Immer mehr Musik auf Streaming-Plattformen wird mit Künstlicher Intelligenz erstellt – doch bei Spotify gibt es bislang keine einfache Möglichkeit, solche Songs zu erkennen oder auszublenden. Warum eigentlich?
Ein Softwareentwickler aus Leipzig, Cedrik Sixtus, war so genervt von mutmaßlicher KI-Musik in seinen Playlists, dass er kurzerhand selbst ein Tool entwickelte. Es markiert und blockiert Tausende verdächtige Künstler. Für ihn geht es vor allem um Wahlfreiheit: Nutzer sollten selbst entscheiden können, ob sie KI-generierte Musik hören möchten oder nicht.
Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Viele Spotify-Nutzer wünschen sich mehr Transparenz. Zwar testet Spotify inzwischen eine Funktion, die den Einsatz von KI in Song-Credits anzeigt – allerdings nur, wenn Künstler diese Informationen freiwillig angeben. Eine umfassende Lösung ist das nicht.
Ein schwieriger Balanceakt
Spotify steckt in einem Dilemma: Einerseits will die Plattform keine Wertung darüber treffen, wie Musik entsteht. Andererseits wächst der Druck von Nutzern und Künstlern, mehr Klarheit zu schaffen. Hinzu kommt, dass KI-Musik immer besser wird – oft so gut, dass selbst Hörer sie kaum noch von „echter“ Musik unterscheiden können.
In Studien konnten bis zu 97 % der Teilnehmer KI-Songs nicht zuverlässig erkennen. Gleichzeitig werden täglich Tausende solcher Tracks hochgeladen, was langfristig auch Auswirkungen auf Einnahmen von Künstlern haben könnte.
Warum Kennzeichnung so kompliziert ist
Ein großes Problem: Was gilt überhaupt als KI-Musik?
Während einige Songs komplett von KI erzeugt werden, nutzen viele Musiker KI nur als Werkzeug – etwa für Texte, Sounds oder einzelne Elemente. Die Grenzen sind fließend.
Auch technisch ist die Erkennung schwierig. Systeme müssen ständig nachtrainiert werden, da sich KI-Tools rasant weiterentwickeln. Fehler könnten dazu führen, dass echte Künstler fälschlich als „KI“ markiert werden.
Andere Plattformen gehen weiter
Einige Konkurrenten handeln bereits konsequenter. Deezer kennzeichnet KI-generierte Inhalte aktiv und schließt sie aus bestimmten Empfehlungen aus. Auch Apple plant mehr Transparenz durch entsprechende Hinweise.
Dennoch bleibt Skepsis: Wenn die Kennzeichnung auf freiwilligen Angaben basiert, könnten viele Künstler den Einsatz von KI verschweigen – aus Angst vor negativer Wahrnehmung.
Geht es am Ende ums Geld?
Kritiker vermuten, dass wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen. KI-Musik ist oft günstiger zu produzieren, und zusätzliche Filter oder Erkennungssysteme würden Kosten verursachen. Außerdem profitieren Streaming-Plattformen davon, ihre Empfehlungssysteme möglichst unkompliziert zu halten.
Ein offenes Zukunftsthema
Der Umgang mit KI-Musik steckt noch in den Kinderschuhen – viele sprechen von einem „Wilden Westen“. Allerdings wird sich das ändern: Neue Branchenstandards und gesetzliche Vorgaben, etwa durch die EU, könnten bald mehr Transparenz erzwingen.
Bis dahin bleibt es bei Spotify vorerst dabei: KI-Musik ist Teil des Systems – sichtbar oder eben auch nicht.
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