seid trotzdem ihr.“
Rubio machte die kubanische Regierung direkt verantwortlich für:
- Stromausfälle,
- Lebensmittelknappheit,
- Treibstoffmangel
- und die allgemeine wirtschaftliche Misere.
Kuba wiederum antwortete ungefähr so freundlich wie erwartet.
Havanna spricht von politischer Show
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel bezeichnete die Klage als:
„politische Aktion ohne rechtliche Grundlage“.
Außenminister Bruno Rodríguez nannte Rubio sogar ein:
„Sprachrohr korrupter und rachsüchtiger Interessen“.
Diplomatie auf Karibik-Niveau:
Niemand lächelt, aber alle benutzen sehr lange Sätze.
Die etwas komplizierte Sache mit der Blockade
Besonders kurios:
Während Washington Millionenhilfen anbietet, weist Kuba gleichzeitig auf die jahrzehntelange US-Wirtschaftsblockade hin.
Das wirkt ein wenig wie:
Jemand tritt die Haustür ein — und bietet anschließend großzügig einen neuen Türgriff an.
Natürlich lehnt Havanna die Hilfen trotzdem nicht vollständig ab.
Denn Strom und Lebensmittel wachsen auch in Kuba nicht auf Palmen.
Regimewechsel als Dauerschleife
Offiziell geht es den USA um Gerechtigkeit.
Inoffiziell wirkt vieles wie die nächste Runde eines Konflikts, der seit über 60 Jahren in Endlosschleife läuft.
Kuba:
„Die USA wollen Regimewechsel.“
Die USA:
„Kuba ist ein Schurkenstaat.“
Kuba:
„Imperialismus!“
Washington:
„Demokratie!“
Und irgendwo in Havanna sitzt vermutlich ein alter Mann mit Zigarrenrauch in der Luft und denkt:
„1996? Ernsthaft jetzt?“
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