Weniger als ein Jahrzehnt ist es her, dass Ben Roberts-Smith in Australien als lebende Militärlegende gefeiert wurde – heute steht ausgerechnet der höchstdekorierte noch lebende Soldat des Landes im Zentrum eines historischen Kriegsverbrecherverfahrens. Der frühere SAS-Soldat und Träger des Victoria Cross wurde nun wegen fünffachen Mordes als Kriegsverbrechen angeklagt. Damit ist aus dem einstigen Nationalhelden endgültig ein Symbolfall geworden – nicht nur für Australien, sondern weit darüber hinaus.
Der Fall ist deshalb so brisant, weil Roberts-Smith bereits 2023 in einem spektakulären Zivilprozess schwer beschädigt wurde. Damals urteilte ein Gericht, dass Berichte, wonach er unbewaffnete afghanische Gefangene rechtswidrig getötet habe, im Kern zutreffend seien. Roberts-Smith bestreitet bis heute jede Schuld und spricht von böswilligen Anschuldigungen neidischer Ex-Kameraden. Doch nun geht es nicht mehr um Rufschädigung, sondern um Strafrecht – und im Fall einer Verurteilung um lebenslange Haft.
Dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist für Australien ein Schock mit Ansage. Das Land hat sich jahrzehntelang gern mit dem Bild des fairen, tapferen und moralisch überlegenen Soldaten geschmückt. Der sogenannte Anzac-Geist gehört quasi zur nationalen Selbstverklärung. Genau deshalb trifft dieser Fall das Land so hart: Wenn ausgerechnet einer der meistverehrten Soldaten nun als möglicher Kriegsverbrecher vor Gericht landet, dann gerät nicht nur eine Person ins Wanken, sondern ein ganzer Mythos.
Die Ermittlungen zogen sich quälend lange hin. Nach dem Brereton-Report von 2020, der glaubwürdige Hinweise auf 39 rechtswidrige Tötungen durch australische Elitesoldaten in Afghanistan festhielt, wurde eine Sonderermittlungsstelle eingerichtet. Doch Beweise aus einem Kriegsgebiet 9.000 Kilometer entfernt zu sichern, ohne Tatorte, ohne Obduktionen, ohne verlässlichen Zugang zu Zeugen, ist unerquicklich kompliziert. Hinzu kommt die militärische Kultur des Schweigens – Kameraden belasten Kameraden nicht gern.
Genau deshalb ist dieser Fall historisch. Nicht nur wegen Roberts-Smiths Prominenz, sondern weil Australien damit etwas tut, was viele Staaten lieber vermeiden: einen gefeierten Soldaten nicht trotz, sondern wegen seines Ruhms juristisch anzufassen. Für manche ist das Verrat an Veteranen. Für andere ist es ein seltener Beweis dafür, dass Rechtsstaatlichkeit mehr wert sein kann als Heldenverehrung.
Der Prozess dürfte sich über Jahre ziehen. Aber schon jetzt steht fest: Der Fall Roberts-Smith hat Australiens militärisches Selbstbild tiefer erschüttert als jede Sonntagsrede zum Anzac Day.
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