Der Fall, der Long Island über Jahre verfolgt hat, ist vor Gericht an einem einzigen Tag in eine bittere Gewissheit umgeschlagen: Rex Heuermann hat sich zu acht Morden schuldig bekannt. Der heute 62-Jährige stand im Gerichtssaal äußerlich regungslos da, im schwarzen Anzug, und bestätigte kühl, was Angehörige der Opfer seit Jahren befürchtet hatten. Er habe die Frauen auf ähnliche Weise gefesselt, erwürgt, zerstückelt und ihre Überreste an abgelegenen Stränden von Long Island abgelegt.
Neue dramatische Details lieferte Heuermann kaum. Gerade das machte den Auftritt so verstörend. Auf die Fragen des Richters antwortete er fast ausschließlich mit „Ja“, auf die Frage nach der Tötungsart schlicht mit „Strangulation“. Reue? Offenbar keine Spur. Ein Anwalt der Opferfamilien sagte nach der Anhörung, Heuermann sei „kalt wie Eis“ gewesen.
Die nun eingestandenen Taten betreffen unter anderem Melissa Barthelemy, Megan Waterman, Amber Costello, Maureen Brainard-Barnes, Jessica Taylor, Valerie Mack, Sandra Costilla und Karen Vergata. Viele der Frauen waren Sexarbeiterinnen. Genau dieser Umstand wirft bis heute einen dunklen Schatten auf die Ermittlungen: Angehörige und Unterstützer werfen den Behörden seit Jahren vor, den Fall nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt zu haben, weil die Opfer als „Prostituierte“ abgestempelt worden seien.
Tatsächlich wirkt die Aufklärung im Rückblick unerquicklich langsam. Obwohl es schon früh Hinweise gab, dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bis Heuermann 2023 festgenommen wurde. Den entscheidenden Durchbruch brachten am Ende moderne Auswertungstechniken, Handydaten, alte Zeugenaussagen und DNA-Spuren – unter anderem von einem weggeworfenen Pizzakarton. Dass Ermittler damit in wenigen Wochen zum Täter kamen, wirft zwangsläufig die Frage auf, warum dies nicht viel früher geschah.
Im Ort Massapequa Park, wo Heuermann mit seiner Familie in einem heruntergekommenen Haus lebte, herrscht heute vor allem Ernüchterung. Viele Nachbarn sagen sinngemäß: Man glaubt, man kenne sein Umfeld – bis man merkt, dass man es eben nicht kennt.
Trotz des Schuldbekenntnisses bleiben Fragen offen. Nicht alle Todesfälle rund um Gilgo Beach sind abschließend geklärt. Für die Angehörigen ist das Geständnis daher kein wirklicher Schlussstrich, sondern eher das späte Ende eines Justizversagens, das Jahre gebraucht hat, um das Offensichtliche zu benennen.
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